Red Devils planen weiter erstklassig

Ringen  Nach dem Aus im Playoff-Viertelfinale ist es das Ziel der Macher beim VfL Neckargartach, zwei Drittel des Kaders zu halten. Das Projekt Bundesliga soll nach einer erfolgreichen Premieren-Saison weitergehen.

Von Stefanie Wahl

Red Devils planen weiter erstklassig

Der Athlet mit der größtem Strahlkraft im Red-Devils-Trikot: Weltmeister Frank Stäbler. Trainer Marcus Mackamul nennt ihn "das i-Tüpfelchen".

Foto: Andreas Veigel

 

Die Ringer des VfL Neckargartach sind im Viertelfinale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft ausgeschieden, nachdem sie am Samstagabend beim SV Wacker Burghausen klar mit 5:17 unterlegen sind.

Doch die Bilanz der Premierensaison fällt positiv aus - und Red-Devils-Chef Jens Petzold verrät, dass das Projekt Bundesliga weitergeht. Eine Analyse.

 

Das Saisonende

Mit einem Polster von zwei Punkten sind die Ringer des VfL Neckargartach im SV Heilbronn am Leinbach am Samstag an die deutsch-österreichische Grenze nach Burghausen gereist. Doch schon vor dem 5:17 vor 1500 Zuschauern in der Sportparkhalle ist klar: Der Kader des SV Wacker ist zu stark besetzt und zu variabel, dass die Roten Teufel die Überraschung schaffen und auch den Viertelfinal-Rückkampf für sich entscheiden.

Damit trifft das Team von Trainer Michael Schrader nun am 6. Januar im Halbfinal-Hinkampf auf den ASV Mainz. Red-Devil-Trainer Marcus Mackamul sagt nach dem Aus in Oberbayern: "Das Ergebnis geht vollkommen in Ordnung. Für mich gibt es keinen Stärkeren als Burghausen, die Mannschaft muss ins Finale. Doch auch ein großes Lob an mein Team, das aufopferungsvoll gekämpft hat."

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Der Star und der Liebling

Frank Stäbler (rechts) wechselt zum Bundesliga-Aufsteiger VfL Neckargartach. Das verkündete der Ringer-Weltmeister auf einer Pressekonferenz zusammen mit Jens Petzold, Abteilungsleiter der Red Devils Heilbronn. Foto: S. Wahl

Keine Frage, Frank Stäbler ist der Athlet mit der größten Strahlkraft im Neckargartacher Team. Allein seine Verpflichtung ruft ein nationales Medienecho hervor. Der Doppel-Weltmeister zeigt auf und neben der Matte, wie wertvoll er ist. Sportlich liefert er bei jedem Einsatz, belegt, welch enormes Potenzial er besitzt und sammelt fleißig Punkte für seine Mannschaft. Doch auch neben der Matte ist der 28-Jährige hoch professionell.

Für kleine wie große Fans hat der Mann aus Musberg ein Autogramm samt Lächeln - und auch im VIP-Zelt ist Stäbler von unschätzbarem Wert. Es schmeichelt jedem Sponsor oder potenziellen Geldgeber, wenn er ein Selfie mit Stäbler und dem WM-Gürtel erhält. "Gleich Anfang Januar führe ich das erste Gespräch mit Frank Stäbler", sagt Jens Petzold. Ihm ist es wichtig, "die deutsche Achse" rechtzeitig unter Vertrag zu haben. Wissend, dass sie in der Liga äußerst begehrt sind.

Zu den Neckargartacher Stimmungsgaranten aber zählt auch Christian Fetzer. Der 33-Jährige hat es binnen kürzester Zeit geschafft, das Publikum zu erobern - mit seinem Kampfgeist und seiner offenen Art, mit den Fans zu kommunizieren. "Unser Projekt hat auch bei ihm nochmal Kräfte freigesetzt. Er hat es mit gelebt", sagt Jens Petzold. So etwas spüren die Anhänger.

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Die Verletzten

Die Neckargartacher Macher haben als Saisonvorgabe das Viertelfinale ausgegeben. Ziel erreicht. Und doch wäre mehr drin gewesen. Dazu aber ist die Liste der Ausfälle zu lang und prominent gewesen. Trainer Marcus Mackamul ist kein Typ, der lamentiert oder jammert. Doch der ehemalige Topringer weiß zu genau, dass er mit einem gesunden Valentin Lupu (Schulteroperation), Cornel Predoiu, Julian Meyer (Kreuzbandriss) oder einem fitten Zaur Efendiev weit mehr Variationsmöglichkeiten gehabt hätte.

Doch mit Konjunktiven ist nichts zu holen. "Das hat uns unheimlich weg getan", sagt Mackamul und betont die extrem hohe Bereitschaft der Mannschaft, sich aufopferungsvoll einzusetzen, auch stilartfremd zu kämpfen, um die Ausfälle zu kompensieren. Jens Petzold meint: "Der Charakter im Team war überragend."

 

Der nächste Schritt

Red Devils Heilbronn Ringen
Red-Devils-Trainer Markus Mackamul mit Christian Maier. Foto: Stefanie Wahl

Bis zum 15. Januar wird Jens Petzold die Neckargartacher Ringer wieder beim Deutschen Ringer-Bund (DRB) melden. Ein formeller Akt, der im Klartext bedeutet: Es geht erstklassig weiter. Das ist ein wichtiges Signal. In den vergangenen Monaten ist vieles Neuland gewesen für die Verantwortlichen um Jens Petzold, Jürgen Koch und ihr Team, die Belastungen enorm. Aber: "Wir haben abgeliefert", sagt Petzold nicht ohne Stolz. Nun geht es in die nächste Runde. Gespräche mit Sponsoren und Sportlern stehen an.

"Unser Anspruch ist Spitzensport zu bieten", meint der Ringer-Chef, "und das im vorderen Bereich in der Bundesliga." Das kostet Geld. Doch finanziell hat der Kassensturz "fast eine Punktlandung" (Petzold) ergeben. Bis Ende Januar soll die Hälfte des Kaders fix sein. "Wir sprechen mit allen", sagt Jens Petzold. Sein Ziel: So viele wie möglich halten, am liebsten 60 bis 70 Prozent. Auch das hat einen finanziellen Hintergrund. Wer nicht wechselt, kostet keine Wechselgebühr. Der Saisonetat soll mit offiziell etwas mehr als 320.000 Euro gleich bleiben.

 

Die Zukunft

Es wird auch nächste Saison zwei Ligen geben. Jene des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), der die Red Devils angehören und die Deutsche Ringer-Liga. Eine fatale Situation. "Das Ringen bringt es nicht weiter", sagt Marcus Mackamul, "und für die Sportart ist es katastrophal." Doch derzeit scheint keine Lösung in Sicht, zu verhärtet sind die Fronten. Unabhängig davon gibt es beim DRB Überlegungen, die 1. Bundesligen von Siebener-Gruppen auf Zehner-Teams aufzustocken. Das würde die Saison mit 18 Kämpfen bis zu den Playoffs aufblähen und die Nationalmannschaftsringer, für die im Oktober 2018 die WM in Budapest ansteht, weiter Kräfte kosten.