Red Devils stehen mit einem Fuß im Viertelfinale

Ringen  Marcus Mackamul, Trainer des Bundesligisten VfL Neckargartach, blickt gedämpft optimistisch auf den Achtelfinal-Rückkampf am Samstag in der Römerhalle. Abteilungsleiter Jens Petzold ist dagegen zuversichtlich. Los geht es um 19.30 Uhr.

Von Alexander Bertok

Red Devils mit einem Fuß im Viertelfinale

Der Neckargartacher Pascal Eisele (rechts) dürfte als WM-Dritter auf den U23-Europameister Alex Kessidis treffen. Diese Paarung könnte im Achtelfinal-Rückkampf gegen Hallbergmoos zum Schlüsselkampf werden.

Foto: Andreas Veigel

 

Die Tür wurde ein Stück weit aufgestoßen. Die Red Devils stehen mit einem Bein im Viertelfinale der deutschen Ringer-Mannschafts-Meisterschaft. Nach dem 17:12-Sieg im Hinkampf der ersten K.o.-Runde beim SV Siegfried Hallbergmoos-Goldach kann sich der VfL Neckargartach am Samstag (19.30 Uhr) im Rückkampf gegen den Traditionsverein aus Bayern sogar eine Niederlage mit vier Punkten Unterschied erlauben.

Verliert der VfL mit fünf Zählern Unterschied, ist die Mannschaft mit der Mehrzahl an Einzelsiegen weiter. Gewinnt Hallbergmoos mit sechs Punkten Differenz, stehen die Bayern im Viertelfinale.

Jens Petzold plant mit der nächsten K.o.-Runde

Doch an eine Niederlage gegen Hallbergmoos mag auf Seiten der Hausherren niemand denken. "Ich weiß, dass unser Trainer Marcus Mackamul da immer sehr vorsichtig ist, aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollten wir jetzt noch scheitern", plant Jens Petzold, Abteilungsleiter der Ringerabteilung des VfL Neckargartach im SV Heilbronn am Leinbach, fest mit der nächsten Runde. "Wir haben in Hallbergmoos mit einem deutlicheren Sieg gerechnet, werden uns aber das Ticket für das Viertelfinale nicht mehr nehmen lassen."

Stilartenwechsel und personelle Sorgen

Wie von Petzold vermutet, teilt Mackamul die allzu große Zuversicht seines Chefs nicht. "Wir haben im Hinkampf ein paar Punkte verschenkt und sind noch lange nicht durch", sagt der Trainer und verweist auf den Stilartenwechsel im zweiten Aufeinandertreffen. Auch die personelle Situation seiner Mannschaft dämpft des Trainers Optimismus. Julian Meyer fehlt nach seinem Kreuzbandriss und auch Cornel Predoiu ist noch nicht wieder einsatzfähig. Valentin Lupu ist angeschlagen, ging in Hallbergmoos zwar auf die Matte, war jedoch nicht zu 100 Prozent fit. Christian Maier hat sich im Hinkampf verletzt, sein Einsatz am Samstag ist ebenfalls mit einem großen Fragezeichen versehen.

Mackamul spekuliert, wie der Gegner aufstellt

Aufgrund des Stilartenwechsels wird es zu der ein oder anderen personellen Umbesetzung im Neckargartacher Kader kommen. Mackamul lässt sich jedoch keine Namen entlocken und spekuliert auch, wie der Gegner aufstellt. "Das wird ein Personalpoker, der sich bis kurz vor dem Gang auf die Waage hinziehen könnte", verrät Mackamul und hofft die besseren Karten aus dem Ärmel zu zaubern. "Ich habe jeden Tag andere Gedankengänge und gehe verschiedene Aufstellungen durch."

Fünf Punkte Vorsprung können rasch aufgebraucht sein. Bedingt durch die Personalsorgen in der Auftakt-Gewichtsklasse 57-Kilogramm Griechisch-Römisch, könnten die Neckargartacher gleich in Rückstand geraten. Und da im Freistil der 130-Kilogramm Schwergewichtler der Olympia-Fünfte Eduard Popp als ausgewiesener Klassik-Spezialist wohl nicht zum Einsatz kommt, wäre es nicht verwunderlich, läge Hallbergmoos nach den ersten beiden Kämpfen mit fünf oder sechs Punkten vorne.

Schlüsselkämpfe müssen gewonnen werden

"Es wird Schlüsselkämpfe geben, die wir für uns entscheiden müssen", sagt Mackamul. So wie eventuell im griechisch-römischen Stil bis 80 Kilogramm. Da Mackamul bestmöglich aufstellen wird, dürfte in dieser Klasse der WM-Dritte Pascal Eisele auf den Hallbergmooser Alex Kessidis treffen, und der wurde vor knapp zwei Wochen U23-Europameister. Beide kennen sich von der WM Ende August, als Eisele 6:1 siegte. "Wir wurden im Hinkampf ordentlich geärgert", erzählt Petzold von einer giftigen Atmosphäre und einer hitzigen Stimmung. "Unsere Jungs sind jetzt richtig heiß und wollen es den Gästen auf der Matte sportlich zurückzahlen." Das Ticket für das Viertelfinale halten die Neckargartacher in Händen, sie müssen es nur noch abknipsen lassen.

Bus-Shuttle

Der VfL Neckargartach bietet aufgrund der begrenzten Parkmöglichkeiten im Viertelfinal-Rückkampf gegen Hallbergmoos wieder einen Shuttle-Bus-Service an. Ab 17.15 bis 19 Uhr Uhr fährt der Bus im Fünfminutentakt vom Parkplatz am Freibad Gesundbrunnen zur Römerhalle. Die Rückfahrt ist bis eine Stunde nach Kampfende möglich.

 


 

Nachgefragt: Abteilungsleiter Jens Petzold plant die nächste Saison

 

Red Devils mit einem Fuß im Viertelfinale

Jens Petzold

Foto: Andreas Veigel

 

Herr Petzold, wie lautet Ihre vorläufiges Resümee der Neckargartacher Bundesliga-Premierensaison?

Jens Petzold: Man kann jetzt schon festhalten, alles läuft besser, als erwartet. Wir haben bewiesen, dass wir Bundesliga-Format haben. Damit meine ich nicht nur die sportliche Qualität des Teams, sondern auch das, was drumherum geleistet wird. Pro Heimkampf sind 50 bis 60 Helfer im Einsatz. Als Ordner, an der Kasse, in der Vip-Betreuung, im organisatorischen Bereich, beim Auf- und Abbau oder im Essen- sowie Getränkeverkauf. Es erfüllt mich mit Stolz und freut mich, zu sehen, wie die Abteilung zusammenhält.

 

Sind auch die Besucherzahlen in der Römerhalle bundesligatauglich?

Petzold: Absolut. In der Bundesliga Südwest sind wir der Zuschauerkrösus, haben mit Abstand die meisten Besucher. Auch im Vergleich mit den Staffeln West und Südost gehört der VfL zu den Top drei der Bundesliga. Im Schnitt 650 bis 700 Fans, das kann sich sehen lassen. Gegen Nackenheim, als Frank Stäbler seine Premiere für die Red Devils gab, waren 950 Menschen in der Halle.

 

Wie lauten die Planungen für das nächste Jahr?

Petzold: Auch 2018 werden die Red Devils in der höchsten Liga ringen. Mit welchem Kader, das ist davon abhängig, wie die Gespräche mit unseren Sponsoren verlaufen. Wir haben für ein positives Außenbild gesorgt − auch über die sozialen Medien − und viele positiven Rückmeldungen erhalten, fangen aber dennoch jetzt wieder bei null an. Die ersten Gespräche laufen, mit den Athleten wie auch den Sponsoren.