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Große Show auf der großen Bühne Weltliga
Von Florian Huber
Volleyball - Es musste ja so enden dieses Wochenende von Stuttgart. Alles andere hätte nicht zur perfekten Dramaturgie der Rückkehr auf die Bühne Volleyball-Weltliga gepasst. Jedes große Schauspiel lebt schließlich von seiner Hauptfigur. Also ist es Georg Grozer gestern Nachmittag vorbehalten, mit einem Schmetterball für den 3:0-Sieg der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft über Polen zu sorgen. Hammer-Schorsch haben sie seinen Vater in den 90er Jahren getauft. Der Sohn kommt nicht weniger schlaggewaltig daher. "Das liegt wohl in den Genen", sagt Grozer Junior, der Mann des Wochenendes.
Königsklasse
Sieben lange Jahre hat Deutschland nicht mehr in der Königsklasse der Nationalmannschaften mitwirken dürfen. Am Wochenende fand nun das lang ersehnte Comeback in der Liga der besten 16 Volleyball-Nationen der Welt statt. Und dabei wartete in der Stuttgarter Porsche-Arena auch noch ausgerechnet Polen auf die Mannschaft von Bundestrainer Raul Lozano. Polen ist Europameister. Lozano hat die Polen bis vor zwei Jahren trainiert. "Es ist wie im normalen Leben", sagte der Argentinier vor dem ersten Auftritt auf der Weltligabühne: "Der erste Schultag, die erste Freundin, das erste Kind, das erste Mal Weltliga − das ist nie ganz einfach." Seine Mannschaft sah das anders: Sie machte es sich einfach. Mit zwei Weltklasse-Leistungen beim 3:1 (23:25, 25:18, 25:22, 26:24) am Samstagabend und dem 3:0 (28:26, 30:28, 25:18) am Sonntagnachmittag entzauberte sie den großen Favoriten Polen. "Ich brauche jetzt erst einmal ein Bier, um das hier zu verarbeiten", sagte der Argentinier und entschwebte dem Pressesaal der Porsche-Arena. "Ich bin sprachlos, wie souverän wir gespielt haben", sagte Mannschaftskapitän Björn Andrae.
Am Samstag noch war das deutsche Volleyball eine Ein-Mann-Show. Aufschlag, Annahme. Rumms: Punkt Grozer. Unglaubliche 32 Punkte machte der Diagonalangreifer da. "Klar war das ein besonderes Spiel für mich, da knallt man sich besonders rein", sagte Grozer. Seine Frau ist Polin, zur neuen Saison wechselt Grozer vom VfB Friedrichshafen nach Rzeszow. Das liegt, natürlich, in Polen.
Am Sonntag, beim zweiten deutschen Streich war die Mannschaft der Star. Grozer gelangen nur noch acht Punkte. "Volleyball ist ein Mannschaftssport. Ich muss nicht immer der Alleinunterhalter sein", sagte Grozer. Andere springen in die Bresche, wenn der Star schwächelt.
Vorbild Polen
Zehn Länderspiele haben die deutschen Männer nun in Folge gewonnen. Sie haben sich souverän für die EM 2012 qualifiziert, in drei Monaten darf das Team bei der Weltmeisterschaft in Italien ran. Die deutschen Männer sind im Aufwind − und orientieren sich dabei an den Polen.
"Vor vier, fünf Jahren war Volleyball eine kleine Nummer in Polen. Da hat sich niemand für den Sport interessiert", sagte Georg Grozer. Jetzt ist Polen Europameister und Weltranglistenfünfter. Bei Ligaspielen kommen im Schnitt rund 5000 Zuschauer, der größte Fernsehsender überträgt die wichtigen Spiele live. "Davon sind wir hier in Deutschland leider weit weg", sagte Grozer: "Dass unsere Spiele im Fernsehen nur ein Sender zeigt, den niemand kennt, sagt doch alles."
Der Digitalsender Anixe HD überträgt die Weltliga-Auftritte live. "Ich hoffe ich erlebe es mal noch, dass wir mehr Öffentlichkeit bekommen", sagte Grozer dann noch. Das Nischendasein nervt gewaltig. Die Auswahl des Deutschen Volleyballverbandes hätte mehr als eine jeweils nur halbvolle Stuttgarter Arena und insgesamt 5500 Zuschauer verdient gehabt. "Wenn wir weiter so erfolgreich spielen, dann sind die Hallen irgendwann von alleine voll", sagte Grozer.
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