Doch kein Transfer-Hammer: Luzumova kommt nicht nach Neckarsulm

Handball  Schock für Neckarsulms Erstliga-Handballerinnen: Die als Top-Neuzugang eingeplante Iveta Luzumova bleibt nun doch bei ihrem bisherigen Verein.

Von Stephan Sonntag

Liga-Star macht Rückzieher
Iveta Luzumova wird auch in der nächsten Saison das Trikot des Thüringer HC tragen und nicht wie geplant nach Neckarsulm wechseln. Eine bittere Nachricht für die Sport-Union. Foto: dpa

Das Profigeschäft kann manchmal ganz schön dreckig sein. In jedem Fall wird mit äußerst harten Bandagen gekämpft. Auf, aber eben auch abseits des Spielfelds. Das erlebt gerade Bundesliga-Neuling Neckarsulmer Sport-Union.

Ausgerechnet einen Tag vor dem alles entscheidenden Spiel um den Erstliga-Klassenerhalt gegen Metzingen an diesem Samstag (18 Uhr) in der Ballei sickerte durch, dass Top-Neuzugang Iveta Luzumova doch nicht vom Thüringer HC nach Neckarsulm wechseln wird. Dies bestätigte der Sport-Unions-Vorsitzende Rolf Härdtner am Freitag gegenüber der Heilbronner Stimme.

Großangriff auf den deutschen Meister

Offenbar hat ihr bisheriger Verein mit Trainer Herbert Müller an der Spitze massiv auf die 28-Jährige eingewirkt, um sie zum Bleiben zu bewegen. Der Abonnement-Meister der vergangenen Jahre will wohl in der nächsten Saison einen Großangriff auf den deutschen Meister aus Bietigheim starten und dafür nicht auf seine Spielmacherin verzichten.

Gegenüber der Heilbronner Stimme bestätigte Müller am Donnerstagabend den Verbleib Luzumovas nicht. Der 54-Jährige verwies lediglich darauf, dass Luzumovas Vertrag in Neckarsulm nur im Falle des Klassenerhalts in Kraft trete und der sei ja noch nicht unter Dach und Fach. Der "Thüringer Allgemeinen" und dem Internetportal "handballworld.com" hatte er für diesen Samstag die Bekanntgabe eines "Knaller"-Transfers angekündigt, der "den Weggang von Iveta Luzumova vergessen lassen wird". Nicht nur vergessen lassen, sondern gar nicht erst stattfinden, war allem Anschein nach damit gemeint. "Als Trainer erfährt man solche Transfergschichten ja immer als Letzter", fügte Müller im Stimme-Gespräch noch süffisant an.

Juristisches Schlupfloch

Die Neckarsulmer sind von den Entwicklungen förmlich überrollt worden. Der von Luzumova im März unterschriebene Arbeitsvertrag war bisher nicht bei der zuständigen Passstelle des Deutschen Handballbundes (DHB) angezeigt worden. Der von ihr jetzt beim Thüringer HC unterschriebene allerdings schon. Hier sieht der THC offenbar das juristische Schlupfloch, um den Neckarsulmer Vertrag als nichtig zu erklären. "Das sehen wir natürlich anders", sagt Härdtner, der sich rechtliche Schritte vorbehält. "Es darf nicht sein, dass man mit den kleinen Neckarsulmern alles machen kann."

Abgeschirmt Dass der Transfer trotz des Ränkespiels doch noch zu Stande kommen könnte, glaubt Rolf Härdtner nicht. "Wenn die Spielerin nicht mehr kommen will, dann bringt es ja nichts, sie zu zwingen", sagt der NSU-Chef. Menschlich sei er von der Tschechin enttäuscht. Der Verein habe seit Wochen keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt, auf Anrufe habe sie nicht reagiert. Selbst bei ihrer guten Freundin im Neckarsulmer Team, Alena Vojtiskova, hat sich Luzumova nicht gemeldet. "Ich habe das Gefühl, dass sie total abgeschirmt wird", sagt Härdtner.

Am Donnerstagabend wurde das Neckarsulmer Team informiert, dass der Transfer nicht zu Stande kommen wird. "Das mussten wir tun, weil das Gerücht in der Szene bereits im Umlauf war", erklärte Rolf Härdtner den ungewöhnlichen Schritt zwei Tage vor der entscheidenden Begegnung.

Dessen Ausgang soll jetzt abgewartet werden, ehe sich die Neckarsulmer auf die zweifellos schwierige Suche nach einer Ersatzkandidatin für Iveta Luzumova machen.