Dichter und Denker, denkste!

Olympia  Nicht alle sind im Wintersport-Fieber: Unser Autor outet sich als Olympia-Muffel

Von Andreas Gugau

Dichter und Denker, denkste!
Schaum vor dem Mund, die Fünf-Zentimeter-Scheibe im Visier, das Land ist glücklich. Foto: dpa  

Es wird niedergerungen und besiegt, gekämpft oder ganz modern gerne mal "gefightet", Sieger stehen oben, Verlierer sollen es gefälligst besser machen und zwischendurch wird auch noch geschossen und das ganze Land kapriziert sich auf eine fünf Zentimeter große Scheibe.

Ein erbitterter Kampf tobt, um irgendwelche komischen Stofftierchen und später dann noch um Orden, respektive Medaillen. Es herrscht quasi Krieg, in einer Gegend, deren Namen die meisten Leute hierzulande wenn überhaupt nur radebrechend aussprechen können, und alle glotzen zu.

Welt in Sieger und Verlierer eingeteilt

Ein martialisches Spektakel mit Brettern unter den Füßen, dem Gewehr auf dem Rücken oder wahlweise dem Schlitten unterm Hintern, die Olympischen Spiele. Das ganze Land projiziert sich auf eine nichtssagende Tabelle, die täglich, stündlich aktualisiert wird und die Welt in Sieger und Verlierer einteilt. Die Sieger, das sind wir, "Gold und Silber!", man kriegt sich schon fast nicht mehr ein, wie damals in Sedan. Fehlen nur noch die Kirchenglocken.

Der ewige Kampf des einen gegen den anderen, wobei niemand so genau weiß, ob nicht der eine oder andere gedopt ist, aber das wird vorsichtshalber besser nicht angesprochen, wenn mal wieder einer mit Schaum vorm Mund im Ziel ankommt. Schon gar nicht, wenn der auch noch die schwarz-rot-goldene Trikolore am Ärmel trägt. Dann sind wir es, die gewinnen, manchmal verlieren wir auch, das aber nicht so gerne.

Krieg, Verzeihung!, Wettkampf, war schon immer gut zur Unterhaltung und zur Ablenkung. Man könnte sich ja Gedanken darüber machen, wie es politisch in diesem Land weitergehen sollte. Oder ob Daniel Kehlmanns Roman "Tyll" nun ein Meisterwerk ist wie Denis Scheck behauptet oder ein halbfertiges Buch mit ganz guten Ansätzen, wie der Autor dieser Zeilen behauptet. Aber der öffentlich-rechtliche Rundfunk schickt lieber unbegrenzt Menschen und Material in die Kälte, um dann sinnlose Statistiken zu verlesen, Interviewpartner zu fragen, ob der Schnee kalt ist, oder live vom Kampf zu berichten. Zu allem Überfluss wird das auch noch angeschaut.

Auf zwei bundesweiten Kanälen und immer mit der Aufgeregtheit einer Rauchschwalbe, stimmlich eine Mischung aus Meise und Wellensittich, gibt es stundenlang Berichterstattung darüber, wie irgendwelche Leute den Berg runterfahren. Mit Maß und Ziel betrieben, könnte man mit dem gesparten Geld die Helden von Pyeongchang das Jahr über ordentlich durchfüttern. Tut aber nicht Not, es reicht ja, wenn sie ihre fünf Minuten in Korea bekommen.

Wenn der Skiathlet über jedem Dichter steht

Wir sind wer, das zeigt ja schon der Medaillenspiegel. Da stehen wir, das Land der Dichter und Denker, ganz vorne. Da gehören wir schon immer hin, auch wenn jetzt der Skiathlet über jedem Dichter steht und sich mit der Schenkel Kraft ein Denkmal schafft (frei nach Thomas Spitzer). Es sei nur am Rande angemerkt, dass auch hierzulande die Hälfte der Bevölkerung per Definition unterdurchschnittlich intelligent ist.

Die nächste Folge von "Druckfrisch" mit Denis Scheck läuft am 25. März in der ARD. Zur besten Sendezeit um 0.05 Uhr.