Neckar-Cup: Montezumas Rache und der Wettergott

Tennis  Magen-Darm-Virus und Regengüsse lassen am fünften Turniertag des Neckar-Cups kaum Matches zu.

Von Stephan Sonntag

Montezumas Rache und der Wettergott
Der erst 17-jährige Rudolf Molleker wurde am Mittwoch auf eine lange Geduldsprobe gestellt, bevor er endlich sein Achtelfinale angehen durfte.  

Der Mittwoch hätte der Tag der deutsch-deutschen Duelle beim Neckar-Cup werden sollen. Zwei der geplanten vier Achtefinalpartien waren als rein nationale Angelegenheit vorgesehen. Doch um 14.20 Uhr erreichte Turnierdirektor Metehan Cebeci die erste bittere Nachricht des Tages: Mats Moraing musste sein mit Spannung erwartetes Match gegen Dustin Brown absagen.

Am Morgen hatte der Mühlheimer noch trainiert. Doch zurück im Hotel begann der Magen-Darm-Trakt zu streiken. Der baumlange Profi, der zurzeit so stark spielt wie noch nie in seiner Karriere, musste passen. "Für Mats tut es mir sehr leid, das wäre bestimmt ein interessantes Match geworden", sagte Dustin Brown. "Andererseits ist es natürlich gut, weiter im Turnier zu sein. Ich versuche, mich so gut wie möglich auf das Viertelfinale am Freitag vorzubereiten." Sprach's − und machte sich auf die Suche nach einem Trainingspartner als Ersatz für das ausgefallene Match.

Selbst wenn die erfolgreich gewesen sein sollte − Training war am Mittwochnachmittag kaum möglich. Dafür sorgte der zweite Schicksalsfaktor des Tages neben Montezumas Rache: das Wetter. Nach dem ersten Achtelfinale, das der Russe Alexej Vatutin mit 4:6, 6:4 und 6:2 gegen den Spanier Bernabe Zapata Miralles gewonnen hatte, flog für einige Stunden erst einmal kein Ball mehr übers Netz.

Wettergott hatte kein Einsehen

Als um 18.15 Uhr endlich die Plätze wieder trocken, die Zuschauer zurück auf der Anlage und alles bereitet war für das zweite deutsch-deutsche Achtelfinale zwischen Yannick Hanfmann und Rudi Molleker, da schlug der Wettergott erneut zu und ließ es regnen. Die Spieler mussten unverrichteter Dinge die Trainingsklamotten anziehen und sich in der Tennishalle weiter bereithalten. "Das hat kein Spieler gerne, aber wir wissen damit umzugehen. Man darf da nicht groß drüber nachdenken", hatte Hanfmann seine Vorgehensweise schon im gestrigen HSt-Interview verraten. Den Spaßfaktor steigerte die weitere Verzögerung nicht gerade − weder bei den Spielern noch bei den Zuschauern.

Montezumas Rache und der Wettergott

So sah es am Mittwoch mehr als einmal aus: Wolkenbruchartiger Regen prasselte auf die Courts an der Krummen Stiege.

Fotos: Mario Berger

 

Um 18.48 Uhr schlug der erst 17-jährige Molleker dann aber tatsächlich das erste Mal auf. Die Zuschauer applaudierten schon allein dafür, dass es an diesem vermaledeiten Turniertag doch noch Live-Tennis zu sehen gab.

Um 19.20 Uhr war das Vergnügen aber bereits wieder zu Ende. Beim Stand von 4:3 für Hanfmann wurde das Match wegen Regens wieder unterbrochen. "Das ist ätzend für die Spieler", sagte Organisatorin Mine Cebeci. Das Top-Nachwuchstalent Molleker haderte ein wenig mit den Umständen, sein Trainer Jan Velthuis machte seinem Schützling aber deutlich, dass er sich einfach damit abfinden solle. "In London habe ich mal vier Tage gesessen, ohne dass ein Ball gespielt wurde."

Um 20.20 Uhr ging es weiter. Jetzt unter Fluchtlicht auf dem Center Court. Satz eins ging mit 6:4 an Hanfmann, die Sätze zwei und drei an den in der Weltrangliste 300 Plätze schlechter platzierten 17-Jährigen. Der war mit seinem Viertefinaleinzug nach dem zweiten Überraschungssieg glücklich: "Das ist für mich nicht alltäglich. Ich weiß, dass ich gut Tennis spielen kann, leider noch nicht immer."

 

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