«Farce»: Auch Viererbob von Sturzserie überschattet

Von Michael Fox und Frank Kastner, dpa

Zwei Wochen nach dem Todessturz des Rodlers Nodar Kumaritaschwili kam die Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler auch bei ihrem Olympia-Finale nicht aus den Negativ-Schlagzeilen.

Draußen
Der russische Toppilot Alexander Subkow stürzt mit seinem Viererbob. 

«Das ist eine Farce für ein olympisches Rennen», schimpfte Bundestrainer Carsten Embach angesichts der Sturzserie bei den Viererbobs, der sogar Ausnahmepilot André Lange nur mit viel Geschick und jeder Menge Glück entging. «Man hätte die Bahn wesentlich sicherer ausrichten können», kritisierte auch Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) die Veranstalter. «Es sind eindeutig zu viele Stürze.»

Nach dem tödlichen Unfall des jungen Georgiers, insgesamt 14 Trainings-Crashs im Männer-Zweierbob sowie dem spektakulären Sturz von Cathleen Martini und Romy Logsch hatten die Übungseinheiten im großen Schlitten eigentlich für leichte Zuversicht gesorgt. Nur der lettische Mitfavorit Janins Minins landete auf der Seite - und musste wegen der Gehirnerschütterung bei einem seiner Anschieber absagen.

Im Wettkampf kam dann aber alles anders. «Im Rennen haben sie wieder Kühlung reingehauen», erklärte Langes Anschieber Kevin Kuske. Prompt wurde die Bahn deutlich schneller als im Training - und das bei extrem schlechten Sichtbedingungen. «Man hatte dauernd Schnee auf dem Visier», sagte Kuske. Prompt erwischte es gleich sechs Bobs in den ersten beiden Läufen - darunter so erfolgreiche Athleten wie den Russen Alexander Subkow oder John Napier (USA).

Die Kritik der Fahrer an den veränderten Eisbedingungen kam umgehend. «Die Kufen lenken deutlich schlechter als im Training. Und man sieht ja, dass auch die guten Piloten stürzen. Wir kämpfen hier wirklich ums sportliche Überleben», klagte der Riesaer Thomas Florschütz - und kritisierte die Tempojagd der Bahn-Verantwortlichen. «Man sollte halt vermeiden, irgendwelche Rekorde aufstellen zu wollen.» Karl Angerer aus Königssee befand: «Die Bahn ist sehr, sehr gefährlich. Das ist brutal, was den Piloten hier abverlangt wird.»

Kurz vor der erneuten Sturzserie, die zum Glück ohne schwerere Verletzungen ablief, hatte IOC-Präsident Jacques Rogge noch einmal an den schrecklichen Unfall des jungen Georgiers erinnert. «Natürlich wirft der Tod von Nodar Kumaritaschwili einen Schatten auf diese Spiele», sagte der Belgier. «Der Zwischenfall wird für immer Teil dieser Spiele sein. Das kann man nicht isolieren.»

Für das nächste Winter-Spektakel will Rogge vorbauen: «Wir haben Sotschi gebeten, bitte sorgt für eine sichere Bahn. Sicherheit ist unser oberstes Gebot», betonte der 67-Jährige, «das IOC hat nie nach mehr Tempo verlangt. Das ist nicht unsere Philosophie.» Die Höchstgeschwindigkeiten auf der Whistler-Bahn betrugen mehr als 150 Stundenkilometer. In Sotschi soll es 2014 höchstens Tempo 135 geben - hoffentlich!

27.02.2010


termine25besenkalenderverkehrspiele


Infografiken | >>auf Bild klicken