Trollinger Marathon | 06.05.12


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Trollinger Marathon: Blinder rennt klasse Zeit

Von Carsten Friese

Gemeinsam durch die Weinberge: der blinde Anton Luber (links, Startnummer 574) und sein Begleitläufer Dieter Probst auf der Marathonstrecke. Foto: Sawatzki


Heilbronn - Auf seiner Stirn glänzen zwar ein paar Schweißperlen in der Sonne. Doch als der Nürnberger Anton Luber nach 42 Kilometern ins Frankenstadion läuft, ist er kein bisschen außer Atem. Der 45-Jährige ist blind und mit seinem Arbeitskollegen Dieter Probst als Begleitläufer erstmals den Trolli gelaufen. Nach 3.40 Stunden ist das Duo im Ziel − unter großem Beifall der vielen Zuschauer.

"Das ist eine sehr schöne Strecke. Es war viel Platz für uns und gab nur wenige Stellen mit Autoverkehr", sagte Luber im Ziel. Von der Atmo-sphäre war Laufpartner Dieter Probst äußerst angetan. "Jede Ortschaft ist ein Stimmungsnest, das war gigantisch." Auch Anton Luber kann sich vorstellen, den Trolli noch einmal zu laufen.

Vor zwei Jahren war Luber erstmals bei einem Marathon am Start. Sport habe er schon immer gerne gemacht. Über einen Bekannten sei er dazu gekommen. Für ihn ist es kein Problem, dass er die Strecke nicht sieht. Die frische Luft, den Duft in Wald, Feld und Flur und das Vogelzwitschern "kriege ich ja mit", sagt der 45-Jährige. Und wenn er auf Trommeln von Zuschauern zulaufe, sei dies für ihn "ein besonderer Ansporn".

Ein etwa 50 Zentimeter langes orangefarbenes Band, das Luber und Probst um die Handgelenke gebunden haben, ist das Steuerruder auf der Strecke. Beide laufen nebeneinander her. Bei kleinen Richtungsänderungen gibt der Helfer durch Ziehen am Band den Kurs vor. Kommen scharfe Kurven oder Hindernisse wie Gehsteige, gibt der Probst laut Kommando. "Das funktioniert gut", sagt Luber. Auch über die Zwischenzeit und die zurückgelegten Kilometer ist er immer informiert.

Seinen Begleitläufer kennt der Nürnberger aus der Betriebssportgruppe. In seiner Firma arbeitet Luber als Anwendungsentwickler für Computer − mit einer speziellen Sprachsoftware für Blinde.

Lubers Bestzeit ist beachtlich: 3.35 Stunden. So schnell würde mancher Sehende gerne den Marathon laufen. Für den blinden Sportler war der Trolli eigentlich eine Art Zwischenstation auf dem Weg zu einem 75 Kilometer langen Ultra-Marathon in Thüringen. "Heilbronn war dafür der Trainingslauf."


17.05.2010

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