Handarbeit

Ja liebe Städter, es ist ein schöner Brauch in Wintersportregionen, dass Schüler ihren Skischuh malen (Haus im Ennstal/Österreich), einen Pistenbully basteln (Schonach/Deutschland) oder einen Medaillenspiegel bauen (Whistler/Kanada). Okay, der Medaillenspiegel Marke Eigenbau fällt etwas aus dem Rahmen, hoppla, denn er hängt nicht in der Schule sondern in der Rezeption im Hotel The Aspens.

Er sieht aber wie von Schülerhand gemacht aus: An einer Pinnwand hängen runde Scheiben in Gold, Silber und Bronze, darunter ausgeschnittene Zahlen, daneben die Namen der Länder. Prima Idee, denn hier kann mit flinken Fingern auf jede Entscheidung reagiert werden. Die Bars in der Fußgängerzone setzen auf Schiefertafeln. Hier werden mit der Mischung aus Wischtechnik und Kreidezeichnung die Vorbeilaufenden auf dem Laufenden gehalten. In Kanada sind Olympische Spiele noch Handarbeit.

In diesen Tagen wird die Eitelkeit mit Hingabe gepflegt. Wer stellt sich nicht gerne vor die Pinnwand oder die Schiefertafel und sagt: Medaillenspieglein, Medaillenspieglein an der Wand, Deutschland ist die beste Wintersportnation, das liegt doch auf der Hand. Nein, so ist es eben nicht.

Aus deutscher Sicht ist der Blick auf den Medaillenspiegel hier drüben ganz schön unterwältigend. Denn der US-Amerikaner ist vorne, was wohl auch so bleiben wird. In Nordamerika wird der Medaillenspiegel nicht nach purem Gold ausgerichtet sondern nach der Gesamtzahl der Medaillen. Das sollte sich vor allem die Heimwerkernation Deutschland zum Vorbild nehmen.
25.02.2010


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