Ein Team spaltet sein Volk

Fußball  Wenn Syrien am Donnerstag gegen Australien um die erste Teilnahme bei einer Fußball-Weltmeisterschaft spielt, drücken nicht alle Fans die Daumen.

Von Emad Almansour

Ein Team spaltet sein Volk

Syriens Fußballnationalmannschaft mit Ahmad Al Salih (Mitte, blaues Trikot) hat sich die Qualifikation für die WM vorgenommen. Es wäre die Premiere. Foto: dpa

Es ist die große Chance auf die erste WM-Teilnahme: Am Donnerstag spielt die syrische Fußballnationalmannschaft im Playoff-Hinspiel gegen Australien, gespielt wird 10.000 Kilometer fernab der Heimat in Malaysia. Das Rückspiel steht dann fünf Tage später in Sydney auf dem Programm.

Das Thema Politik und Sport sorgt für Diskussionsstoff zwischen den Syrern, sowohl dort als auch bei den Geflüchteten in Deutschland. Es ist ein kontroverses Thema, das die Syrer spaltet. Die eine Sichtweise: Politik hat nichts mit Sport zu tun. Die Fans drücken fest die Daumen, dass sich die Nationalmannschaft für die WM qualifiziert.

Vereinigendes Element

Die andere Sichtweise: Für die Gegner der Nationalmannschaft steht die Fußballnationalmannschaft sinnbildlich für die syrische Regierung mit Bashar Assad. "Die Mannschaft ist unsere Nationalelf und spielt im Namen Syriens. Die Heimat bedeutet nicht nur Assad. Der Sport hat nichts mit der Politik zu tun. Es ist Zeit, dass Syrien bei der Weltmeisterschaft mitspielt", sagt der 21-jährige Ali Alnamat, der in Beilstein lebt. Fußball als vereinigendes Element.

Bilder Assads

Eine weitere Sichtweise sieht so aus: Sport und Politik lassen sich nicht voneinander trennen. Viele Syrer in Deutschland wollen sich nicht von einer Mannschaft vertreten lassen, deren Spieler bei Pressekonferenzen das Bild Assads und Mottos auf den Trikots tragen, die ihn loben. Für viele gehört diese Mannschaft zu Assad, so lange sie seine Fahne auf dem Trikot trägt. Ein weiterer Kritikpunkt: Die syrische Nationalhymne, die auch gegen Australien gespielt wird, lobt die Soldaten und die Armee.

Doch: Wie soll man sich freuen, wenn viele Sportler festgenommen wurden? "Ich bin kein Fan der syrischen Nationalmannschaft. Wenn die Fußballspieler gewinnen, schenken sie den Sieg Assad. Die Fahne auf dem Trikot ist dieselbe Fahne wie auf den Kampfflugzeugen, die Land und Leute bombardieren. "Diese Mannschaft ist nicht die syrische Nationalelf. Sie ist die Fassbombenmannschaft", sagt Abdulsamad Murad. Der 23-Jährige studiert in Stuttgart.

Rücktritt vom Rücktritt

Fassbombenmannschaft? Das sind Bomben, die von der Assad-Armee in Fässer gefüllt und auf das syrische Volk mit Hilfe der Luftwaffe abgeworfen werden, um mit wenigen Waffen, viele - vor allem unschuldige Menschen - zu ermorden. In der Mannschaft dominieren die Assad-Getreuen. "Wir bedanken uns bei Assad, der den Sport und die Sportler unterstützt", sagt Omar Al-Soma, der Mittelstürmer, der bei Al-Ahli Dschidda in Saudi-Arabien spielt und das syrische Nationalteam zur WM schießen möchte. Solche Sätze hätte er früher nicht geäußert. Der 28-Jährige war 2012 zurückgetreten. Er wollte nicht mehr für die Nationalelf spielen, solange der Diktator Assad die Leute unterdrückt und die Städte bombardiert.

Mit seinem Gesinnungswechsel ist er nicht der einzige im Team. Torjäger Omar Al-Soma hat am Anfang die syrische Revolution gegen Assad unterstützt. Bleibt die Frage: Was ist der Grund, warum beide nun doch wieder für die Nationalmannschaft spielen? Das fragen sich auch viele Menschen in Syrien Dort sitzen sie morgen und in einer Woche während der beiden Playoff-Spiele vor Großleinwänden, welche die syrische Regierung zur Verfügung gestellt hat.

Zum Autor

Der 22-Jährige stammt aus Syrien und ist vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Er lebt mit zwei Studenten aus Kamerun in einer WG in Böckingen. Sein Traum ist ein Journalistik-Studium.