Olympia 2014? - Neuner: «Weiß ich noch nicht»

Für Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner ist es durchaus vorstellbar, schon vor den nächsten Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi ihre Biathlon-Karriere zu beenden. «

Erfolgreich
Magdalena Neuner ist die erfolgreichste deutsche Sportlerin der Winterspiele. 

Ich werde das immer von Jahr zu Jahr entscheiden», sagte die 23-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Solange sie Freude an ihrem Sport habe, werde sie weitermachen. Das nächste sportliche Ziel der sechsmaligen Weltmeisterin ist der Gewinn des Gesamtweltcups. «Den will ich mir schon holen», sagte sie vor den letzten drei Biathlon-Weltcup-Veranstaltungen. Auch wenn sie Kritik an den Organisatoren der Winterspiele übte, stellte sie fest: «Ich habe trotzdem Olympia total genossen. Es war vielleicht teilweise etwas stressig, aber trotzdem war es unheimlich schön. Ich werde viele gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen.»

Für Ihren Verzicht auf den Staffeleinsatz haben Sie die Fair-Play-Medaille des deutschen Sports erhalten. Und nun dürfen Sie auch noch die deutsche Fahne tragen. Da haben Sie doch alles richtig gemacht?

Magdalena Neuner: «Ich habe nicht das Ziel gehabt, dass ich Fair-Play-Preise abräume. Ich habe ja schon erklärt, warum ich es gemacht habe. Für mich war es die richtige Entscheidung. Es war für die Mannschaft noch einmal super. Nun darf jeder mit einer Medaille heimfahren und das ist schön.»

Und nun sind Sie auch Fahnen-Trägerin bei der Abschlussfeier?

Neuner: «Das ist etwas richtig Schönes. Der André Lange hat zu mir gesagt, er kriegt nicht so leicht weiche Knie, aber da hat er richtig weiche Knie bekommen. Von daher freue ich mich riesig. Es ist eine große Ehre, aus so vielen tollen deutschen Wintersportlern ausgewählt zu werden.»

Erzählen Sie doch noch einmal mit ein paar Tagen Abstand, wie es zu der Staffel-Entscheidung gekommen ist? Da gibt es ja unterschiedlichste Versionen.

Magdalena Neuner: «Ja, da gibt es viele Versionen. Klar, wäre ich grundsätzlich gerne die Staffel gelaufen. Ich habe mich dann mit dem Uwe (Bundestrainer Müssiggang) zusammengesetzt. Das macht er von Haus aus, dass er sich mit jedem zusammensetzt. Wir haben uns dann drüber unterhalten. 'Er hat dann auch gesagt, naja, was meinst du, willst Du die Staffel wirklich laufen?' Dann habe ich mir Gedanken drüber gemacht und habe dann gesagt, ich habe drei Medaillen gewonnen. Ich habe auch gewusst, dass die Martina (Beck) schon ziemlich enttäuscht war, dass sie eventuell die Staffel nicht laufen darf. Für mich hätte sich nichts geändert, ob ich eine Medaille mehr in der Sammlung gehabt hätte oder nicht.»

Aber sie hätten doch noch erfolgreicher sein können?

Neuner: «Ich habe mir meine Träume erfüllt. Mehr als das - ich wollte eigentlich nur eine Medaille und jetzt habe ich drei. Von daher habe ich gesagt, es ist für mich wirklich ok. Ich kann damit leben und habe es dann auch selber entschieden. Ich stehe da nach wie vor dahinter und freue mich, dass es so aufgegangen ist.»

Waren Sie von den zum Teil heftigen Reaktionen überrascht?

Neuner: «Na, sagen wir mal so. Ich wusste schon, dass da viel und auch heftig reagiert wird. Es war halt ein bisschen schade, dass da soviel spekuliert, von Druck und von was weiß ich was alles gesprochen wurde. Es ist einfach nur eine Entscheidung. Nicht mehr und nicht weniger. Wir sind halt sechs Mädels in der Mannschaft. Ich habe, wie gesagt, alles erreicht. Man muss da auch mal Teamplayer sein. Das ist so in der Mannschaft.»

Ihre ersten Olympischen Spiele sind vorbei. Sie haben auch Kritik an den Organisatoren geübt. Hatten Sie sich die Sache so schlimm vorgestellt?

Neuner (lacht): «So schlimm war es jetzt auch gar nicht. Sagen wir mal so, ich habe mir einige Dinge anders vorgestellt. Es war halt ganz schön stressig. Die Leute haben schon ganz schön an uns gezerrt. Klar wusste ich, wenn man so einen großen Erfolg hat, dass da viel auf einen zukommt. Ich habe trotzdem Olympia total genossen. Es war vielleicht teilweise etwas stressig, aber trotzdem war es unheimlich schön. Ich werde viele gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen.»

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie wieder zu Hause in Wallgau sind?

Neuner: «Ich freue mich darauf, wieder in meiner eigenen Wohnung zu sein. Auf das eigene Bett, die Familie. Einfach auf die Normalität. Wenn ich die Tür hinter mir zu machen und den Sport draußen lassen kann. Wenn man so viel unterwegs ist, dreht sich eigentlich alles 24 Stunden lang um den Sport. Daheim kann ich sagen, jetzt kann ich Magdalena sein und der Sport bleibt draußen und kann etwas Pause machen.»

Drei Rennen stehen noch an. Ist der Gesamtweltcup das nächste Ziel?

Neuner: «Auf jeden Fall. Ich weiß ja, dass ich noch total fit bin, dass meine Kraft noch lange nicht ausgeht. Jetzt bin ich knapp vor der Helena Jonsson. Ich bin natürlich sehr ehrgeizig. Den will ich mir schon holen. Ich werde jetzt versuchen, gute Wettkämpfe zu machen und dann werden wir sehen.»

Reicht die Kraft auch noch bis Olympia 2014 in Sotschi?

Neuner: «Das weiß ich noch nicht. Obwohl, die Kraft reicht noch lange, ich bin ja noch jung. (lacht) Ich schaue einfach. Ich werde das immer von Jahr zu Jahr entscheiden. Vielleicht mache ich noch bis 2018, bis 2020. Keine Ahnung. Vielleicht auch kürzer. Solange es noch Spaß macht, so lange man noch Freude hat, unterwegs zu sein und das alles zu machen, glaube ich, kann man es machen. Und wenn nicht, dann halt nicht mehr.»

Interview: Volker Gundrum und Lars Reinefeld

28.02.2010


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