8. - 24. August | XXIX. Olympische Sommerspiele in Peking
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Wenn irgendwie der Rhythmus flöten geht
Von Stefanie Wahl
Rudern - Schweren Schrittes läuft Katrin Reinert Richtung Mannschaftsbus. Die Haare sind noch nass, ein paar Strähnen haben sich aus dem Zopf gelöst. „Ich bin kaputt“, sagt sie nach dem Vorlauf des Frauen-Achters auf dem künstlich angelegten Shunyi-Park, der Ruder-Oase im Norden Pekings. Vierte und damit Letzte in ihrem Rennen sind sie geworden. Olympische Wettbewerbe sind extrem harte Wettbewerbe. Und wenn es nicht so recht laufen mag, zehren sie auch mental noch ein wenig mehr.
Acht Sekunden Knapp acht Sekunden Rückstand hat Katrin Reinert mit ihren Mannschaftskolleginnen gestern nach 2000 Metern auf die Crew aus den USA gehabt – mehr als das Team von Bundestrainer Ralf Holtmeyer in den Planspielen errechnet hatte. Eine Steigerung ist Pflicht. Während sich die Amerikanerinnen direkt für das Finale qualifiziert haben, plant das Oktett aus deutschen Landen den Einzug auf dem Umweg über den Hoffnungslauf morgen Mittag (11.40 Uhr MESZ).
Während die Siegerinnen scheinbar leichtfüßig aussteigen und scherzend in Richtung Fernsehstation laufen, sitzt Katrin Reinert im Boot und trinkt. Die hohe Belastung und die hohe Luftfeuchtigkeit schlauchen den Körper. Immer wieder streicht sie sich über die Oberschenkel und Waden. „Es sollte eigentlich schon ein volles Rennen sein“, sagt Katrin Reinert. Keine Kräfte schonen, sondern austesten, was die Extremitäten hergeben. Es hat nicht funktioniert, dabei hatte es nach der Hälfte der Distanz noch passabel ausgesehen.
Schleichender Prozess
„Danach ist der Rhythmus irgendwie flöten gegangen“, meint die 20-Jährige von der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben. Ein schleichender Prozess, der nicht nur bei Katrin Reinert Enttäuschung hinterlassen hat.
Gedrückte Stimmung bei der Mannschaftsbesprechung und gesenkte Häupter beim Marsch vorbei an der sogenannten Kiss-and-Cry-Zone. Jenes Revier, wo die Sieger und Verlierer Rede und Antwort stehen. Auch Ralf Holtmeyer hat seinen Athletinnen klar gemacht, dass sie es besser können. Nicht nur, weil sie sich im Training stärker präsentiert haben. Das Potenzial auszuschöpfen, das ist die klare Vorgabe. Werden die Achter-Frauen noch einmal Letzter, ist das Finale futsch. Die internationale Spitze ist eng zusammengerückt, da zählen auf dem Seewege auch Nuancen.
Elke Hipler, als erfahrene Schlagfrau auch so etwas wie die Meinungsführerin, hat ihre Mädels eingeschworen. „Sie meinte, wir müssen entschlossener und geschlossener an die Sache rangehen“, sagt Katrin Reinert.
Vorbild Hipler
Die 29-jährige Elke Hipler ist wegen ihrer effizienten Technik, aber auch als Mensch das Vorbild von Katrin Reinert. „Sie hat auch an Land eine herzliche Art“, meint sie. Nach Niederlagen tut das besonders gut.
Katrin Reinert spielt mit den Fingern an ihrer Kette. Ihr Anhänger ist ein Fisch, ein christliches Symbol des Glaubens. Die Studentin der Betriebswirtschaftslehre will an sich und ihre Leistungsstärke glauben. Jetzt aber mag sie ganz schnell in das olympische Dorf zurückfahren, endlich essen und sich erholen.



