Bestzeiten beim EBM-Papst-Marathon: Kay-Uwe Müller gewinnt

Von Marc Schmerbeck und Henry Doll

   


Kamerastandpunkt: FORCHTENBERG


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Kamerastandpunkt: ERNSBACH


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Niedernhall - Ein kurzes Durchatmen genügt. Kay-Uwe Müller vom TSV Ilshofen wirkt noch frisch. Nur wenige Schweißtropfen haben sich auf seiner Stirn angesammelt. Dabei hat er gerade erst einen Marathon hinter sich. Nach 2:37,19 Stunden ist Müller als Erster durchs Ziel in Niedernhall gelaufen. Mit mehr als drei Minuten Vorsprung vor Andreas Schur (2:40,35). Bei den Frauen gewann Dorothea Frey (Leonberg/3:00,57) den 14. EBM-Papst Marathon mit noch größerem Abstand. Katrin Schwarzmaier folgte erste 32 Minuten später (3:32,59 Stunden).

„Das war einwandfrei“, sagte Kay-Uwe Müller. Er hatte sich eine Zeit um zwei Stunden und 40 Minuten vorgenommen. Jetzt steigerte er seine Bestzeit um rund drei Minuten. Müller: „Es ist super gelaufen, ich bin direkt aus dem Training gekommen.“ Am Wochenende wird er nun in Berlin starten. „Da werde ich sicher drei Stunden benötigen. Das ist ein ganz lockerer Trainingslauf. Da geht es mir eher darum, die Atmosphäre aufzusaugen“, sagt Müller.

Bis zu Kilometer 32 hielt der zweitplatzierte Schur mit, dann sah er nur noch Müllers Sohlen. „Ich war brotfertig“, sagt Schur – ihm ist die Anstrengung nach 42 Kilometer eher anzusehen. Müller konzentriert sich noch auf den Bottwartal-Marathon. Er soll für den 29-jährigen Ilshofener der Saisonhöhepunkt sein. Das nächste Ziel ist es dann, unter 2:30 Stunden ins Ziel zu laufen. „Aber ich bin eigentlich keiner, der auf Zeit läuft“, sagt Kay-Uwe Müller. Irgendwann würde er gerne mal einen Triathlon versuchen, aber da sei die Schwimmstrecke als erste Disziplin noch das große Problem. Beim Marathon in Hohenlohe fühlt sich Kay-Uwe Müller richtig wohl. „Es ist zwar ein kleiner Lauf, aber dafür sehr familiär. Es ist toll, wie man angefeuert wird. Ich habe zum Schluss die Unterstützung richtig aufgesaugt.“

Längere Pause


Bemerkenswert war die Leistung von Dorothea Frey. Nach eine Operation ihrer entzündeten Schleimbeutel begann sie erst im Juni wieder mit dem Lauftraining, vorher hielt sie sich mit Aquajogging und Radfahren fit. Trotzdem dominierte sie, lief ein einsames Rennen. „Anfangs habe ich mich einer Gruppe Männer angeschlossen“, sagt die Leonbergerin, „die ist irgendwann auseinander gebrochen.“ So lief sie alleine und war ganz auf sich gestellt. Frey: „Ich bin super zufrieden und froh, dass mein Fuß gehalten hat. Ich wollte hier nur sehen, ob es wieder geht.“ Und so lief sie ohne Druck.

Halbmarathon

Auf der Halbmarathon-Strecke war Christian Wachter (Michelfeld/1:16,34 Stunden) der Schnellste, gefolgt von Manuel Fößel (1:16,55 Stunden) und dem Heilbronner Christian Wiesenmayer. Anne Zanzinger (Crailsheim) war mit 1:22,18 Stunden die schnellste Frau über 21 Kilometer. Ihr folgten Branka Hajek (Ilshofen) und Gabi Schirmer (Sulzdorf).

Zehn-Kilometer-Lauf

Den Zehn-Kilometer-Lauf gewann der Brackenheimer Marco Lack (33:41) vor Johannes Weingärtner (Schwäbisch Hall/33,54). Theresa Kett (Crailsheim/39:39) war die erste Frau, die nach zehn Kilometern über die Ziellinie lief, gefolgt von der Heddesheimerin Birgit Meier (42:51).

Auch mancher Freizeitläufer erreichte am Sonntag Hochform: „Ich kann es gar nicht glauben“, sagte Siegbert Breitenbach, als er seine selbst gestoppte Zeit von einer Stunde und 31 Minuten nach dem Halbmarathon über 21,1 Kilometer ablas. So schnell war er noch nie gewesen. „Beste Bedingungen. Besser geht es nicht“, sagte der routinierte Halbmarathonläufer des VfR Gommersdorf, der auf vielen Strecken der Region zuhause ist.

Vielseitiges Programm

Von angenehmen Temperaturen profitierten beim 14. EBM-Papst-Marathon am Wochenende in Niedernhall auch die Anbieter des Rahmenprogramms. Während die Läuferinnen und Läufer im sportlichen Wettbewerb nach individuellen oder objektiven Bestzeiten lechzten, ging es auf der Festwiese bei der Sporthalle ungezwungen und heiter zu. Aber mancher suchte auch hier die sportliche Herausforderung: So zum Beispiel Jens Uhlmann aus Öhringen. Der 30-Jährige erklomm – sicher angeleint – die 25 Meter hohe Kletterwand aus Seilen. „Herrliche Aussicht“, kommentierte er den Ausflug in die Höhe. Angst oder Schwindelgefühle? „Ich nicht“, sagte er lachend. Am Tag zuvor hatte der Sporttherapeut den Nordic-Walking-Lauf mitgemacht. Ansonsten sei er hier, um das Rahmenprogramm zu genießen, verriet er.

„Ich habe eben oben angerufen und gesagt, er soll ihn erst morgen schicken“, scherzte Kai Halter vom Marathon-Organisationsteam des Veranstalters EBM-Papst über Wettervorhersagen, die Regen angekündigt hatten. Zufrieden ließ er den Blick über die vollbesetzten Bänke gleiten. Da war es gerade mal 11.30 Uhr. Um diese Zeit hatte auch der Stuttgarter Landespolizeipräsident Konrad Jelden den zehn-Kilometer-Lauf hinter sich gebracht. 2010 wird der heute 63-Jährige letztmals als Landespolizeipräsident in Niedernhall starten. Danach aber vielleicht ohne offizielle Funktion, einfach nur so. Schließlich ist er gewissermaßen ein Kochertalläufer der ersten Stunde, und der Polizeisportverein Hohenlohekreis um Alfred Krämer ist Mitveranstalter. Bis auf eine Ausnahme hat Konrad Jelden alle EBM-Papst-Läufe mitgemacht.

Das Glück der Erde


Besucher Walter Hofmann aus Ailringen drehte auf einem Segway seine Runden. Segways sind jene zweirädrigen Gefährte, auf denen der stehende Fahrer durch Gewichtsverlagerung die Richtung vorgibt. Soeben hatte Walter Hofmann den zehn-Kilometer-Lauf absolviert. Genügend Kraft für das Segway-Abenteuer auf der Festwiese hatte er schon noch. „Bissle gewöhnungsbedürftig“, fand er. Gleich nebenan lag das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Beim Sponsorenlauf drehten Kinder und Jugendliche fleißig auf einem Hindernisparcours ihre Runden. Wie in jedem Jahr steuerte der Veranstalter für jede Runde einen Geldbetrag für einen guten Zweck bei. Diesmal wurde die Geschwister-Scholl-Schule in Künzelsau-Taläcker unterstützt.

Im Festzelt genossen die vielen hundert Besucher und die insgesamt rund 3000 Sportler ein Programm, das von Sambaklängen über Jazztanz bis zum brasilianischen Kampftanz und Fechten reichte. Der EBM-Papst-Marathon jedenfalls soll, so EBM-Papst Gesellschafter und Präsident der Industrie- und Handelskammer, Thomas Philippiak, eine Zukunft haben: „Im Moment spricht überhaupt nichts dagegen“, versprach er.
 
Alle Ergebnisse unter www.ebmpapst-marathon.de


   



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