Teuflisch starker Auftritt der Neckargartacher in Nackenheim

Ringen  Der Ringer-Bundesligist VfL Neckargartach sichert sich mit einer konzentrierten Mannschaftsleistung einen 18:11-Erfolg in Rheinhessen.

Von Stefanie Wahl

Teuflisch starker Auftritt der Neckargartacher in Nackenheim

Mit viel Herzblut und Engagement auch gegen Nackenheim dabei: Red-Devils-Trainer Marcus Mackamul hat einst selbst in der Bundesliga gerungen.

Foto: Andreas Veigel

Die Zuschauer in der ersten Reihe tippen mit ihren Schuhspitzen auf die Matte. Das schafft Atmosphäre. Dicht gedrängt sitzen und stehen sie in der kleinen Ringerhalle des SV Alemannia Nackenheim. So entsteht Heimkampf-Feeling.

Doch der Bundesliga-Aufsteiger VfL Neckargartach im SV Heilbronn am Leinbach hat sich in diesem Miniatur-Hexenkessel nicht von seinem Ziel ablenken lassen und beim 18:11-Erfolg gegen die bisher noch ungeschlagenen Rheinhessen am Dienstagnachmittag eindrucksvoll belegt, warum sie auf Tabellenplatz drei notiert sind.

Charakter gezeigt

"Wir haben einen verdienten Sieg eingefahren. Die Jungs haben Charakter und eine super Leistung gezeigt", sagt Trainer Marcus Mackamul nach dem dritten Sieg am vierten Kampftag. "Wir haben auch etwas Glück gehabt, denn Nackenheim hatte Verletzungspech und musste recht kurzfristig umstellen."

Bereits zur Halbzeit steht es 12:4 für den Aufsteiger. Weil neben Griechisch-Römisch-Spezialist Eduard Popp auch Valentin Lupu (bis 61 Kilo) und Recep Topal (bis 66 Kilo) am Tag der Deutschen Einheit zu den Kurzarbeitern zählen. Der Olympia-Fünfte von Rio im Schwergewicht beendet das ungleiche Duell gegen den 30 Kilo leichteren Tamerlan Paschajew nach 1:15 Minuten durch technische Überlegenheit und holt mit vier Punkten die Maximalzahl für seine Mannschaft - wie auch Recep Topal und Valentin Lupu, der 3:58 Minuten lang Bayran Shaban dominiert.

Gute Verstärkungen

Die Alemannia um ihre Trainer Cengiz Cakici und Khaled Al-Faraj verstärken vor der Saison ihren Kader. Das ist spürbar. Zum Auftakt schlägt der 21-jährige Russe Khasan Hussein Badrudinov, einer der weltbesten Junioren bis 57 Kilogramm, auch den EM-Fünften Levan Metreveli Vartanov mit 9:0 und bleibt damit in der Bundesligasaison weiterhin ungeschlagen.

Zwar kämpft Stefan Kehrer (bis 98 Kilo) gegen Robin Ferdinand bis zum Umfallen, doch fünf Sekunden vor Ablauf der sechs minütigen Kampfzeit kassiert er noch eine Zweier-Wertung - Ferdinand jubelt über seinen 12:11-Punktsieg, die Fans in der Halle mit ihm. "Die Halle war bis unters Dach voll besetzt. Die Nackenheimer haben mit Sicherheit eine Sondergenehmigung vom Deutschen Ringer-Bund, aber das sind die Atmosphären, die wir brauchen. Das war Ringkampfsport pur", sagt Marcus Mackamul vor der Heimreise zufrieden.

Kleinigkeiten zählen

Wie viel Nackenheims Neuzugang Arkadiusz Kulynycz (bis 86 Kilo) kann, das bekommt Bogdan Eismont zu spüren. Der 35-Jährige wehrt sich nach Kräften gegen Polens Meister von 2016, unterliegt jedoch mit 2:16. Doch: Beim Ringen zählen auch Kleinigkeiten. Eismont gibt damit nur drei statt vier möglicher Zähler ab. Erfolgreich punktet Christian Fetzer (bis 71 Kilo) mit seinem 4:0 gegen den recht passiv agierenden Wladimir Berenhardt.

Matchwinner Friev

Für die Entscheidung aus Neckargartacher Sicht sorgt Freistil-Ass Taimuraz Friev (bis 80 Kilo). Der 31-jährige Spanier ringt Osman Kubilay Cakici mit 9:2 nieder. Damit liegen die Red Devils uneinholbar mit 16:7 vorn, noch ehe Zaur Efendiev (bis 75 Kilo) zwei weitere Punkte beisteuert. Griechisch-Römisch-Spezialist Fabian Fritz gelingt dies nicht, er hält dem Wirbel des U 21-Europameisters Zoltan Levai - noch ein Neuer in Nackenheim - knapp fünf Minuten Stand, ehe die Mattenleiterin den talentierten Ungarn zum Überlegenheitssieger erklärt. Teuflisch gejubelt aber wird auf Neckargartacher Seite.

57 Kilo Freistil: Khasan Hussein Badrudinov - Levan Metreveli Vartanov 9:0 PS; 61 kg Griechisch-Römisch: Bayram Shaban - Valentin Lupu TüS 0:4; 66 kg FS: Islam Koray Cakici - Recep Topal TüS 0:4; 71 kg GR: Wladimir Berenhardt - Christian Fetzer 0:4 PS; 75 kg FS: Danilo Bauer - Zaur Efendiev 6:10 PS; 75 kg GR: Zoltan Levai - Fabian Fritz 17:2 PS; 80 kg FS: Osman Kubilay Cakici - Taimuraz Friev 2:9 PS; 86 kg GR: Arkadiusz Kulynycz - Bogdan Eismont 16:2 PS; 96 kg FS: Robin Ferdinand - Stefan Kehrer 12:11 PS; 130 kg GR: Tamerlan Paschajew - Eduard Popp TüS 0:4.