Britsch lässt lieber die Fäuste sprechen

Von unserem Redakteur Stephan Sonntag

Britsch lässt lieber die Fäuste sprechen
Statt markiger Sprüche, setzt Dominik Britsch lieber auf volle Konzentration. Sein Ziel, den WM-Titel, hat er klar im Blick.Foto: dpa 

Boxen - Dominik Britsch ist ein gelassener und geduldiger Typ. Seit 40 Minuten sitzt er auf dem Podium bei der Pressekonferenz in einem Stuttgarter Kino, ohne etwas zu sagen. Zwei Plätze weiter versucht Marco Huck krampfhaft und vergeblich, seinen Gegner Alexander Powetkin mit dummen Sprüchen aus der Reserve zu locken. Dazwischen sitzt Britschs und Hucks Trainer Ulli Wegner, der die Inszenierung mit Sätzen wie "Es wird provoziert, damit auch viele Zuschauer in die Halle kommen" als ebensolche enttarnt.

Um 11.41 Uhr richtet Sauerland-Pressesprecher Frank Bleydorn die erste und einzige Frage an Britsch: "Wie schätzt du deinen Gegner Roberto Santos ein?" Der 24-Jährige antwortet gewohnt respektvoll: "Es gibt auf diesem Level keine leichten Gegner mehr. Er ist ein kompletter Boxer, aber ich habe die besten Leistungswerte meiner Karriere und freue mich auf den Kampf." Ab 11.43 Uhr geht die Huck-Chose weiter.

Kein Sprücheklopfer

Britsch scheint das gar nicht so Unrecht. Fürs Sprücheklopfen ist der Unterländer Sportler des Jahres nicht zuständig. Er lässt am liebsten seine Fäuste sprechen. So ist es auch für diesen Samstag vorgesehen, wenn er in der Porsche-Arena um den vakaten EU-Titel kämpft. "Ich will klar gewinnen und den Kampf von Beginn an bestimmen", sagt Britsch. Keine Hehl macht er daraus, dass er seinen IBF-Intercontinentaltitel nicht freiwillig niedergelegt hat. "Ich hatte kein Mitspracherecht und wäre bereit gewesen, meinen Gürtel in der Türkei gegen Benjamin Simon zu verteidigen."

Auf seinem Weg zum großen Ziel WM-Titel sei das aber kein Hindernis. Der EU-Titel habe eine ähnliche Wertigkeit. Immerhin ist der vorherige Titelträger Grzegorz Proska. Der noch ungeschlagene Pole hat sich im Oktober 2011 gegen den Neubrandenburger Sebastian Sylvester den Europameistertitel geholt und ist heißer Anwärter auf einen WM-Gürtel. Kein Wunder, dass auch Jürgen Britsch, Dominiks Vater und Heimtrainer, das bevorstehende Duell begrüßt: "Ein Sieg gegen Santos bringt Dominik deutlich weiter, als wenn er Simon geschlagen hätte, der in der unabhängigen Weltrangliste weit hinter Dominik rangiert."

Santos wird in der Tat dort auf Rang 104 geführt, während Simon die Nummer 133 ist. Zum Vergleich: Britsch steht in dieser Liste aller Verbände auf 29, Weltmeister Felix Sturm auf Rang vier. Letztgenannter ist das Kaliber, mit dem Britsch sich zukünftig messen will. Vielleicht mit einem WM-Fight noch in diesem Jahr? "Glauben tue ich nichts mehr, ich hoffe es aber."

Nur die Wahrheit

Große Hoffnungen setzt auch Wegner in seinen Lieblingsschüler. "Die Weltspitze in seiner Gewichtsklasse ist hart. Ich erwarte viel von Dominik, aber diese Messlatte legt er auch für sich selbst an." Dass er nach den letzten Kämpfen immer voll des Lobes für Britsch war, weist das 69-jährige Box-Urgestein zurück: "Ich sage nur die Wahrheit."

Einziger Kritikpunkt an seinem Schützling bleiben weiterhin die Haare. Deswegen muss Dominik Britsch morgen auf Geheiß des Trainers noch zum Friseur. Die Vorgabe lautet: Kein Haar darf mehr die Sicht beeinträchtigen. "Er hat schon angekündigt, für alle Fälle eine Schere mit in die Ringecke zu nehmen", sagt Britsch. Auch in Sachen Frisur wird er zunehmend gelassener.

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