Olympiasieger Lange: «Jetzt ist Fasching im Kopf»

Erfolgs-Pilot
André Lange ballt die Faust nach entscheidenden letzten Lauf im Zweier-Bob. 

Whistler - Mit seinem Sieg im Zweierbob hat Ausnahmepilot André Lange sein viertes Olympia-Gold eingefahren. Der Oberhofer stieg durch den Triumph zusammen mit seinem langjährigen Top-Anschieber Kevin Kuske am Sonntag (Ortszeit) auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler zum erfolgreichsten Bob-Piloten der Welt auf. Die Deutsche Presse-Agentur dpa sprach mit den beiden viermaligen Olympiasiegern.

In Ihrem letzten Zweierbob-Rennen haben sie Ihren vierten Olympiasieg eingefahren - wie fühlt sich dieser erneute Gold-Coup an?

Lange: „Jetzt ist Fasching im Kopf. Jetzt werden wir das Ganze erst einmal genießen und eine Hopfenkaltschale zu uns nehmen. Es war definitiv mein letzter Wettkampf im Zweierbob. Jetzt stehen hoffentlich noch vier ordentliche Läufe im Viererbob an - und dann ist es vorbei.“

Kuske: „Wir haben noch einen Auftrag im Viererbob zu erfüllen, erst dann ist Feiern angesagt! Bei uns hat sich eine gewisse Beziehung entwickelt. Wir sind jetzt schon so lange zusammen. Wir sind durch Höhen und Tiefen durch. Ich denke, dass ich den Erfolg, den ich jetzt habe, immer mit André zusammen sehe. Es macht diesen Erfolg aus, es ist ein immenser Erfolg für uns alle.“

Vor acht Jahren in Salt Lake City haben Sie den ersten Olympiasieg gefeiert. Wie fühlt sich im Vergleich dazu dieser Erfolg an?

Lange: „Jeder Olympiasieg hat seine eigene Geschichte. 2002 waren wir jung. Wir wollten die Welt erobern und haben es geschafft. Jetzt war es anders: Die hohen, sehr hohen Erwartungen zu erfüllen, ist nicht immer einfach. Aber ich habe vor den beiden letzten Läufen gewusst, dass wir das schaffen.“

Kuske: „Wir sind völlig relaxt an den Start gegangen. Mit André fährt einfach die Ruhe mit. Das war früher mal so, dass ich ein bisschen heißer war und in der Umkleidekabine etwas rumgebrüllt habe. André hat mir da ein wenig Ruhe gegeben. Ich bin jetzt ein wenig bisschen so cool geworden wie er, es hat wohl ein wenig was abgefärbt.“

Wie schwierig waren die Umstände hier an der Bahn, nach all den Stürzen und dem Tod des jungen georgischen Rodlers?

Lange: „Was passiert ist, ist tragisch. Aber die Gefahr von Stürzen hat man auf jeder Bahn. Wir haben die Bahnen in Altenberg und in Lake Placid, die auch als sehr gefährlich eingestuft werden. Man sollte halt nie vergessen, das ist eine Rennsportart.“

Kuske: „Man hat immer gesunden Respekt. Aber ich beschäftige mich nicht mit dem Thema Stürzen, überhaupt nicht. Wenn es kommt, kommt es. Wenn es passiert, reagiert man einfach nur.“

Hoffen Sie, dass nach den Problemen bei den Rodlern und den Zweierbobs im Viererrennen nun bessere Bedingungen in der Eisrinne von Whistler herrschen?

Lange: „Für den Viererbob bin ich guter Dinge, dass das ein ordentlicher Wettkampf wird. Es gibt Dinge, die noch verbessert werden können. Der Eisausbau für den großen Schlitten kann verbessert werden. Es muss darum gehen, dass wir im Falle eines Fehlers eine Knautschzone haben.“

Ist Whistler eine gefährliche Bahn?

Lange: „Es ist eine besondere Bahn. Es ist eine anspruchsvolle Bahn. Aber wenn das Eis ordentlich ausgebaut ist, ist die Bahn auch gut zu fahren.“

Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner hat sich über den riesigen Rummel nach den Rennen beklagt. Wie empfinden Sie das?

Lange: „Ich kann Magda zu 100 Prozent verstehen. Da ist so eine Hektik. Man hat den Helm noch nicht ab, und schon geht das ganze Gezerre los.“

Kuske: „Aber die Doping-Kontrolle hat richtig Spaß gemacht. Wir haben alle nur gelacht.“

22.02.2010


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