Herren vor Nullnummer - Ullrich selbstkritisch

Von Volker Gundrum und Lars Reinefeld, dpa

Gold-Lena und die Bronze-Staffel drücken den deutschen Skijägern ganz fest die Daumen. «Wir stehen an der Strecke und feuern sie gescheit an», versprach Martina Beck eine stimmgewaltige Unterstützung der erfolgreichen Frauen für das Staffel-Rennen der bislang enttäuschenden Männer.

Letzte Chance
Frank Ullrich (r) bespricht sich in Whistler mit seinem besten Mann, Michael Greis. 

Das Team um den dreimaligen Turin-Olympiasieger Michael Greis kann wahrlich jede Hilfe gebrauchen. Das Team-Rennen ist die letzte Chance, um nicht erstmals seit den Grenoble-Spielen 1968 ohne Männer-Medaillen nach Hause zu reisen. «Wir greifen an, die Mannschaft ist topmotiviert», kündigte Bundestrainer Frank Ullrich an, «bei den Frauen waren einige enttäuscht über die Bronze-Medaille. Wir wären über die Bronze-Medaille überglücklich.»

Die Ursachenforschung nach den Gründen für die ernüchternde Bilanz hat längst begonnen. Dabei gab sich Ullrich durchaus selbstkritisch. Rückblickend auf die Einzel-Wettbewerbe wäre seiner Meinung nach ein Aussetzen im Verfolgungsrennen die richtige Entscheidung gewesen. «Ich hätte sagen müssen, den Verfolger laufen wir nicht. So eine Entscheidung hätte ich treffen müssen. Für mich jetzt im Nachhinein», analysierte der neunmalige Weltmeister, «es hätte zwar einen Riesen- Aufschrei gegeben, das weiß ich - aber wir hätten Kräfte gespart. Die Jungs waren im Verfolger heiß, sie sind nach vorne marschiert.»

Der deutsche Starläufer Greis etwa zeigte nach dem Sprint-Rennen im Verfolger eine tolle Leistung. Der dreimalige Olympiasieger stürmte von Platz 21 vor auf Rang fünf. Im 20-Kilometer-Einzelrennen fehlte dem Allgäuer dann aber die Kraft. Das soll nun alles anders werden. Neben Greis werden wohl Christoph Stephan, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer für Deutschland laufen.

«Es werden acht Mannschaften sein, die mitmischen. Das sind die Norweger definitiv, das sind die Österreicher definitiv. Die Russen kommen dazu, die Franzosen. Dann kommen wir als fünfte Mannschaft. Aber genauso die Schweden, die haben einen Olympiasieger in ihren Reihen. Das war eine Initialzündung. Dazu kommt die Ukraine und die Weißrussen», blickte Ullrich voraus. Unter der Regie des Olympiasiegers von 1980 gab es für die deutschen Biathleten seit den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City vier Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen. In Kanada droht eine schmerzhafte Nullnummer.

24.02.2010


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