Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Kapp begeistert vom Curling-Mekka Vancouver
Von Britta Körber, dpa
Das Curling-Mekka Vancouver ist ein Geheimtipp bei Olympia. Dudelsackspieler zum Einmarsch der Athleten, lärmende Schweizer Kuhglocken und Dauerbeschallung von kreischenden Fans: Das stets ausverkaufte Olympic Center bietet das besondere Erlebnis für Anhänger des kühlen Sports.
«Die Atmosphäre hier ist genial, wenn Kanada spielt, explodiert die Halle», sagt der deutsche Skip Andy Kapp, den der Lärmpegel im Curling-verrückten Kanada manches Mal sogar nervt. «Es waren schon Eishockey-Spieler hier, um ihr Team anzufeuern. Da kann man sich gar nicht mehr konzentrieren», erzählt der 42 Jahre alte Füssener. Die Tradition in dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden schottischen Volkssport kennt eigentlich nur dosierte Anfeuerung und viel Konzentration. Bei Olympia ist aber alles erlaubt.
Ganz beeindruckt von der stets ausverkauften Halle mit 5600 Zuschauern zeigt sich auch Corinna Scholz bei ihrer Premiere: «Der Zuschauerlärm und die vielen Kameras sind ungewohnt». Die 20-Jährige ließ sich ebenso wie ihre Teamkolleginnen zum gelungenen Auftakt nicht aus dem Konzept bringen. Curling-Küken Melanie Robillard, deren Vater Kanadier ist, erlebt sogar ein Fast-Heimspiel. Für ihre kalte Leidenschaft nahm die 17-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft an, ihre ganze Familie fiebert nun in Vancouver mit dem SC Riessersee.
«Schach auf dem Eis», wie Curling oft genannt wird, ist in der Heimat der Olympiasieger von 2006 in Turin fast so populär wie Eishockey und Eiskunstlauf. «Es gibt eine Million aktive Curler hier, das ist ein Breitensport», weiß Bundestrainer Oliver Axnik. In Deutschland, wo vor allem die Hallen mit dem aufwendig präparierten Eis fehlen, betreiben etwa 900 diesen Nischensport, es gibt nur drei Bundesstützpunkte - in Oberstdorf, Füssen und Garmisch-Partenkirchen.
Kapp und Kollegin Andrea Schöpp sind Amateure und stehen nebenbei im Berufsleben. Fast alle Gegner sind dagegen Vollprofis oder wurden zumindest einige Monate vorher zusammengezogen und vom Job freigestellt. «Zum Curling in Kanada gibt es keine Steigerung», sagt Europameisterin Schöpp. Deswegen hat der Weltverband auch festgelegt, jede zweite Weltmeisterschaft in Kanada auszutragen. So werden Schöpp und Co. zum Ende der Spiele nur einen kurzen Heimurlaub antreten, um Ende März wieder zum Weltchampionat in Swift Current in der Provinz Saskatchewan anzutreten.
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