Frank Stäbler lässt es funken

Ringen  Bei der Premiere für den VfL Neckargartach gibt sich der Ausnahmeringer als Weltmeister zum Anfassen. Der Kampf gegen Nackenheim wird zum 23:7-Spaziergang.

Von Lars Müller-Appenzeller

 

 

Die Stimmung in der proppenvollen Heilbronner Römerhalle am Sonntagabend höllisch: Die Red Devils, der VfL Neckargartach im SV Heilbronn am Leinbach, feierten in ihrem zehnten Kampf in der Bundesliga Südwest den siebten Sieg - mit einem flotten Debüt von Weltmeister Frank Stäbler.

Im siebten Himmel waren nach dem 23:7-Sieg gegen den SV Alemannia Nackenheim aber nur die vor allem jungen Fans, die den 28 Jahre alten Ausnahmeringer noch lange, lange nach dem letzten Kampf belagerten.

"Ich bin sehr glücklich über meinen Einstand vor so vielen Zuschauern", sagte der Weltmeister und deutsche Ringer des Jahres. "Trotzdem hätte ich mir lieber wie gedacht den Kampf gegen Zoltan Levai gewünscht. Das wäre ein Weltklassekampf geworden."

So wurde es Kurzarbeit: Nach 1:47 Minuten hatte sich Stäbler im griechisch-römischen Stil in der Klasse bis 75 Kilogramm gegen Bekir Demir einen Sieg nach technischen Überlegenheit erarbeitet. Die Überstunde mit der grünen Vesperbox, in der sich unbeschriebene Autogrammkarten befanden, bereitete ihm sichtlich Freude. Er schrieb und schrieb Autogramme, grinste und grinste für Selfies.

Mackamul: Er hat einen eigenen Charakter

Frank Stäbler lässt es funken
Zwei doppelte Wertungen und die Sache war erledigt: Frank Stäbler (oben) positioniert sich den Nackenheimer Bekir Demir so zurecht, dass es locker für einen frühen Feierabend reicht. Fotos: Dennis Mugler  

"Ich habe das bei den Weltmeisterschaften in Paris erlebt", sagte VfL-Trainer Marcus Mackamul: "Frank Stäbler hat einen eigenen Charakter. Wenn er in die Halle kommt, hört man es überall knirschen. Und das ist auch hier so gewesen. Es hat heute Abend richtig gefunkt." Aber vor allem die Kämpfe nach der Pause zündeten nicht so richtig, waren allesamt vorzeitig entschieden (zwei durch Schultersiege, drei durch technische Überlegenheit).

Die Gäste hatten einige Änderungen in der Besetzung. Mattenfuchs Mackamul nannte verletzungsbedingte Probleme - zudem wollte sich der Ungar Zoltan Levai offensichtlich auf die in einer Woche anstehenden U-23-Weltmeisterschaften vorbereiten beziehungsweise sich von Stäbler sich seine in der Bundesliga in dieser Saison noch weiße Weste nehmen lassen.

"Das ist für die Zuschauer mega-ärgerlich", sagte Frank Stäbler, als die Ringer-Hölle von Heilbronn schon wieder wie eine ganz normale Dreifelder-Sporthalle aussah. Er ärgerte sich mit: "Ich messe mich immer gerne mit den Besten der Welt. Hier wäre die Möglichkeit gewesen." Leichtes Spiel wegen eines leichteren Gegners beim ersten Mal? Nicht unbedingt: "Ich war sehr aufgeregt und angespannt - das erste Mal ist immer Spannung pur. Und dann fiel die Anspannung erst einmal ab."

Bei einem Spannungsabfall gehen schnell die Lichter aus: Wenn die Spannung zu weit unten ist, kann auch ein Weltmeister verlieren oder sich verletzen. Das hätte nach dem bakteriellen Infekt, der Stäbler zuletzt ruhig gestellt hatte, nicht auch noch sein müssen. Doch alles ging gut. Und schnell.

Gute Atmosphäre in Kabine und Halle

Die gute Nachricht für die Zuschauer: Frank Stäbler gibt es jetzt regelmäßig im Dress des VfL zu sehen. "Ab jetzt werde ich, soweit es geht, jeden Kampf machen", versicherte der Rote Teufel mit der Irokesenfrisur. In der Runde stehen noch zwei Kämpfe an, dann beginnen die Playoffs. "Der Weg kann weit gehen", sagt Stäbler. "Das Mannschaftsgefüge ist optimal, wir haben eine tolle Atmosphäre in der Kabine." Und die höllische Atmosphäre in der Halle? "Die war gigantisch!"

57 kg Griechisch-Römisch (GR): Cornel Predoiu - Ahmed Al-Faradj 4:5 Punktsieg; 61 kg Freistil (F): Levan Metreveli - Vartanov Shaban 16:6 PS; 66 kg GR: Aurelian Leciu - Ibrahim Fallacara 7:0 PS; 71 kg F: Julian Meyer - Ali Can Cakici 17:0 Technische Überlegenheit; 75 kg GR: Frank Stäbler - Bekir Demir 15:0 TÜ; 75 kg F: Christian Maier - Danilo Bauer 4:0 Schultersieg; 80 kg GR: Fabian Fritz - Arkadiusz Kulynycz 0:15 TÜ; 86 kg F: Taimuraz Friev - Yordan Kungalov 8:0 SS; 98 kg GR: Etka Sever - Denis Kudla 0:7 PS; 130 kg F: Stefan Kehrer - Robin Ferdinand 6:3 PS.