Kämpfen als Vorgabe für die Roten Teufel

Ringen  Die Neckargartacher Ringer reisen heute mit Optimismus zum Viertelfinal-Rückkampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft nach Burghausen.

Von Stefanie Wahl

Kämpfen als Vorgabe für die Roten Teufel

Hat das große Ziel, seine Niederlage aus dem Hinkampf am Samstag in Burghausen wett zu machen: Freistil-Mann Taimuraz Friev.

Foto: Andreas Veigel

 

Mit der Zeit ändert sich der Blickwinkel. Die Sicht auf die Dinge verschiebt sich, wenn sich der Körper erst einmal von der Anspannung befreit und die Gedanken wieder Freiraum gefunden haben.

"Vier, fünf Punkte Vorsprung wären mein Wunsch gewesen. Aber zwei Zähler, das wird eine heiße Nummer und ein Riesen-Ritt, da muss es wirklich gut laufen." Worte von Marcus Mackamul. Ausgesprochen am Sonntagabend nach dem 12:10-Erfolg seines VfL Neckargartach im Viertelfinal-Hinkampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen den SV Wacker Burghausen.

Stilartenwechsel

Keine Frage, so ist es noch immer. Das weiß der Trainer der Red Devils. Doch vor dem Rückkampf an diesem Samstag (19.30 Uhr) in der Burghausener Sportparkhalle, wo die Stilarten gewechselt werden, formuliert er den gleichen Inhalt anders. "Wir haben eines der besten Teams daheim geschlagen. Burghausen muss uns unter Druck setzen, wir haben vorgelegt. Unser Gegner muss pokern, nicht wir."

Starke Burghausener Freistil-Achse

Warum bitteschön soll nicht nochmal ein Sieg gegen die Oberbayern mit ihrer starken Freistil-Achse gelingen? Oder eine knappe Niederlage ausreichen, weil der Aufsteiger das Gros der Schlüsselkämpfe für sich entscheidet? Optimismus ohne Schönzureden. Positiv denken, um den Zweifeln weniger Platz zu lassen. Marcus Mackamul blickt gelassen auf das Duell an der deutsch-österreischen Grenze und die Herausforderung vor 1000 Fans.

Atmosphäre peitscht nach vorne

"Mit unseren Zuschauern im Rücken können wir das Ding drehen", sagt Burghausens Trainer Michael Schrader. Sein Wunsch: "Dass wir das am Samstag rocken." Dann wäre für ihn und seinen favorisierten SV Wacker die Bundesliga-Saison nicht schon vor den Weihnachtstagen beendet. Was Anhänger bewirken, haben die Neckargartacher Ringer am Sonntagnachmittag in der Römerhalle gespürt. Im positivsten Sinne. "Diese Atmosphäre trägt einen", sagt Marcus Mackamul. Immer wieder hat der Neckargartacher Trainer die Stimmung eingesogen. Er weiß, permanenter Zuspruch und Ansporn von der Tribüne hilft, wenn die Luft in den Lungen brennt, weil der Gegner alle Energie aus dem Körper zieht.

Friev voll motiviert

Wie bei Taimuraz Friev. Geknickt ist der Spanier von der Matte geschlichen. Der Sieg durch technische Überlegenheit des russischen Meisters Kakhaber Khubezhty hat ihn getroffen. Körperlich wie mental. Vier Punkte gibt der Freistil-Mann aus Ossetien nicht häufig ab. Zu stark ist er, zu ehrgeizig.

Noch am Tag danach ist der 31-Jährige im Training wortkarg, wirkt geknickt. Redebedarf. Zeit zum Analysieren. Anstrengende Flüge über die Türkei in die Heimat und retour, weil wichtige Termine unaufschiebbar sind, dazu fünf Kilo Gewichtmachen. Das schlaucht. Argumente statt Ausreden. Taimuraz Friev ist noch motivierter als gewöhnlich, mag am Samstag sein Leistungsvermögen zur Gänze präsentieren.

Ohne Video, aber mit Kampfeslust

Auch ohne ein Motivationsvideo. Mit diesem Kniff hatte Marcus Mackamul im Hinkampf erstmals in der Kabine gearbeitet. Zum Rückkampf wird er ein anderes Mittel der Ansprache wählen. Flexibilität ist nicht nur auf der Matte gefragt.

Apropos. Bei der Aufstellung hat der ehemalige Bundesliga-Akteur nicht so viele Variationsmöglichkeiten wie Michael Schrader, doch er sagt: "Es besteht die Möglichkeit, Eduard Popp auch im Freistil einzusetzen, da ist er ebenfalls sehr stark." So oder so - der Olympia-Fünfte von Rio reist auf alle Fälle mit nach Burghausen, ob als Athlet oder als Edelfan.

Die Mannschaft zählt

Denn: "Wir wollen nicht ausscheiden", sagt Marcus Mackamul, Und: "Eigeninteressen stehen hintenan, wichtig ist die Mannschaft", meint Stefan Kehrer. Auch daher reisen die Neckargartacher gemeinsam an. Doch während der stundenlangen Busfahrt in den Landkreis Altötting ist individuelle Ablenkung angesagt: lesen, schlafen, lernen oder reden. In Burghausen dann gibt es nur ein Ziel: kämpfen.