Schlafrunde

Die Zeit ist nun endlich reif für einen Kolumnen-Klassiker. Je länger die Spiele dauern, um so öfter schleicht sich der Wahnsinn ins Pressezentrum und ist ein Schnarchen zu hören.

Ein Kollege führte neulich am späten Abend eine Selbstdurchsuchung durch, durchwühlte alle Taschen und Tüten, alle Tüten und Taschen auf der Suche nach seinem Handy. Geklaut? Verloren? Verraten und verkauft? Kurz vor der Selbstleibesvisitation kam der Einfall: „Ruf mich schnell mal einer an.“ Und höre da, aus den Tiefen seines Jackenuniversums klingelte es sehr vertraut. Erleichterung hier, hektische Handysuchbewegungen dort. Man muss wissen, dass bemerkenswerter weise fast alle Journalisten ein Handy derselben Marke besitzen und dann auch noch aus den 35 Klingeltönen entweder „Nostalgia“ oder „Electronic“ ausgewählt haben. Wir sind halt doch alle gleich.

Schlafmangel macht das Hirn kariös, dauernd passieren Freudsche Versprecher. Während des Biathlons ist beispielsweise im Smalltalk von Schlafrunde statt Strafrunde die Rede, von Schlafanzug statt Schlafentzug. Abenteuerlich sind die zu beobachtenden Schlafpositionen. Der Asiate schräg gegenüber liegt mit seinem Gesicht in der Tastatur, womöglich mit der Nase auf dem R. Wie sein Text wohl aussieht? Rrrrrrrrrrrrrrr...

Der Nebensitzer zwei weiter ist ein Nebenlieger geworden, hat sich quer auf drei Stühle gelegt. Er schnarcht. Journalisten sind wie Kinder: Gerade noch live auf der Showbühne, Sekunden später im Schlummerlummerland. Deshalb: Gute Nachttttttttttttttttttttt… lm/Lars Müller-Appenzeller

24.02.2010


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