Bundesliga-Frauen: Vorsichtig, aber ohne Angst in die Schlangengrube

Handball  Mit dem kommenden Gegner, den Bad Wildungen Vipers, haben die Handballerinnen der Sport-Union noch eine Rechnung offen. Insbesondere in der Defensive muss sich die NSU aber steigern.

Von Dominik Knobloch

Vorsichtig, aber ohne Angst in die Schlangengrube

Lena Hoffmann und Neckarsulm wollen sich nicht stoppen lassen. Foto: Berger

 

Als die Sport-Union zuletzt die Schlusssirene durch die Ense-Halle schrillen hörte, war es ein lähmendes Geräusch. Schon vorher standen die Neckarsulmerinnen damals Ende April völlig neben sich. Satte 42 Mal hatte es im NSU-Kasten eingeschlagen. Das bittere 34:42 bei den Vipers in Bad Wildungen sollte zum Spiel mit den meisten Gegentoren der vergangenen Bundesliga-Saison werden.

Nicht nur deshalb drängt Neckarsulm bei der Neuauflage des Duells mit deutlich verstärkten Vipern an diesem Samstag (19 Uhr) auf Auswärtspunkte. Und steigt ohne Angst in die Schlangengrube.

Selbstvertrauen getankt

Mit dem jüngsten 26:24 gegen die HSG Bensheim/Auerbach und damit dem zweiten Sieg in Folge hat die Sport-Union nach vier Auftakt-Niederlagen in die Spur gefunden, wichtiges Selbstvertrauen getankt. Wirklich feuerfest wirkte die Neckarsulmer Abwehr gegen die Flames aber nicht immer. Die starke Leistung von Ann-Cathrin Giegerich im NSU-Tor täuschte etwas über die defensiven Defizite hinweg.

"Schon in den ersten zehn Minuten haben wir sechs Hütten bekommen − das war natürlich zu viel. Die Abwehr können wir sicher besser spielen", sagte Spielmacherin Maike Daniels. Noch mehr zeigen möchte auch Mette Gravholt. Zwar bewies der Zugang schon beim Debüt seine Stärke, aber "richtig schön war es spielerisch noch nicht".

Umstellung in der Abwehr

"Wenn sie im Mittelblock steht, muss sich unsere Abwehr auch etwas umstellen", sagt Trainer Emir Hadzimuhamedovic, der von Gravholts Leistung durchaus angetan war. Gut gefallen haben dem Neckarsulmer Trainer in der vergangenen Saison auch die Vipers: "Sie haben zwar schlecht begonnen, aber dann ein paar super Ergebnisse abgeliefert. Auch wenn sie diese spielerische Leichtigkeit bis jetzt noch nicht wiedergefunden haben, ist Vorsicht angesagt."

Qualitativ bewertet Hadzimuhamedovic die Bad Wildunger Mannschaft als "ganz klar besser besetzt" als es Nellingen und Bensheim waren: "Die sind gegen uns der Favorit und haben einen Kader, mit dem sie ins mittlere Drittel der Liga gehören." NSU-Kapitänin Hannah Breitinger warnt vor dem Tabellenachten: "Bad Wildungen ist ein guter Gegner − noch dazu zu Hause. Das wird nicht einfach."

Leicht tut sich auch Melanie Herrmann mit dem Comeback nicht. Die Neckarsulmer Keeperin wird nach einer Gehirnerschütterung wohl weiterhin fehlen. "Sie hat nach wie vor Probleme mit Schwindelgefühlen, kann im Moment auch nicht arbeiten. Meli war schon bei einigen Spezialisten, so etwas verläuft sehr individuell. Schwer abzusehen, wann sie wieder fit ist", sagt Hadzimuhamedovic. Da trifft es sich gut, dass Giegerich wieder zu alter Topform zu finden scheint.

Spielerinnen sind am kränkeln

Weniger gut war, dass sie die Woche über mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Auch Selina Kalmbach und Maike Daniels kränkelten. "Es ist deutlich kälter geworden, da erwischt es die Leute überall. Das ist auch bei uns nicht anders", will Hadzimuhamedovic sich nicht zu sehr beklagen. Ausfallen wird ihm wohl ohnehin nur Herrmann. Das Erkältungs-Trio sollte bis Samstag wieder genug Luft haben.

Der Neckarsulmer Trainer ist sich sicher: "Wir werden genug Körner haben. Ich hoffe, dass wir den Trend der letzten Spiele mitnehmen können." Dann dürfte sich sein Team nach der Schlusssirene diesmal ganz gelöst geben.