Der Meister jubelt in Auenstein

Radsport - Deutschlands beste Nachwuchsfahrer waren in Auenstein am Start. Auch die Altersklasse U 19 absolvierte zwei Bundesligarennen. Es war für viele eine Quälerei ohne jegliche Erfolgsaussicht, denn die Strecke mit ihrem prägenden Anstieg hinauf zur Ruine Helfenberg ist sehr schwer.

Von Andreas Öhlschläger

Der Meister jubelt in Auenstein
Yannick Mayer (im grünen Trikot) kommt als Erster über den Berg. Der Lokalmatador aus Möckmühl hat das U-23-Bundesligarennen am Sonntag in einer Ausreißergruppe mit geprägt.Fotos: Andreas Veigel

Radsport - Yannick Mayer sitzt auf dem Bänkchen der Bushaltestelle. Er ist kaputt, geschlagen − und doch zufrieden. Der Lokalmatador aus Möckmühl hat beim Auensteiner U-23-Bundesligarennen am Sonntag voll überzeugt. In einer Ausreißergruppe ist er mehr als 100 Kilometer dem Feld vorausgefahren. Dann kamen Krämpfe. Außerdem hatte er seine Arbeit im Dienste des Heizomat-Teams erfüllt.

Die Top 25 des Tages verpasste Mayer ganz knapp, aber als Held der Arbeit hat er viele Pluspunkte gesammelt. Seinem Selbstbewusstsein hat der Kraftakt an der Spitze auch gut getan. "Es war klar, dass wir aus taktischen Gründen vorne unbedingt einen Mann dabei haben müssen", erzählt der Möckmühler. "Ich bin gleich nach dem Start mit dem dicken Gang angetreten − normalerweise geht die erste Attacke nicht durch." Diesmal war es so. Mayer musste mächtig in die Pedale treten, denn die Ausreißergruppe hielt sich sehr lange vorne.

Trotz aller Arbeit und taktischen Finesse gab es am Sonntag keinen Sieg der Heizomat-Fahrer. Am Samstag im ersten der beiden U-23-Bundesligarennen von Ilsfeld-Auenstein hatte David Hesselbarth vor Philipp Ries triumphiert − ein Doppelerfolg für die ambitionierte Mannschaft von Yannick Mayer.

Beim Regenrennen am Samstag hatte es schlimm aussehende Stürze gegeben. Einmal musste sogar der Rettungshubschrauber gerufen werden, doch es ging glimpflich aus. "Gottseidank", sagt der rührige Rennorganisator Johann Jäger.

Unwiderstehlich

Deutschlands beste Nachwuchsfahrer waren in Auenstein am Start. Auch die Altersklasse U 19 absolvierte zwei Bundesligarennen. Es war für viele eine Quälerei ohne jegliche Erfolgsaussicht, denn die Strecke mit ihrem prägenden Anstieg hinauf zur Ruine Helfenberg ist sehr schwer. Nur die Besten haben hier eine Chance.

Am Sonntag war es bei der U 23 John Degenkolb, der deutsche Meister. Lange hatte er sich auf den 16 Runden zurückgehalten. Erst auf der Schlussrunde schob er sich mit einer unwiderstehlichen Alleinfahrt vor. "Ich war ja nicht zum ersten Mal da. Ich weiß, wie man hier fahren muss", sagte der 21-Jährige selbstbewusst.

Der Meister jubelt in Auenstein
Es sieht so idyllisch aus, wenn die Fahrer durch die Auensteiner Weinberge radeln. Aber der Anstieg zur Ruine Helfenberg ist giftig. Die Quälerei ist enorm.

Degenkolb fährt für das Thüringer-Energie-Team. Er hat als Junior international schon auf sich aufmerksam gemacht. 2007 wurde er Vizeweltmeister im Zeitfahren, 2008 gewann er im WM-Straßenrennen Bronze. Zum Saisonende will er bei der U-23-Weltmeisterschaft glänzen. "Ich hoffe, dass ich dort in Topform am Start stehen werde."

In Auenstein hat die Form jedenfalls gestimmt.

Am Samstag auf dem kürzeren und nicht mit ganz so vielen Höhenmetern gespickten Kurs hatten Deutschlands beste Nachwuchspedaleure der älteren Jahrgänge einen Siegerschnitt von 40,24 km/h zustande gebracht. Die U 19 war mit 39,52 km/h nur unwesentlich langsamer. "Da heißt es dann natürlich schnell, dass die Jungs ja dopen", sagt Streckensprecher Frank Jäger. "Aber wenn du 200 Euro Preisgeld bekommst, gibst du nicht 500 Euro für Dopingmittel aus. Die Jungs fahren 25 000 Trainingskilometer im Jahr. Das sieht man."