Der Trainerwechsel bei den NSU-Frauen ist unsinnig

Kommentar  Vieles lief bei den Handballerinnen aus Neckarsulm in diesem Jahr unglücklich. Jetzt Emir Hadzimuhamedovic als Trainer abzusetzen klingt allerdings nach Aberglaube und nicht nach Professionalität, kommentiert unser Kollege Dominik Knobloch.

Von Dominik Knobloch

Dominik Knobloch  

Die Neckarsulmer Verantwortlichen haben sich dafür entschieden, etwas zu verändern. Beim bloßen Blick auf die Bundesliga-Tabelle ein verständlicher Schritt. Emir Hadzimuhamedovic sieht sich selbst jedoch keineswegs als sportlich gescheitert an, sondern äußere Einflüsse als Grund für die Misere. Auch der NSU-Vorsitzende Rolf Härdtner betont, dass er den 48-Jährigen unter keinen Umständen komplett ziehen lassen wollte und hadert mit dem schweren Schicksal seiner Sport-Union. Darin sind sich die beiden mächtigen Männer der Neckarsulmer Handball-Frauen einig.

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Der Schritt, nur aufgrund einer vermeintlichen Pechsträhne ein fast achtjähriges Arbeitsverhältnis aufzulösen, ist hingegen wenig schlüssig. Das klingt nach Aberglaube und nicht nach Professionalität. Sicher, vieles lief in dieser Saison unglücklich für die Sport-Union − vom geplatzten Transfer der Topspielmacherin Iveta Luzumova bis hin zum jüngsten Abgang der dänischen Verstärkung Mette Gravholt. Doch das sind alles Angelegenheiten, für die Hadzimuhamedovic als Sportlicher Leiter weiterhin zuständig sein wird.

Allein an Pech beim Personal liegen die Probleme beim Bundesligadrittletzten ohnehin nicht. Das muss auch Hadzimuhamedovic und Härdtner bewusst sein. Und frischer Wind nach einer langen Trainer-Ära könnte durchaus die sportlichen Leistungen der Neckarsulmer Mannschaft beflügeln. Dass der alte Coach seiner Nachfolgerin dafür mit einer sauberen Übergabe möglichst wenig Zusatzarbeit hinterlassen möchte, ist verständlich. Die Planungen für die nächste Saison sind schließlich in vollem Gange und Emir Hadzimuhamedovic tief involviert. Er war lange Baumeister der Sport-Union − natürlich will er sein Team da nicht im Regen stehen lassen. Bleibt Hadzimuhamedovic allerdings zu lange im Hintergrund, wird ein frischer Wind in Neckarsulm nie richtig blasen können.

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