Heilbronner Falken: Die Nerven spielen nicht mit

Eishockey  Gegen Angstgegner Bad Tölz führen die Heilbronner Falken schon mit 3:0 - verlieren eine skurrile Partie aber noch mit 3:4.

Von Martin Peter

Der EC Bad Tölz bleibt der Angstgegner der Heilbronner Falken: In einer am Ende fast absurden Partie verlor die Mannschaft von Trainer Gerhard Unterluggauer am Freitagabend zu Hause gegen den Tabellenvorletzten der DEL 2 mit 3:4 (1:0, 2:2, 0:1). Die Niederlage hatten sich die Falken allerdings selber zuzuschreiben: Sie hatten mit 3:0 geführt, doch dann spielten ihnen die eigenen Nerven einen Streich. Es war ein Rückfall in alte Zeiten.

Bereits in den ersten Minuten der Partie wurde deutlich, warum Bad Tölz der Angstgegner der Falken ist: Heilbronn tat sich wahnsinnig schwer im Spielaufbau. Die Scheibe lief lange nicht so flüssig, wie zuletzt bei den spielerisch beeindruckenden Siegen gegen die Meister der Vorjahre. Zwar legten die Gastgeber die nötige Arbeitsmoral an den Tag. Allein: Tölz ließ die um eine Sturmreihe geschrumpften Falken – der angeschlagene Justin Maylan sowie die gesperrten Brad Ross und Mark Heatley mussten zusehen – kaum zur Entfaltung kommen. Egal, wo der Puck war – die lauffreudigen Tölzer waren nah. Vor allem das Forechecking machte den Falken zu schaffen und führte zu brenzligen Situationen vor dem Tor von Marcel Melichercik. Groß eingreifen musste der Slowake aber nicht: Dafür waren die Löwen dann doch  nicht gut genug. 

Gutes Überzahlspiel der Falken

Obwohl bei den Falken vieles Stückwerk war, waren die Fans bester Stimmung und trieben ihr Team an. Und das zahlte sich aus. Nach nur 16 Sekunden mit einem Mann mehr auf dem Eis, hämmerte Torjäger Brandon Alderson den Puck zum 1:0 ins Tor. Der neue Keeper der Löwen, Mikko Rämö, hatte bei seiner Premiere keine Chance. Das Überzahlspiel der Falken war aber auch vom Feinsten: Mit einer fixen Passstafette hatte Heilbronn sich den Gegner zurechtgelegt und den Weg zum 18. Saisontreffer von Alderson frei gemacht. Die Löwen schockte das nur bedingt: Sie blieben lauffreudig – strahlten aber zu wenig Gefahr aus. Die Falken waren vor allem dann gefährlich, wenn sie sich aus der Umklammerung befreiten und schnell nach vorne spielten. Auch das zweite Powerplay konnte sich sehen lassen – ein weiteres Tor blieb ihnen aber verwehrt. Noch.

Denn im zweiten Abschnitt waren gerade einmal 35 Sekunden abgelaufen, da lag der Puck im Tor: Nach einem Schuss von Jordan Heywood verwerte Kyle Helms den Rebound. Das gab Heilbronn mehr Sicherheit, auch eine Unterzahlsituation überstanden die Gastgeber schadlos. In eigener Überzahl spielten die Falken dann Katz und Maus mit dem Gegner: Dreimal passten sich Jonas Schlenker und Richard Gelke die Scheibe von der Mitte nach außen zu – beim dritten Mal donnerte Gelke die Scheibe dann in den Winkel -3:0 (25.). Das hätte es fast sein könne. Doch die Falken wurden schludrig – und fingen sich bald das 1:3. 

Zwei Starfminuten

Hatten sie in der 26. Minute noch Glück, dass die Unparteiischen den Treffer wegen Torraumabseits nicht gaben, war es drei Minuten später doch geschehen: Manuel Edfelder traf nach einem Querpass zum 1:3. Es hatte sich angedeutet. Das Spiel war zu dem Zeitpunkt völlig zerfahren. Und das kam den Gästen entgegen: Drei Minuten vor Drittelende erhielt Patrick Kurz wegen hohen Stocks mit Verletzungsfolge zwei plus zwei Strafminuten – eine Einladung für die Gäste. Chris St. Jacques traf prompt zum 2:3 (39.). Zu allem Überfluss blieben die Falken, bei denen Dennis Palka nicht mehr mitwirkte, in Unterzahl und nahmen noch 52 Sekunden Strafe ins letzte Drittel mit.

Und das war gar nicht gut: Genau 28 Sekunden benötigten die Löwen, um zum 3:3 auszugleichen – alles war wieder offen. Die Falken waren verwundbar, leisteten sich im eigenen Drittel viele Fehler und hatten zunächst Glück, das 3:3 zu halten. Doch auch das Glück war bald aufgebraucht. Nach einer fragwürdigen Strafe gegen Marcus Götz erzielte Bad Tölz in Überzahl die Führung –St. Jacques hatte die Partie endgültig gedreht. Die Falken kamen trotz wütender Angriffe nicht mehr zurück. Selbst als Marcel Melichercik zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis ging, gelang nichts mehr. So nahm der Abend ein bitteres Ende.

Tor: Melichercik, Frensel. Abwehr: Heywood – Kurz, Götz – Martens, Kronthaler – Eckl, Mapes. Angriff: Bernhardt – Helms – Alderson, Kirch – Gelke – Palka, Lavallée – Schlenker – Fink. Tore: 1:0 (7.) Brandon Alderson, 2:0 (21.) Kyle Helms, 3:0 (25.) Richard Gelke, 3:1 (29.) Manuel Edfelder, 3:2 (39.) Chris St. Jacques, 3:3 (41.) Klaus Kathan. 3:4 (49.) Chris St. Jacques. Strafminuten: 20/10. Schiedsrichter: Nicole Hertrich, Alexander Singer. Zuschauer: 1468.

 

 

Rechtzeitig zum Spiel bei den Falken haben die Tölzer die Freigabe für ihren neuen Torhüter erhalten – und der ist in der Liga kein Unbekannter. Am Freitag kehrte Mikko Rämö in die DEL 2 zurück. Der 37-Jährige hatte bis im vergangenen Jahr noch das Tor der Roten Teufel aus Bad Nauheim gehütet und soll nun die Löwen im Kampf um den Klassenerhalt unterstützen. Der Finne unterschrieb bei den Oberbayern einen Vertrag bis zum Saisonende. „Wir haben einen Torhüter mit Erfahrung gesucht“, sagt Löwen-Geschäftsführer Christian Donbeck. Er weiß: „In den bisherigen Playoffs ist er stets zu Höchstform aufgelaufen.“ Gegen die Falken war eine Höchstform nicht nötig.