Schwanger: NSU-Leistungsträgerin Alena Vojtiskova fällt aus

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union muss den Bundesliga-Klassenerhalt ohne Rückraumspielerin Alena Vojtiskova schaffen - die 33-Jährige ist schwanger. Einen Ersatz zu finden, ist schwer.

Von Dominik Knobloch

Alena Vojtiskova beim Wurf im Spiel gegen Blomberg-Lippe. Foto: Veigel  

Alle im Verein freuen sich für Alla. Auch wenn alle wissen, dass ihr Ausfall für die Sport-Union alles andere als erfreulich ist. Neckarsulm muss sein zweites Bundesliga-Jahr ohne Alena Vojtiskova, vom Team nur Alla genannt, meistern. Es ist ein äußerst schmerzlicher Verlust, aber eine der schönsten Arten, eine Spielerin zu verlieren. Denn die Tschechien ist nicht verletzt, nicht krank, sondern in der 13. Woche schwanger.

An diesem Donnerstag gab es die Bestätigung vom Arzt, dass mit dem Kind alles in Ordnung ist. Vojtiskova ist natürlich happy, "aber es war auch nicht leicht, es der Mannschaft zu sagen - es tut mir Leid, dass ich ihnen nicht mehr helfen kann."

Umso erleichterter war die 1,84-Meter-Frau darüber, wie gut der Verein die schöne Schock-Nachricht aufnahm. "Einerseits freust du dich riesig für sie, weil sie ein toller Mensch ist. Als Sportlerin ist sie für uns aber eben auch kaum zu ersetzen", sagt NSU-Trainer Emir Hadzimuhamedovic.

Die Frau für die "einfachen Tore"

Die 33-jährige Halbrechte, sie ist Neckarsulms Spielerin für die einfachen Tore. Stattliche 96 steuerte sie vergangene Saison als Topscorerin zum Klassenerhalt bei, hat sich seit ihrem Wechsel zur Sport-Union 2014 zu einer absoluten Leistungsträgerin entwickelt. Auch dank ihrer Routine in der Abwehr. Jetzt müssen die Neckarsulmerinnen ohne ihre wurfgewaltige, aggressive Linkshänderin zurecht kommen. Ein Ersatz?

"Wir machen seit drei Wochen nichts anderes, als nach Verstärkung zu suchen. Ich bereite mich auch darauf vor, dafür zu reisen. Wir wollen der Mannschaft helfen, aber nicht um jeden Preis", sagt Hadzimuhamedovic. Und obwohl er ob der schwierigen Marktlage bereit ist, den Wunsch nach einer Linkshänderin zu verwerfen und auch Rechtshänderinnen in Betracht zieht, sind zu diesem Zeitpunkt kaum starke Spielerinnen zu finden: "Wir als kleiner Verein bekommen nur das, was keiner der Großen will. Deshalb suche ich den engen Draht zu großen europäischen Clubs - vielleicht können wir ja auch jemanden ausleihen."

Interne Lösung für den Rückraum

Die interne Lösung für die vakante halbrechte Position: Die Neuzugänge Linda Mack und Nele Reimer, oder die beiden Halblinken Lena Hoffmann und Isabel Tissekker. Linkshänderin ist davon aber nur Mack - mit Rechtaußen Luisa Gerber jetzt die einzige im Team - und die hofft, "dass wir noch eine Verstärkung bekommen, weil es mit nur zwei Linkshänderinnen natürlich schwierig wird".

Selbstverständlich wolle sie viel beitragen, "aber das schaffe ich nicht alleine und das schaffen auch die Rechtshänderinnen nicht alleine". Äußerst bemüht war beim 21:34 am Mittwochabend Reimer. Leicht tat sich die 21-Jährige auf der ungewohnten Position aber trotz drei Treffern nicht: "Es war schon eine Umstellung, vor allem von den Laufwegen, aber dass es schwerer ist, würde ich nicht unbedingt sagen. Und wir sind ja flexibel im Rückraum."

Allerdings hat gerade im rechten Rückraum nicht nur Talent Nele Reimer noch Luft nach oben. Zu ersetzen ist Vojtiskova ohnehin durch keine der Teamkameradinnen. Trotzdem - alle freuen sich für Alla. Und die werdende Mama will sich in der Halle mit Neckarsulm freuen: "Ich komme nicht zu jedem Spiel, aber sicher zu einigen. Jetzt muss ich eben neben beim Anfeuern alles geben."