Magdalena Neuner: «Habe gelernt, Nein zu sagen»

Von Volker Gundrum und Lars Reinefeld, dpa

Schwedens Königin Silvia musste nicht lange überlegen, um den Star der deutschen Olympia-Mannschaft zu benennen. «Neuner», sagte die Monarchin ohne zu zögern und mit einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen.

Entspannt
Magdalena Neuner spricht bei einer Pressekonferenz im Deutschen Haus. 

«Sie ist eine absolute Sympathieträgerin über den Wintersport hinaus», beschrieb DOSB- Präsident Thomas Bach den Wert der Biathletin Magdalena Neuner für den deutschen Sport. Auch wenn es nach ihrem Verzicht auf den Staffel-Einsatz Irritationen und Spekulationen gab, genoss die zweimalige Olympiasiegerin am Tag danach die neu gewonnene Freiheit.

Kurz vor dem Start der letzten Frauen-Entscheidung verteidigte Neuner ihren Verzicht auf die Staffel erneut: «Wir sind halt fünf Mädels in der Mannschaft, die unheimlich stark sind. Ich habe alles erreicht, definitiv. Es macht keinen großen Unterschied, ob ich noch einmal eine Medaille gewonnen hätte oder nicht.» Spekulationen in der Heimat, sie sei ausgebrannt und zum Verzicht gedrängt worden, wies sie vehement zurück: «Quatsch, das ist alles totaler Quatsch. Ich habe auch nicht gewusst, ob ich ein Super-Rennen mache», meinte die Doppel-Olympiasiegerin. «Es war viel für mich die letzten Tage, aber ich bin definitiv nicht ausgebrannt.»    

Der Feiertag der Magdalena Neuner hatte zuvor mit einem Auftritt im Fernsehstudio begonnen. Doch dann bummelte das Glamour-Girl durch Whistler. Sie traf sich am Abend mit den Eltern zum Essen. «Ich habe nicht so gut geschlafen», sagte sie. Die 23-Jährige verriet auch, warum: «Ich habe ein Gläschen Sekt getrunken.»

Verdient hat sie den Siegerschluck allemal. Auch die Schecks, die nun durch neue Werbeverträge kommen werden. Doch die olympischen Erfolge sollen sie nicht verändern. «Ich versuche einfach, so zu bleiben, wie ich bin.» Die sechsmalige Weltmeisterin baut auf ihre Familie und die Freunde. «Hoffentlich sagen sie es mir, wenn es nicht so ist.»

Nach den ersten großen Siegen hatte die Skijägerin viel Lehrgeld gezahlt. «2007, da war ich gerade 19», erinnerte sie in Whistler an den Rummel nach ihren ersten drei Weltmeister-Titeln. «Ich war halt noch nicht erwachsen genug. Ich wusste auch gar nicht, was auf mich zukommt. Ich habe gemerkt, Biathlon ist nicht nur durch den Wald laufen und schießen, sondern da gehört noch ganz viel mehr dazu.» Sie habe vor allen Dingen «auch gelernt, Nein zu sagen.»

Ihr «Nein» zur Staffel sorgte bei den Funktionären für hektische Betriebsamkeit. Man hätte es gerne gesehen, wenn die dreimalige Medaillen-Gewinnerin dabei gewesen wäre. Erst wurde pausenlos telefoniert, dann wiegelten die Funktionäre ab. «Die Mannschaftsaufstellung ist Sache des Verbandes und der Trainer. Das ist auch dieses Mal so», sagte Chef de Mission Bernhard Schwank.

DSV-Präsident Alfons Hörmann stärkte Magdalena Neuner den Rücken: «Ich stehe 200-prozentig dahinter. Wenn ein so erfahrener Trainer und eine so tolle Athletin diese Entscheidung treffen, dann gibt es keinen Grund zu Diskussionen», sagte Hörmann, der am Tag nach Neuners Staffelverzicht zahlreiche böse E-Mails erhalten hatte.

Bundestrainer Uwe Müssiggang gönnt seiner Vorzeigesportlerin die Freiheit. «Die Lena ist super drauf, sie will die Tage hier noch genießen. Sie ist überglücklich über die Ergebnisse, die sie erreicht hat und sie ist weit weg von einem Burn out. Sie ist super zufrieden und freut sich auf jeden Tag, der hier noch kommt.» Respekt zeigten die Teamkolleginnen. «Als die Lena mich angerufen hat, habe ich erst einmal losgeheult», verriet Martina Beck.

23.02.2010


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