Olympia-Kolumne aus Pyeongchang: Zahlensalat

Olympia 2018  Zum Abschluss der Olympischen Spiele in Südkorea blickt unsere Kollegin auf 16 Wettkampftage zurück und überlegt, was sie zuhause erzählen soll.

Von Stefanie Wahl

25. Februar - Zahlensalat

Irgendwann kommt die Frage. Unweigerlich. Spätestens zu Hause. Was hast du bei Olympia gesehen? Die Antwort ist gar nicht so leicht. Viel. Viel Schönes. Viel Mittelschönes. Viel gar nicht so Schönes. Wider das Vergessen oder einfach als Kopfrechnen-Übung an dieser Stelle ein bisschen persönlicher Zahlensalat. Angelehnt an die Lottoziehung: ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn ein olympischer Kopf vergisst in direkter Abhängigkeit zum Schlafdefizit recht viel.

Also, da hätten wir an 16 Wettkampftagen 37 von 102 Entscheidungen live gesehen, darunter 19 der 31 deutschen Medaillen begleitet - zumeist frierend, aber mit wachen Augen. Das ergibt 86 Artikel aus Pyeongchang und Gangneung, die getippten Zeilen sind beim besten Willen nicht mehr nachvollziehbar. Dafür bin ich 217 Mal in den (Shuttle-)Bus ein- und wieder ausgestiegen, 6483 Stufen in den neunten Stock und nicht näher bestimmbare Kilometer zur Bob- und Rodelbahn oder sonst wohin gelaufen - nicht eingerechnet die Joggingeinheiten zwischen Langlaufstrecke und Biathlonstadion mit Sturmgepäck, um der Parallelität der Ereignisse ein Schnippchen zu schlagen.

Um das zu bewältigen, braucht es Energie. In Form von 84 Bechern Grün-, Schwarz- und Kräutertee, 20 Bechern Orangensaft, 63 bestenfalls nach Plastikverschluss schmeckenden Fläschchen Wasser ohne Kohlensäure. Für die Gesundheit tun es 200 Gramm Bonbons (gegen den trockenen Hals), im Tagesschnitt sechs Kekse, fürs Gemüt 13 leckere Pappbecher Cappuccino - unbedingt mit Zimtpulver auf dem Milchschaum - und gegen das Heimweh zwei Butterbrezeln im Deutschen Haus. Was bleibt? Die Erkenntnis, glücklicherweise kein Kabel, kein Handy, keinen Schlüssel oder Kopfhörer verloren, dafür viele Eindrücke gesammelt zu haben. Um festzustellen: Daheim ist es wunderbar!

Weiterlesen: Erfolgreiche wie lange nicht: die deutsche Olympiabilanz


23. Februar - Kamsamida

Paff, der Spruch sitzt. "Wer klug ist, lernt es bis zum nächsten Morgen, ein Trottel braucht zehn Tage." Das soll im 15. Jahrhundert ein Beamte über die koreanische Schrift gesagt haben. Ist echt hart. Aber wer mag schon ein Trottel sein? Oder sich bei Olympia blamieren, weil er weder in der Lage ist, ein Verkehrsschild zu entziffern noch ein Taxi zu bestellen? Die Gastgeber in ihrer Sprache zu begrüßen, ist ja auch eine Sache der Höflichkeit und des Anstandes.

Als Mutmacher hilft, das große Latinum überlebt zu haben, die unendlich vielen unregelmäßigen Verben im Französischen halbwegs auf die Reihe zu kriegen, die italienische Aussprache, die im Gespräch mit den Eingeborenen soweit verständlich ist. Auch die deutsche Grammatik kommt jetzt nicht komplett banal daher.

Und nun die koreanische Schrift. Dieses Zeichensystem, das nur aus zehn Vokalen und 14 Konsonanten besteht - und daher so leicht zu lernen sein soll. Ganz im Gegenteil zu Japanisch. Du lieber Himmel, aber bis zu den Sommerspielen in Tokio sind es ja noch zwei Jahre. Also, ganz entspannt rangehen. Das hilft immer. Und das erste Erfolgserlebnis kommt prompt. Im Bus sitzend, sind die ersten Zeichen am Straßenrand flott wieder zu erkennen. Oder liegt es nur daran, dass eine Autobahn-Raststätte auf der ganzen Welt gleich aussieht? Egal. Posthum ein Lob an König Sejong, Koreas Herrscher im 15. Jahrhundert. Er hat nämlich das "Hangul" genannte System entwickeln lassen. Kamsamida. Danke.

Die Aussprache ist noch ein bisschen holprig, nur das Singsang in der Stimme flutscht dank der Dauerberieselung beim täglichen Transport zu den Wettkampfstätten schon prima. Übrigens: Auch viele Biathleten sprechen Koreanisch. Das hat eine Koreanisch-Challenge ergeben, die das Social-Media-Team des Weltverbandes IBU vergangenes Jahr beim Weltcup in Pyeongchang veranstaltet hat. Der Sieger: Michael Rösch, der für Belgien startende Deutsche. Bleibt die Frage, warum naturgemäß nicht die Südkoreaner gewonnen haben. Sie sind in Russland eingekauft worden.


21. Februar - Eine 2- in Verhalten

Die größte Anmut zeigt die Zugbegleiterin. Mit Tippelschritten huscht sie durchs Abteil, und ehe sie den Waggon verlässt, verneigt sie sich. Seit Jahrhunderten ist es in Korea üblich, Menschen mit einer Verbeugung zu begrüßen. Gut zu wissen ist dabei, dass sich die Respektstufe durch den Grad der Verbeugung ausdrückt. Ganz generell: Je älter und bedeutender die Person, desto tiefer fällt die Verbeugung aus. Ach ja, eine ähnliche Art von Wertschätzung stünde manch Angestellten der Deutschen Bahn gut zu Gesicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ganz so genau nimmt es der Volunteer reiferen Alters im Biathlonzelt nicht. Wäre auch ein bisschen viel verlangt, all diese mehrschichtig vermummten Gestalten, die an ihm vorbei von der Kälte in die Eiseskälte - oder umgekehrt - flitzen. Wie soll er bei der Hektik bitteschön mit einem Blick den Jahrgang rauskriegen? Also hält er die Tür auf und sagt freundlich "thank you". Dann wäre da noch der Kellner. Flinken Schrittes kommt er heran geeilt, noch ehe das Gast die Türklinke drückt. Er signalisiert: Sie haben ihr Geld vergessen. Oh, Trinkgeld wird in Korea traditionell nicht gegeben. Muss man wissen, dass der Service im Preis des Essens inbegriffen ist.

Gar nicht so leicht mit den Verhaltensregeln in der Fremde. Eines aber müssen sich die Gastgeber schon gefallen lassen. Wirklich formvollendet kommen sie letztlich doch nicht daher. Sie schlurfen mehrheitlich. Und zwar gewaltig. Am schlimmsten in den globigen Winterboots. Auf gut Schwäbisch schießt es durch den Kopf: Lupf" doch deine Füß". Nehmen wir es sportlich, ziehen wir nur in der B-Note ab. Bleibt im Zeugnis bei Verhalten eine 2-.


19. Februar - Zahmer Tiger

Soohorang ist ein kleiner weißer Tiger, er ist das Maskottchen der Olympischen Spiele. Früher hat es in der Gegend um Pyeongchang in echt Tiger gegeben. Keine Angst! Soohorang ist nicht gefährlich. Man kann ihn sogar streicheln, wenn er in seinem Kuschelfell zu den Wettkämpfen kommt. Soohorang ist ein verkleideter Mensch. Das Wort Sooho bedeutet Schutz, und bei den Koreanern gilt er als heiliger Wächter. Er passt also auf alle Athleten und Fans auf.

Wie Ihr sicher auch, hat Soohorang einen besten Freund: Bandabi, einen asiatischen Schwarzbären mit weißem Fleck auf der Brust und einem langen Pelz am Hals. Daher nennen ihn die Erwachsenen auch Kragenbär. Er ist der Glücksbringer für die Paralympischen Spiele, die hier im März für Sportler mit Behinderungen ausgetragen werden.

Soohorang und Bandabi verstehen sich super. Sie machen viel Quatsch - an der Autobahn-Raststätte, auf dem Berg oder am Meer. Jeder Olympiasieger bekommt Soohorang als Stofftier geschenkt. Leider kann ich nicht jedem von Euch eines mitbringen.

Aber nehmt doch heute einfach mal Euer Lieblings-Kuscheltier, Euren besten Freund und spielt Olympia. Im Wohnzimmer hüpft Ihr wie die Skispringer vom Sofa - die Schwimmbrille schützt Euch dabei vor zu viel Wind. Rennt mal eine Runde so schnell es geht um den Esstisch wie die Shorttracker oder nehmt Mamas Schrubber und imitiert Curling. Wer gewinnt, ist Olympiasieger - und erhält eine Belohnung. Ein kleiner Tipp für alle Eltern: Soohorang liebt Grünteekekse. Wahrscheinlich nur, weil er keine Gummibärchen kennt.


15. Februar - Zu den Socken

Dabei sein ist alles. Von wegen olympisches Motto und so. Heute sind wir mal knallhart, eiskalt und ohne jegliche Gefühlsduselei. Wir vergessen das ständige Gerede vom besonderen Flair, kommen auf den Punkt - und denken nur an das eine: Medaillen, Medaillen, Medaillen. Mal ehrlich, darum geht es doch. Wieso sonst lechzt alle Welt nach diesem Medaillenspiegel? Nur für den schnellen Überblick, was in der Nacht und am Tag passiert ist? Wer's glaubt.

Schon Ende September stellen die Koreaner ihre Medaillen in Seoul und New York vor. Der berühmte Designer Lee Suk-woo erklärt, dass er das koreanische Alphabet Hangeul mit einbezogen hat. Es zieht sich am Rande der Medaille entlang. Die unebene Oberfläche der Medaillen symbolisiert Baumstämme - hoffentlich nicht jene, die für den Bau der olympischen Sportstätten gerodet worden sind. Die Goldmedaille wiegt 586 Gramm, die bronzene nur noch 493 Gramm. An beiden haben die besten Wintersportler also nicht schwer zu tragen, oder doch?

Den Designer Lee interessieren solch schnöde Dinge nicht. Er sagt: "Die Medaillen repräsentieren mein Heimatland und symbolisieren für alle Athleten, die sie erhalten, den Jubel des Triumphes und ein Leben geprägt von harter Arbeit und Hingabe." Na bitte, da haben wir es doch wieder. Nur die Knallharten packen es. Und was machen sie, wenn sie endlich die Medaille am rosa-hellblauen Bande haben? Biathlon-Olympiasieger Arnd Peiffer verstaut sein Gold in der Socken-Schublade.


14. Februar - Besonderheiten

Überall ist es zu hören: Olympia ist besonders. Nicht nur die Athleten erleben in Pyeongchang spezielle Augenblicke, die haften bleiben. Auch die Gäste aus aller Welt haben ihre olympischen Momente - wenn auch der etwas anderen Art.

Platz drei

Olympia ist Schule. Neues lernen, jeden Tag. Wie Beonanori. Keine Sportart, sondern koreanisches Kulturgut. Das Spiel mit dem Rhythmus ist ein Erlebnis. Räder, Körbe, Geschirr werden auf einen speziellen Stock gelegt, man drehe kräftig, behalte das Gleichgewicht, damit sich die Dinge drehen. Vorsicht bei der Jonglage: Nicht zu heftig, es könnte Scherben geben. Allerdings: Glück schadet auch bei Olympia nie.

Platz zwei

Olympia ist der logistische Wahnsinn, Bustouren sind tägliche Pflicht. Dazwischen liegen die immergleichen Marschrouten und das olympische Podest. Für Normalos. Aus Holz. In der Mitte einer Treppe aufgestellt. Ein willkürlich gewählter Ort, doch keiner widersteht dem Reiz, stellt sich auf die oberste Stufe - und genießt. Das Schöne: Die wahren Olympiasieger haben auch nicht mehr Zuschauer, die applaudieren.

Platz eins

Olympia ist international. Ein buntes Sprachengewirr. Und nicht immer ist die Herkunft exakt zu orten. In doppelter Hinsicht. Eric Frenzel, der Nordische Kombinierer, bittet darum, in der internationalen Fragerunde auf Deutsch über seine Gefühle sprechen zu dürfen. Er hat einen Übersetzer, einen mega grandiosen. Seinen Namen verrät er nicht. Das IOC möchte das so. Warum? Geheimnis. So ist Olympia.


14. Februar - Happy End

Kennen Sie die Maiers? Welche Maiers? Ah, die Maiers von nebenan. Ähnlich ergeht es den Kims in Korea. Um die vier Millionen sollen allein diesen Nachnamen tragen, exaktere Angaben des häufigsten koreanischen Nachnamens - übrigens vor Lee und Park - sind mal richtig schwer zu finden. Nur nebenbei: Dieses Namens-Trio trägt addiert mehr als die Hälfte aller 74.556.000 Koreaner.

Verliebt sich nun aber Herr Kim in Frau Kim und will sie heiraten, ist das zwar schön für die beiden, aber im ungünstigsten Falle Inzest. Ein gemeinsamer Ahnensitz hat lange Zeit genügt, um nach Artikel 809 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Ehe zu verhindern. Konfuzianismus und moralische Ansprüche sind häufig der Grund für viele illegale Ehen. Das Problem: Die Kinder waren offiziell nicht existent, da ihre Mütter nicht als Ehefrauen ins Familienregister eingetragen waren.

Inzwischen wird das - selbst juristisch - alles nicht mehr ganz so eng gesehen. Ein Glück für alle Kims, Lees und Parks. Paare dürfen nun nämlich ab dem dritten Verwandtschaftsgrad heiraten. Schätzungen zufolge sind damit zig Tausende Ehepaare aus der Illegalität geholt worden. Ein ziemlich schönes Happy End für all die vielen verliebten Kims.


13. Februar - Regelverstoß

In der koreanischen Kultur dreht sich viel ums Alter. Die erste Frage, die ein Koreaner einem Fremden stellt, lautet daher häufig: Wie alt sind Sie? Der Hintergrund: Das Alter bestimmt die Höflichkeitsform, die zu wählen ist. Klitzekleine Voraussetzung: Sie sind der koreanischen Sprache mächtig. Einerseits wird dem älteren Menschen mehr Respekt entgegengebracht, andererseits wird jedoch erwartet, dass sie für das Essen der Jüngeren zahlen und ihnen die Getränke einschenken. Die Jüngeren müssen dieses annehmen, sich schräg wegdrehen und ihren Mund beim Trinken mit einer Hand bedecken. Es gilt nämlich als unhöflich, direkt vor einer älteren Person zu trinken.

Soweit zur Theorie. In der internationalen olympischen Großfamilie sind die Regeln deutlich lockerer. Nach dem Alter fragt niemand, bestenfalls wie alt man sich am Morgen ob des chronischen Schlafmangels fühlt. Zum Essen lädt auch niemand ein. Ein Provinzboss lädt zwar zu regionalen Spezialitäten, doch dusseligerweise wartet der Bus mit der Abfahrt nicht bis zur offiziellen Eröffnung des Buffets. Und was das Annehmen der Getränke angeht: Beim Skispringen ist seit Sonntag der Vorrat an Teebeuteln alle. Schade - und sorry für den Regelverstoß.


12. Februar - Schönes Kribbeln

Ja, ja, das Wetter. Es ist immer ein Thema. Lässt sich auch prima darüber diskutieren. Weltweit. Mit jedermann. Ist sozusagen ein verbaler Eisbrecher. Apropos. Es ist arktisch kalt in Pyeongchang und Umgebung. Abgetapte Gesichter, um sich vor Erfrierungen zu schützen. Schlauchtücher als Wind- und Kälteschutz tragen neuerdings nicht nur die Biathleten. Angora-Unterwäsche ist hip, Zwiebel-Look unerlässlich. Wissen wir alles.

Weil es aber kaum ein schöneres Gefühl gibt als an einer heißen Tasse Tee zu spüren, wie die erstarrten Finger wieder lebendig werden, ist es Zeit für ein Dankeschön. Irgendein koreanisches Genie hat im siebten Jahrhundert ein Bodenheizungssystem erfunden, das sich auf der gesamten Halbinsel verbreitet hat. Zwar ist die Technologie des 21. Jahrhunderts eine andere, doch kommt die Wärme noch immer hauptsächlich von unten. Das prägt auch das koreanische Schlaf- und Essverhalten: Einige sitzen und schlafen auf dem nackten Boden.

Völlig einverstanden, wer sich trotzdem für Bett und Tisch entscheidet. Auf einen Genuss aber mag der internationalen Gast nicht verzichten: Die wohlig aufsteigende Wärme, die nach geraumer Zeit signalisiert: die Füße (ja, die Füße), leben wieder. Was für eine unendliche Wohltat.


11. Februar 2018 - Ein Virus geht um

Die Warnung ist nicht zu übersehen. Sie kommt per Mail. Sie hängt im Fahrstuhl der Heimat auf Zeit in Gangneung. Nicht zu vergessen: Die Mund-zu-Mund-Propaganda rund um Pyeongchang. Das Stichwort: Norovirus. Seit 1. Februar sind 139 Fälle bestätigt. Das ist gar nicht lustig. Noroviren sind ein extrem ansteckender Verursacher viraler Gastroenteritiden. Im Klartext: super heftige Magen-Darm-Grippe. Zehn winzige Virenpartikel genügen für eine Infektion, Erkrankte verteilen aber Millionen. Mindestens so dusselig: Noro verbreitet sich schnell und ist schwer zu bekämpfen. Frag nach bei den Chefs der Leichtathletik-WM in London im August.

Nun schon wieder Noro. Nicht zu verwechseln mit Zika, jenem Virus, über das vor den Sommerspielen in Rio monatelang diskutiert worden war - und null Komma null passiert ist.

Der Maßnahmenkatalog in Pyeongchang ist lang. Und ernst zu nehmen. Lächeln statt Händedruck. Keine Umarmungen, dafür viel Händewaschen. Das koreanische Zentrum für Krankheitskontrolle stellt 15000 Flaschen mit Desinfektionsmittel bereit. In den olympischen Speiseräumen trägt das Personal Mundschutz und Handschuhe. Die Appartements werden mit Chlor gereinigt, Umweltministerium und die Provinz Gangwon kooperieren, um gezielt Restaurants nahe der Wettkampfstätten und Hotels zu inspizieren. Wen es trotzdem erwischt, der kommt in Quarantäne. Das aber braucht kein Mensch. Daher gibt es zum Abschied heute keinen Händedruck, sondern ein digitales :-). Sorry, ein anderes Mal gerne wieder.

 


8. Februar 2018 - Memories

Es muss angeboren sein. Oder eine Sache des Alters. In Erinnerungen schwelgen, ist nett. Im Idealfalle helfen die Gedanken an früher auch bei der Orientierung. Wie im Yongpjong Resort, unweit der olympischen Sportstätten in den Bergen. Nur: Tinky-Winky, der Teletubbie-Klon, der 2009 tagein, tagaus in seinem Wachhäuschen am Eingang der Hotel-Komplexe gestanden, eine Mütze mit Micky-Maus-Ohren und künstlichen Augen, dazu einen rosafarbenen Frottee-Waschlappen mit Handpuppe darauf getragen hat, um immerzu zu winken, ist nicht mehr da. Ersetzt durch hunderte Volunteers, die freundlich grüßen.

Auch Jinsun, beim ersten Besuch in Pyeongchang vor neun Jahren zarte 17 Jahre alt, arbeitet nicht mehr als Zeppelinfahrer in Alpensia. Luftschiffe kreisen auch vor der olympischen Eröffnungszeremonie in der bitterkalten Luft, doch der schmächtige Jüngling, der einst so leidenschaftlich auf einem Hochstuhl sitzend per Funksteuerung sein Gefährt gelenkt hat, ist wie vom Erdboden verschluckt. An seiner ehemaligen Wirkungsstätte haben sie einen Infostand platziert, in dem Freiwillige Infos zum olympischen Transportsystem austeilen.

Im Dragon Valley Hotel haben sie noch immer eine Bar. Wenigstens das. Nur: Die Sofas im Blumendesign sind ausgetauscht - und den herrlich süßen Karamell-Cappuccino mit individuellem Deko-Muster der jeweiligen Bedienung im Milchschaum haben sie auch von der Karte genommen. Stattdessen gibt es bunte Elektrolytgetränke vom IOC-Sponsor. Einheitsware - wie überall im olympischen Sektor. Ach, früher ist eben doch manches gar nicht so übel gewesen. Auch in Pyeongchang.