Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Bob-Schmiede FES Erfolgsgarant für Olympia-Gold
Von Frank Kastner und Michael Fox, dpa
Das Wettrüsten in der «Formel 1 des Winters» haben die Deutschen wieder gewonnen. Spätestens nach dem doppelten Rodel-Gold, den ersten Skeleton-Medaillen überhaupt und dem Doppelerfolg im Zweierbob durch André Lange und Thomas Florschütz war es klar.
Die Erfolge im Eiskanal verdanken die Olympioniken auch den Tüftlern und Technikern vom Institut für Forschung- und Entwicklung von Sportgeräte in Berlin (FES) - ein vom Bundesinnenministerium gefördertes Unternehmen. Die Medienwelt im «Whistler Sliding Centre» kam nach der überzeugenden Vorstellung der deutschen Zweierbobs, die als einzige die Schallmauer von 150 km/h durchbrachen, aus dem Staunen nicht heraus. Die einhellige Frage war: Wer baut die deutschen Schlitten?
«Das war ein straffes Projekt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Defizite angepackt», sagte FES-Direktor Harald Schaale der Deutschen Presse-Agentur dpa. Während die kleinen Schlitten nicht unbedingt ein Problem darstellten, wurde gerade an den Vierern hart gearbeitet. Immerhin fiel die Entscheidung vor der Saison bei allen deutschen Piloten für den Singer-Bob aus. «Genau zu diesem Zeitpunkt haben wir eine Problem-Matrix erstellt und unser Ding durchgezogen. Gott sei Dank haben wir nach innen und außen die Nerven behalten», meinte Schaale, der auf Anhieb die Trainingsbestzeit von Lange im «407er»-FES-Viererbob bewundern durfte.
Bereits Monate vor Langes Abschiedsrennen testete die FES-Crew zahlreiche Kufensätze, die zuvor etlichen Werkstoffprüfungen unterzogen worden waren. «Immerhin gibt es aufgrund der unterschiedlichen Stahllegierungen des 2006 eingeführten Einheitsmaterials fast 15 Prozent Streuung, was in der Bahn allein bis zu drei Zehntelsekunden ausmachen kann», betonte Schaale. Hinzu kommt die jahrelange Erfahrung der Hauptstädter bei der Bearbeitung und beim Fräsen der Kufen, den sogenannten «Sprung» (Form). Gute und vor allem mit dem Stempel des Weltverbandes FIBT abgenommene Kufensätze haben mittlerweile in der Branche einen Schwarzmarktpreis von 30 000 Euro.
Wohlwissend um ihre Stärke und um ihr Klasse-Material tüfteln und pokern die Deutschen bis zum letztmöglichen Zeitpunkt: Erst unmittelbar vor dem Zweierbob-Rennen wurden die besten Kufen zugelassen. Jedes Team darf in der Saison drei Sätze mit einem offiziellen FIBT-Stempel fahren. André Lange und Thomas Florschütz hatten sich die besten Kufen bis zum Schluss aufgehoben. Ein Psycho-Trick, der die Konkurrenz immer wieder vor Rätsel stellte.
Dabei war das Wettrüsten auf dem Materialmarkt nie so extrem wie vor Olympia. Noch nie gingen so viele unterschiedliche Fabrikate an den Start, noch nie wurden so viele Euros und Dollars in die Entwicklung der «fliegenden Kisten» investiert. Die Schweizer kopierten das Berliner Erfolgsrezept und debütieren mit dem «Citius»-Bob (lateinisch für schneller), an dem über ein Dutzend wissenschaftliche Einrichtungen und Firmen mitarbeiteten. Die Italiener präsentieren erstmals die «Rote Göttin» aus der Ferrari-Werkstatt. Die USA schob weiterentwickelte «Bo-Dyn»-Schlitten aus der NASCAR-Schmiede an den Start, und die kanadischen Lokalmatadoren setzen auf das Material der Schweizer Hans Hildebrand und Christian Reich.
Hinzu kamen noch die Vierer-Schlitten des Österreichers Hannes Wallner, die Ivo Rüegg und Alexander Subkow fahren. Und auch die von Florschütz und Karl Angerer im Vierer genutzten Singer-Bobs aus Rosenheim - allerdings mit FES-Kufen unterwegs - sind in der Szene gefragt. Die Russen sicherten sich mit Blick auf Sotschi 2014 die Dienste des Wolkersdorfers Franz Wimmer, der spezielle Erfahrungen mit seiner Traunsteiner Firma in der Karbon-Technik hat.
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