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VfB bekommt seine Grenzen aufgezeigt
Von unserem Redakteur Florian Huber
Fussball - Hoffentlich hat Dieter Hundt genau hingeschaut. Der mächtige Aufsichtsratsboss des VfB Stuttgart teilte unlängst via "Bild"-Zeitung sein schwäbisches Weltbild Anfang des Jahres 2012 mit: Dieser VfB Stuttgart habe durchaus das Potenzial für die Europapokalplätze, sagte der Arbeitgeberpräsident. Wenn er sich da Mal nicht gewaltig getäuscht hat.
Gegenbeweis Denn die kickenden Arbeitnehmer des VfB traten gestern Abend mit dem 0:3 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach eine Art 90-minütigen Gegenbeweis zu den Hundt’schen Thesen an. Nein, der VfB wird in dieser Saison nach Lage der Dinge nicht um die Europapokalplätze mitspielen. Dafür gab es gestern Abend 53 500 Zeugen in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena. Und es reicht ein einfacher Blick auf die Bundesligatabelle. "Ja", sagte VfB-Torwart Sven Ulreich: "Wir sind jetzt im Abstiegskampf angekommen."
Nur ein Sieg in den vergangenen zehn Spielen, der Vorsprung auf Rang 16, den Relegationsplatz, beträgt für den Zehnten nur noch vier Punkte. Die Europapokalplätze sind nun schon acht Zähler weit weg.
"Wir sind jetzt unter Zugzwang. Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht", sagte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic nach der 0:3-Heimpleite. Nach Schalke 04 in der Vorwoche erteilte mit Borussia Mönchengladbach bereits ein zweites Team aus den Top vier binnen Wochenfrist dem VfB eine Fußball-Lehrstunde.
Mit zu hektischen Fehlpässen im Überfluss beraubte sich der VfB in der ersten Spielhälfte selbst jeglichem sinnvollen Spielaufbau. Gladbach war geduldig und hielt sich an das althergebrachte Rezept aus dem Handbuch für Bundesliga-Spitzenmannschaften. Geduldig abwarten und genau dann gnadenlos zuschlagen, wenn sich die erste Chance dazu ergibt.
Die kam in Minute 31. Eine Freistoßflanke des 17-Millionen-Mannes Marco Reus ließ Gladbachs Stürmer Mike Hanke nur über den Schädel rutschen − schon stand es 1:0 für die Borussia. Die Herren Kvist, Maza und Tasci im weißen VfB-Trikot sahen dabei gar nicht gut aus. "Bei Standards tun wir uns unheimlich schwer", sagte Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia. "Wir machen da einfach zu viele Fehler", sagte Fredi Bobic.
Ein Haijnal-Kopfball (39.) und ein Freistoß (45.) des kleinen Ungarn. Nein, mehr war da nicht auf VfB-Seite in den ersten 45 Minuten. Es kam auch nicht mehr in der zweiten Spielhälfte. Trotz Vedad Ibisevic, dem 5,5 Millionen-Neuzugang aus Hoffenheim. Er blieb 90 Minuten lang unsichtbar. "Er ist nicht richtig ins Spiel gekommen", sagte Fredi Bobic.
Ausgekontert Der VfB war nach der Pause schon bemüht. Irgendwie. Aber in Sachen Torchancen eben total limitiert. Es gab einfach keine. Gladbach hingegen blieb bei den schnellen Kontern über Marco Reus und Patrick Herrmann brandgefährlich. Wer die Bayern − wie in der Vorwoche − schwindelig spielen kann, dem gelingt das erst Recht gegen einen VfB Stuttgart auf Formsuche und ohne Selbstvertrauen. Die beste Möglichkeit zum Gladbacher 2:0 vergab Patrick Herrmann, der freistehend aus elf Metern an VfB-Keeper Sven Ulreich scheiterte (67.). Marco Reus, sein kongenialer Offensivpartner, machte es 14 Minuten später besser. Einen der zahlreichen Borussen-Konter schloss er mit seinem zwölften Saisontor zum 2:0 ab.
Der VfB ergab sich nun. Die Mannschaft fiel in sich zusammen wie ein Soufflé in der Kälte. Beim 0:3 wurden die Stuttgarter dann im eigenen Stadion wie eine Schülerelf überrumpelt. Die Herren Marco Reus und Patrick Hermann kombinierten ungehindert. Schließlich vollendete Igor de Camargo zum 3:0-Endstand (84.). Willkommen im Abstiegskampf, VfB Stuttgart.
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