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Spaniens Politik pro Contador
Von Manuel Schwarz und Hubert Kahl, dpa
Spaniens Politiker können es nicht lassen. Nach der Doping-Sperre für Radstar Alberto Contador stimmt auch die Regierung in Madrid in den Chor der Empörten ein.
Über einen «ungeheueren juristischen Blödsinn» klagte die Generalsekretärin der konservativen Volkspartei, María Dolores de Cospedal. Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen den populären Sportler sei eine «Ungerechtigkeit». Im TV-Sender Telecinco sprach die Nummer zwei hinter Regierungschef Mariano Rajoy von einem «Willkürurteil ohne Grenzen». Ob sie Contador damit einen Gefallen tat? Ein ähnlicher Vorfall hatte für den Sportler fatale Folgen.
Als die Causa Contador noch offen war, ergriff schon einmal ein wichtiger Politiker für den Rundfahrt-Spezialisten Partei. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr twitterte der sozialistische spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero: «Es gibt keinen juristischen Grund, Contador zu bestrafen.» Vier Tage später sprach Spaniens Verband den Radprofi vom Dopingvorwurf frei. Wie sich herausstellte, erwies Zapatero dem Sportler einen Bärendienst.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sah sich nämlich danach gezwungen, vor den CAS zu ziehen. «Es ist bedauerlich, dass es in der ersten Instanz eine Einflussnahme gab, die dann zwangsläufig zu einer Berufung vor dem CAS führte», verkündete WADA-Präsident John Fahey in Lausanne. «Wir hatten keine andere Wahl.» Ob die WADA eine eigentlich geplante Ein-Jahres-Sperre akzeptiert hätte, ließ er freilich offen.
So aber nahm die monatelange Hängepartie vor dem CAS ihren Lauf, an deren Ende Contador am Montag des Clenbuterol-Dopings schuldig gesprochen wurde. Der 29-Jährige, der stets von einem verseuchten Stück Fleisch als Ursache für den positiven Dopingtest sprach, will nun prüfen lassen, ob man das Urteil vor dem Schweizer Bundesgericht anfechten soll. «Ich will bis zum Ende weiterkämpfen», verkündete er auf einer emotionalen Pressekonferenz in seiner Heimatstadt Pinto.
Sein Landsmann Oscar Pereiro - der pikanterweise selbst nur durch die nachträgliche Doping-Bestrafung des Amerikaners Floyd Landis den Tour-Sieg 2006 zugesprochen bekam - rät davon ab. Ein Anfechtung sei «Zeitverlust», sagte Pereiro der Nachrichtenagentur dpa.
Der frühere Radprofi schoss zugleich heftig gegen den Weltverband, an dessen Spitze «Gangster» säßen. Die UCI war an der Seite der WADA vor den CAS gezogen. «Wenn UCI-Chef Pat McQuaid sagt, das CAS-Urteil bedeutete einen traurigen Tag, ist dies eine Heuchelei», schimpfte Pereiro. Die UCI sei lediglich auf Contadors Millionenstrafe aus.
Für Contador, dem vom CAS sein dritter Tour-Erfolg 2010 und alle Siege aus dem Jahr 2011 - darunter beim Giro d'Italia - aberkannt worden waren, wird es nun finanziell eng. Mehrere Millionen Euro wird er womöglich an die UCI und an Rennveranstalter zurückzahlen müssen.
Außerdem wird er weiterhin nicht von seinem Rennstall Saxo Bank bezahlt, wie Teamchef Bjarne Riis am Dienstag bestätigte: «Weil Alberto nicht mehr für das Team fahren kann, wird der Vertrag für die Dauer der Sperre aufgelöst.»
Theoretisch könnte sich der Fahrer am 5. August, wenn die Sperre endet, sogar ein neues Team suchen. Dazu sagte Contador, Saxo Bank bleibe sein erster Ansprechpartner. Auch Riis will seinen Star-Fahrer weiterhin «zu 100 Prozent» unterstützen.
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