Gab es Eisausbau? - Sorgen ohne Ende an Eisrinne

Von Michael Fox und Frank Kastner, dpa

Die Zuschauer spendeten den Sturz-Piloten Beifall, aber da war den sonst so harten Burschen längst der Spaß vergangen. Wutentbrannt schleuderte der Liechtensteiner Michael Klingler seinen Helm zu Boden, der Brite Dan Money schüttelte fassungslos den Kopf.

Crash
Bob Schweiz I mit Pilot Beat Hefti kippt im Trainingslauf um. 

Auch mehr als eine Woche nach dem Unfalltod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili kommt die rasante Eisrinne in Whistler nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Zwar wurden am Eisbau in der berüchtigten Kurve 13 mit der vieldeutigen Bezeichnung «Fifty- Fifty» Verbesserungen vorgenommen - aufgefallen sind sie dem Riesaer Piloten Thomas Florschütz allerdings nicht. «Gab es einen Eisausbau? Wenn ich ehrlich bin, habe ich nichts gemerkt. Für nächste Woche müssen die sich hier schwer ins Zeug legen, sonst müssen wir mit dem Vierer gar nicht erst anfangen.»

14 Stürze im Training der Männer, mehrere im Zweierbob-Rennen - die Hochgeschwindigkeitsbahn sorgte auch bei den Bob-Fahrern für Sorgenfalten bei allen Beteiligten. Selbst Top-Favoriten blieben im schnellsten Eiskanal der Welt nicht verschont: Der Schweizer Beat Hefti stürzte im Training und konnte das erste Olympia-Rennen wegen einer Gehirnerschütterung nur als Zuschauer verfolgen. Zum Entsetzen der Fans erwischte es auch den Kanadier Lyndon Rush, der sich von allen Medaillenträumen verabschieden musste. «Es sieht jeder, was hier passiert», klagte der österreichische Bremser Christian Hackl, im Training selbst Sturzopfer. «Das sind ja alles keine Nasenbohrer.»

Sogar IOC-Präsident Jacques Rogge versprach, sich nachhaltig dafür einsetzen zu wollen, dass sich Unfälle wie der Kumaritaschwilis nie mehr wiederholen: «Eine Sache ist ganz sicher, ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, dass so etwas in Zukunft nicht noch einmal passiert.» Das IOC werde mit den Bob- und Rodel-Weltverbänden nach den Spielen «alle notwendigen Schritte» unternehmen. In Anwesenheit des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili war der junge Rodler in seinem Heimatort Bakuriani beigesetzt worden.

Nach dessen Tod hatten die Verantwortlichen reagiert und die Rennen von deutlich tiefer gelegenen Starts absolvieren lassen. Mit Erfolg: In den drei Rodel-Entscheidungen gab es nur einen Sturz, die Skeleton-Wettbewerbe verliefen glimpflich, doch erst mit deren Ende konnte für die Bobs etwas mehr getan werden. Das Problem: In den Trainings fuhren die Bobs noch auf dem «Skeleton-Eis», waren in den gefährlichen Kurven oft zu hoch unterwegs und extrem sturzgefährdet. Auch auf Drängen von Sportdirektor Thomas Schwab vom deutschen Bob- und Schlittenverband wurde vor den Rennen vor allem in der Kurve 13 Eis weggenommen und die Ein- und Ausfahrten entschärft. «Aber es ist immer noch nicht genug», bemängelte Schwab.

Nach den Bob-Sturzarien herrschte regelrecht Alarmstimmung. «Sicherheit zuerst. Die Gesundheit der Athleten steht im Vordergrund», mahnte Vizepräsident Thomas Bach vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) unter dem Eindruck der Stürze in der Eisrinne und bei der alpinen Frauen-Abfahrt. Doch absolute Sicherheit gibt es nicht: ««Das ist menschlich nicht möglich. Das wissen die Athleten. Sie sind sich des Restrisikos bewusst», sagte Bach und betonte, dieses Restrisiko müsse minimiert werden.

Vor den Rennen bei den Frauen und im Viererbob sind Verbesserungen nötig, doch eigentlich kommen dies zu spät. «Schaut euch das an! Mein Bremser liegt halbtot da unten», schrie der Schweizer Daniel Schmid mit einem entsetzten Blick auf seinen Hintermann Jürg Egger. Egger erlitt Quetschungen an der Halswirbelsäule, die Spiele waren für ihn gelaufen. Auch Top-Anschieber Kevin Kuske hat es angesichts der Ausfälle die Olympia-Laune verhagelt. «Das ist alles sehr schade. Das ist sehr traurig, wenn so namhafte Konkurrenten ausscheiden.»

21.02.2010


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