André Lange bleibt auch vor letztem Rennen cool

Von Frank Kastner und Michael Fox, dpa

Die erste Sause für André Lange endete um drei Uhr. «Die eine Nacht brauchten wir mal zum Abschütteln der aufgestauten Anspannung, ab sofort konzentrieren wir uns auf das Viererbob-Rennen», sagte der nun viermalige Olympiasieger Lange.

Ausgeschlafen?
Andre Lange (l) and Kevin Kuske scherzen nach ihrem Sieg im "Deutschen Haus". 

Am 27. Februar bestreitet Lange den letzten Wettkampf seiner 17-jährigen Karriere. Und wer ihn kennt, weiß: Der beste Bobpilot der Welt überlässt nichts dem Zufall. «Er ist in der Lage, Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen. Das kann er wie kein anderer Bobfahrer dieser Welt. Nur aufgrund dieser Tatsache konnte er über ein Jahrzehnt lang diese Unmenge von Erfolgen einfahren. Auch in dieser Saison, die von einer Verletzung überschattet wurde, hat er sich nie aus der Ruhe bringen lassen», betonte Bundestrainer Carsten Embach, der selbst mit dem Oberhofer 2002 in Salt Lake City im olympischen Gold-Vierer saß.

Daher war die Umarmung nach der ersten Gold-Fuhre in Whistler besonders innig. «Wir haben einen sehr direkten Draht und eine große Freundschaft, die uns verbindet. Das hat mit dem Dienstlichen rein gar nichts zu tun, das ist einfach rein menschlich», betonte Embach, der auch Thomas Florschütz ein großes Lob spendete: «Diese Bahn erfordert unheimliche Aufmerksamkeit. Riesenkompliment auch an Flori. Beide Piloten haben hier einen Riesenjob gemacht. 22 Hundertstelsekunden Unterschied auf dieser Bahn sind am Ende fast nix, daher kann man diese Leistungen nicht genug würdigen.»

Doch woher kommt nun die ganze Coolness von «Bärchen» Lange? «Das ist eine gute Frage, wenn es einer wüsste, würden es alle wahrscheinlich genauso machen», meinte Embach, der natürlich einige «Hopfenkaltschalen» erlaubte: «Ob das Bier jetzt schon schmeckte, weiß ich nicht. Die Jungs hatten auf alle Fälle einen stressigen Presse-Marathon hinter sich. Das war anstrengend genug, daher haben wir das Training am Montagmorgen ausfallen lassen», betonte Embach.

Den größten Anteil am Erfolg hat laut Lange aber sein langjähriger Heimtrainer Matthias Trübner. «Er hat mich im Prinzip von der ersten Sekunde an, seitdem ich Bob fahre, geformt, beraten, trainiert und begleitet. Er ist der Vater des Erfolges», sagte Lange und betonte: «Naja, das richtige Fingerspitzengefühl hatte er nicht immer so unbedingt! Aber durch seine nicht locker lassende Art hat er viel bewirkt, weil der Schweinehund im Menschen natürlich immer mal durchkommt und mal ruhiger machen will. Dann stand er eben da und hat Attacke gemacht.»

23.02.2010


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