Bei beiden kann es jederzeit zu Ende sein

Bei beiden kann es jederzeit zu Ende sein

Sportlerwahl - Sie sind die prägenden Unterländer Sportler der vergangenen Jahre: Carina Bär und Dominik Britsch. Die Ruderin und der Boxer waren vergangene Woche auf Kurzbesuch in der Heimat − beim Fest des Sports wurde die 22-Jährige zum vierten Mal als Unterländer Sportlerin des Jahres ausgezeichnet, der 24-Jährige sogar zum fünften Mal. Unsere Redakteure Florian Huber und Lars Müller-Appenzeller haben sich mit den beiden ausgezeichneten Sportlern unterhalten.

Frau Bär, haben Sie einmal geboxt?

Carina Bär: Nein, nicht richtig.

Aber Sie, Herr Britsch, saßen schon einmal in einem Ruderboot, oder?

Dominik Britsch: Nein, noch nie.

Dennoch die Frage: Was glauben Sie, ist die anstrengendere Sportart?

Britsch: Beides auf hohem Niveau ist anstrengend, beides wird gut in die Arme gehen, oder? Bär: Oh ja. Britsch: Bist du eigentlich nie im Leistungszentrum in Kienbaum? Bär: Nein, wir Ruderer sind am Hohenzollern-Kanal, direkt am Flughafen Berlin/Tegel. Aber die Kanuten sind ab und zu in Kienbaum.

Verfolgen Sie die Wettkämpfe des anderen?

Bär: Manchmal, in der Zeitung. Wir haben Leute im Team, die wissen alles, über alle Sportarten. Ich bin da eher so mittel. Britsch: Ich halte mich auf dem Laufenden, über die Zeitung, wenn ich zu Hause in Neckarsulm bin. Ich bin grundsätzlich sportinteressiert, aber ich schaue auch nicht alles, nicht einmal beim Boxen.

In Ihren Sportarten gibt es im Jahr nur wenige Wettkämpfe. Welche Eigenschaften sind da gefragt?

Britsch: Disziplin, eiserne Disziplin. Und der Wille, alleine hart zu trainieren. Bär: Das kann ich so übernehmen. Bei beiden Sportarten ist es wichtig, es auf den Punkt zu bringen. Es kann jederzeit zu Ende sein. Bei mir sind es auch nur etwa sieben Minuten, in denen alles raus muss, was man hat.

Wie viele Stunden trainieren Sie in einer normalen Trainingswoche?

Bär: So zwischen 18 und 30.

Britsch: Hm. Bär: Es sind bei dir eher weniger, oder? Boxen ist ja auch keine Ausdauersportart. Britsch: Das nicht, nein. Aber wir haben zwei Trainingseinheiten pro Tag und kommen da schon auch knapp hin.

Das Sportjahr 2012 ist auf die Olympischen Spiele fokussiert. Sind Sie auf Olympia neidisch, Herr Britsch?

Britsch: Amateurboxen und Profiboxen sind zwei völlig verschiedene Sportarten. Ich habe es selber entschieden, früh zu den Profis zu wechseln. Viele sagen, es sei für einen Sportler das Größte, zu den Spielen zu gehen. Das glaube ich, ich wäre schon mal gerne dabei gewesen. Aber ich schaue mir dieses richtig geile Event nun eben im Fernsehen an.

Sind Sie, Frau Bär, womöglich neidisch, dass Dominik seinen Sport als Profi betreiben kann?

Bär: Im Moment bin ich ja quasi auch Profi, habe an der Uni zwei Urlaubssemester genommen, und muss sagen: Man wird nicht automatisch besser, wenn man mehr Zeit hat. Während des Studiums habe ich fast genauso viel trainiert und stelle fest: Wenn man in den Zwischenphasen mehr schläft, ist man erholter, aber man ist auch nicht mehr ganz so fokussiert. Die Unterschiede zwischen den Pausen und dem Training sind einfach größer. Wirst du denn dein ganzes Leben vom Boxen leben können? Britsch: Das kommt darauf an, was noch alles kommt. Grundsätzlich ist es schon traurig, was manche Sportler verdienen. Ich habe kürzlich mit einem deutschen Bobteam geredet. Die bekommen 15 000 Euro, wenn sie Olympiasieger werden. Bei den Italienern gibt es dafür 250 000 Euro. Und die Russen müssen nie wieder etwas machen, wenn sie Olympiasieger sind. Wir alle sind Leistungssportler auf hohem Niveau. Bei uns Boxern ist der Vorteil, dass das Fernsehen dahinter steht, viel Geld fließt. Ich finde, Deutschland ist so reich, da sollten die Amateursportler mehr Geld bekommen, mehr Förderung − wobei Amateur da ja das falsche Wort ist. Bär: Ich glaube übrigens nicht, dass man bei uns Ruderern 15 000 Euro für einen Olympiasieg bekommt.

Würden Sie, Herr Britsch, gerne öfter auch etwas für den Kopf tun, so wie Carina mit ihrem Medizinstudium?

Britsch: Ich hätte ja die Möglichkeit zu studieren, habe mich aber dagegen entschieden, weil ich alles ins Boxen einbringen will. Wenn ich mal einen Kampf verlieren würde, würde ich die Niederlage sicher auch darauf zurückführen. Vielleicht studiere ich später, Sportmanagement würde mich interessieren.

Der eine ist viel in Berlin, die andere studiert in Dortmund: Muss man die Heimatregion verlassen, um ein Spitzensportler werden zu können?

Bär: Ja. Weil es für mich als Ruderin in Baden-Württemberg nicht viele Stützpunkte gibt. Für mich käme nur Ulm in Frage, aber da sind nur wenige Leute. Und die braucht man in einer guten Trainingsgruppe, um auch gut trainieren zu können. Britsch: Bei mir ist das ein bisschen anders, weil mein Vater als Trainer hier zu Hause dahintersteht. Natürlich braucht man gute Trainingspartner, die ich bis zu einem gewissen Grad auch in Neckarsulm hatte. Irgendwann muss man sich dann mit dem Schritt nach außen helfen. Ich bin aber etwa die Hälfte des Jahres hier zum Trainieren, jetzt gerade waren es zwei Monate. Ich kam nach Berlin und hatte meine bisher besten Testergebnisse.

Wie oft sind Sie zu Hause, Frau Bär?

Bär: Sehr wenig. Vielleicht alle sechs Wochen mal zwei, drei Tage.

Wie nehmen Sie Heimat mit nach Dortmund?

Bär: (lacht) Ich habe beispielsweise von unseren Hühnern Fotos über dem Küchentisch hängen. Natürlich stehen auch Fotos von meiner Familie in der Wohnung. Ansonsten rufe ich zumindest jeden Sonntag zu Hause an. Meine Eltern waren kürzlich das erste Mal einen Sonntag bei mir in Dortmund. Sie fanden’s gut. Britsch: Nur alle sechs Wochen nach Hause, das wäre nichts für mich. Ich telefoniere täglich mit meinen Eltern, bin schon sehr mit meinem Zuhause verbunden. Das Gute bei mir ist, dass ich zwischen den Kämpfen immer wieder längere Zeit nach Hause kann. Hier kann ich einfach gut abschalten.

 




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