Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Curling-Skip Andrea Schöpp Vorzeige- und Reizfigur
Von Andreas Schirmer, dpa
Die Chefin des deutschen Wischkommandos bürstet gerne gegen den Strich. «Ich bin es in Deutschland gewöhnt, dass alle gegen mich sind», sagte Andrea Schöpp, Skip der Curling-Damen bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver. «Viel Neid, viel Ehr.»
Die 44 Jahre alte Garmisch-Partenkirchenerin ist die Vorzeige- und Reizfigur ihres Sports, ein Genie beim «Schach auf dem Eis», aber auch eine Frau mit Haaren auf den Zähnen. «Olympia ist einfach nur nervig», tönte die älteste Athletin des deutschen Teams in den Tagen vor den neun Vorrunden-Spielen. «Bei mir ist null olympische Vorfreude.»
Vielleicht ist das ihre Art, sich für den Kampf um die erste «echte» olympische Curling-Medaille für Deutschland zu motivieren. Denn «eine kleine Hoffnung» habe sie schon auf Edelmetall, wenngleich die promovierte Mathematikerin sofort einschränkend hinzufügt: «Ich bin Realist. Das ist für uns sehr, sehr unwahrscheinlich.» Bei den Winterspielen 1992 in Albertville gewann Andrea Schöpp zwar schon einmal Gold - aber da war Curling nur Demonstrationswettbewerb.
Im Vancouver Olympic Centre tritt sie mit der jungen Mannschaft des SC Riessersee an, die Anfang Dezember die Europameisterschaft in Aberdeen gewann. Stella Heiß (18) und Corinna Wagner (20) sind die Youngster des Teams, zu dem noch die Deutsch-Kanadierin Mélanie Robillard (27) und Monika Wagner (44) gehören. «Es ist weder ein Vor- noch ein Nachteil», sagte Schöpp über die beiden jungen Spielerinnen. «Es gibt halt in Deutschland nicht genug Curler.»
Seit 35 Jahren ist Andrea Schöpp ihrem Sport verfallen, 1980 gewann sie ihren ersten EM-Titel - und an ein Aufhören denkt sie noch lange nicht. «Sicher mache ich noch zehn, 15 Jahre weiter», kündigte sie an. «Ich freue mich immer noch, Steine zu spielen.» Diese Freude wurde nicht immer von ihren Rivalen und Mitspielerinnen geteilt. Intrigen und Eifersüchteleien führten vor den Winterspielen 2002 zu ihrem Rauswurf aus dem Nationalteam. Als danach ohne sie die Qualifikation für Turin 2006 verpasst wurde, kehrte sie zurück.
Um auf Weltniveau und Skip zu bleiben, trainiert sie hart. Bis zu fünf Stunden radelt sie täglich auf dem Mountainbike. «Da bringe ich den Puls nicht so hoch, wie wenn ich eine Bahn mit dem Besen wische», sagte Andrea Schöpp. Curling ist auch harter Sport. «Schach wäre mir zu wenig, ich bin ein Bewegungsfreak.» Inzwischen konzentriert sie sich wieder voll auf das Curling, kündigte vor drei Jahren ihre Dozentenstelle in München und gibt nun Nachhilfe in ihrer Heimatstadt, die sie nicht gern verlässt. «Reisen sind der Horror für mich», bekannte sie. Vom Sport kann sie nicht leben, bezahlt werden nur Trainingsmaßnahmen und Wettkampfreisen. «Am Wochenende gehe ich deshalb nicht essen, sondern lebe vom Frühstück und einem Stapel Butterbrote», berichtete Schöpp.
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