Eine Horkheimerin träumt von Olympia

Shorttrack  Ihre Idole machen es zurzeit in Südkorea vor, die 13-jährige Enni Wielsch will es nachmachen und 2022 bei Olympia in Peking dabei sein. Die Eltern versuchen, realistisch zu bleiben.

Von Lisa Reiff

Eine Nordheimerin träumt von Olympia

Erst der Videobeweis konnte den Ausgang des Finales auf 500 Metern zwischen (v.l.) Arianna Fontana (Italien), Kim Boutin (Kanada), Choi Minjeong (Südkorea) und Elise Christie (Großbritannien) klären.

Foto: dpa

 

Enni zuckt nicht mit der Wimper. Ihre dunklen Augen hinter der runden Hornbrille kleben am Fernseher. Sie verfolgen jede Sekunde des Finales der Shorttrackerinnen auf 500 Metern.

Olympia läuft bei Familie Wielsch in Heilbronn-Horkheim rauf und runter. Zum Glück sind Faschingsferien, da kann die 13-jährige Eisschnellläuferin Enni Wielsch ihren Favoritinnen in Südkorea dabei zusehen, wie sie sich in den Kurven der Rennen fast aufs Eis legen.

Gebannt vor dem Fernseher

"Hä?! Habt ihr was gesehen?", will Wielsch von ihren Eltern wissen. Sie sitzen genauso gespannt auf der Couch wie die Tochter. "Warte, das wird gleich wiederholt", sagt Mutter Andrea Herrmann-Wielsch. Dass Choi Minjeong, die als Zweite ins Ziel gefahren ist, nach dem Videobeweis disqualifiziert wird, weil sie Kim Boutin an der Schulter am Überholen gehindert hat, kann Wielsch erst nicht richtig glauben.

Eine Nordheimerin träumt von Olympia

Enni Wielsch will 2022 bei Olympia in Peking starten.

Foto: Lisa Reiff

 

Auch die 13-Jährige kennt die Tricks, mit denen man Konkurrenten beim Überholen blockieren kann. "In den Kurven lasse ich meine Hand extra lange auf dem Eis", erklärt sie, damit die anderen nicht innen an ihr vorbeikommen.

Mit ihren 1,71 Metern gehört Wielsch nicht gerade zu den kleinen, flinken Läuferinnen. "Dafür kann ich unauffällig blocken", sagt sie - indem sie den Ellenbogen hebt, statt den ganzen Arm auszustrecken. Das Aus der Südkoreanerin Choi ist aber nicht die wichtigste Nachricht für sie.

Wielsch interessiert sich eher für die Europäerinnen. "Von denen kriegt man halt mehr mit." Für die Italienerin Arianna Fontana hat sie die Daumen gedrückt - und die holte mit 42,569 Sekunden Gold. "Schaut euch das an, sie ist voll relaxed danach", staunt die 13-Jährige.

Vom Inlineskating auf Shorttrack umgestiegen

"Enni, wie viele Sekunden fehlen dir jetzt noch?", fragt Vater Thomas Wielsch. 50 Sekunden will sie unterbieten. Das ist ihr Ziel für das Europacup-Finale in Lettland Ende März: immer schneller werden, noch tiefer in den Kurven liegen - so wie die Italienerin Arianna Fontana oder die Britin Elise Christie in Pyeongchang. 2013 ist Wielsch vom Inlineskating auf Shorttrack umgestiegen, weil sie ihrem älteren Bruder öfter beim Training beim Mannheimer ERC zugeschaut hatte. Die Action auf dem Eis habe sie fasziniert.

Mit Ehrgeiz spart Enni nicht: Ihr Traum ist, 2022 bei den Olympischen Winterspielen in Peking zu starten.

Vier Mal die Woche nach Mannheim zum Training

Das Risiko, beim Shorttrack zu stürzen, kann Enni Wielsch (vorne) nicht abhalten. Die 13-jährige Nordheimerin will so schnell laufen können wie ihre Favoritinnen bei Olympia. Foto: privat

Der Weg dahin wird hart. Vier Mal die Woche trainiert sie bis jetzt durchschnittlich in Mannheim. Der Vater schätzt die Betreuung der Trainer, auch deshalb fährt er Enni dort hin. "Wir waren schon immer ein gutes Team", sagt Enni. Sie läuft in der Leistungsklasse der D-Junioren: 1000, 777 und 500 Meter. Bei den Olympischen Winterspielen sind es 1500, 1000 und 500 Meter. Längere Strecken sind Wielsch sowieso lieber.

Im Fernsehen erzählt die 19-jährige Anna Seidel, die Olympia gerade schon zum zweiten Mal erlebt, dass auch sie lange Strecken lieber mag. Ein Vorbild für Wielsch? "Als Sportlerin mag ich sie." Seidel stammt aus der Shorttrack-Kaderschmiede Dresden. Ein Sportinternat sei dabei - da müsste Papa nicht den Chauffeur spielen. Im vergangenen Jahr hat er 30.000 Kilometer Strecke für seine Tochter gemacht. Die Mutter sagt: "Wir machen das, so lange sie Spaß und Erfolg hat."

Enni Wielsch sieht nicht so aus, als würde sie bald aufgeben. "Ich brauche fast jeden Tag Sport, sonst hält man es mit mir nicht aus", gibt sie zu. Ihre Mutter nickt und sagt: "Enni ist auch schon Ski gefahren wie eine Irre." Mit Dreieinhalb hat sie ihren sechs Jahre älteren Bruder auf der Piste überholt, weil sie geradeaus hinunter gerauscht ist.