Ungewohnte Töne vorm Heinsheimer Vereinsrekord

Gewichtheben  Mit einem furiosen Sieg über den TB 03 Roding melden sich die Gewichtheber des TSV Heinsheim eindrucksvoll in der 1. Bundesliga zurück.

Von Martin Peter

Ungewohnte Töne vorm Heinsheimer Vereinsrekord

Mit 56,5 Punkten im Reißen und 72,5 Punkten im Stoßen trägt Neuzugang Sophia Attilo wesentlich zum Auftakterfolg des TSV Heinsheim bei.

Foto: Klaus Krüger

Es sind ungewohnte Töne gewesen, die die 200 Zuschauer da am Samstagabend gegen 21.25 Uhr inmitten ihres Jubels in der Josef Müller Halle in Heinsheim vernahmen. Deutlich höher als üblich fiel der Urschrei von der Bühne aus. Kein Wunder, kam der doch von der ersten Frau im Dress der Heber des TSV Heinsheim. Neuzugang Sophia Attilo hatte in ihrem dritten Versuch gerade 93 Kilo gestoßen und damit den Abstand zum TB Roding entscheidend verkürzt. "Peinlich", fand das die 24-Jährige hinterher. "Aber es musste einfach raus."

Gestört hat den Schrei niemanden, zumal es der Auftakt zu einem furiosen Finale des ersten Wettkampfes der 1. Bundesliga war, an dessen Ende sich der TSV Heinsheim als verdienter Sieger feiern ließ - und dabei gleich einen Vereinsrekord aufstellte.

Im Rausch

Noch nie hatten die Kraichgauer in der Summe so viele Punkte eingefahren wie am Samstag. Mit 717:704 gewann das Team eindrucksvoll - und machte Hoffnung auf eine erfolgreiche Runde. Auch Trainer Ferdinand Wittmann war sich im Rausch dieses Abends sicher: "Wir steigen auf keinen Fall ab." Das wäre historisch, da der TSV - zu stark für die zweite, jedoch zu schwach für die erste Liga - bisher als Fahrstuhlmannschaft bekannt ist. Das ewige Auf und Ab wollen die Verantwortlichen diesmal beenden, wozu auch Sophia Attilo beitragen soll.

Wie sehr, davon bekamen die Zuschauer beim Sieg gegen Roding schon eine Ahnung. Doch an der Kommissars-Anwärterin alleine lag es freilich nicht, dass sich Heinsheim seine ersten beiden Punkte sicherte. "Jeder hat eine starke Leistung abgeliefert", sagte Ferdinand Wittmann, dem mit Aleksandar Dimitrov beim Stoßen eine clevere taktische Finesse gelang: Weil die Gäste aus der Oberpfalz die Führung von Heinsheim nach dem Reißen mit ihren starken Stoßern gedreht hatten, wagte der Bulgare in seinem zweiten Versuch eine Steigerung um unglaubliche zehn, auf dann 175 Kilo - ein Riesensprung im Gewichtheben. Und Dimitrov stand diesen Versuch, was den Druck auf Roding erhöhte und das Publikum in Ekstase versetzte.

Blickkontakt genügt

Der Bulgare wusste vor dem Versuch, was die Stunde geschlagen hatte. "Ich muss ihn nur anschauen. Er erkannte an meinem Blick, dass es für uns eng wird", beschreibt Wittmann das Verhältnis zu seinem Heber. "Er hat dann von sich aus 175 Kilo vorgeschlagen. Und ich habe gesagt: Hört sich gut an." Weil beim Stoßen auch alle anderen Heinsheimer ihren dritten Versuch standen, holten sich die Gastgeber die Führung zurück. Das war für die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt aber nur noch schwer nachzuvollziehen, da der Computer mit der Wertungsliste streikte.

Der TSV hatte den Gästen damit ein dickes Paket geschnürt, das diese am Ende eines spannungsgeladenen Abends nicht mehr tragen konnten. Zwar hatte der TB 03 Roding im letzten Versuch des Wettkampfes die Chance, doch noch zu gewinnen. Aber die elf Kilo mehr, die Gregor Nowara hätte dabei zur Hochstrecke bringen müssen, waren des Guten doch zu viel. "185 Kilo hätte er geschafft, 191 sind aber noch einmal ein Unterschied", sagte Ferdinand Wittmann.

Späte Flüge

Zwar holte sich Roding mit dem besseren Ergebnis im Stoßen noch einen Punkt, der Sieg aber ging an die Heinsheimer, bei denen der Jubel keine Grenzen kannte. Dabei verlief die Vorbereitung wenige optimal: Nikolay Georgiev und Dimitrov mussten einen anderen Flug nehmen und kamen erst am Freitagabend an. Zu wenig Zeit für ein Training. Auch deswegen ist Wittmann sicher: "Bei uns geht noch einiges." Auch das sind ungewohnte Töne.

TSV Heinsheim: Sophia Attilo (Reißen 77 Kilo/Stoßen93 Kilo/129,0 Punkte), Fabian Gallion (85 kg/105 kg/75), Lars Wittmann (103 kg/125 kg/95), Nikolay Georgiev (135 kg/165 kg/144), Aleksandar Dimitrov (144 kg/178 kg/161), Christopher Roland (128 kg/161 kg/113).