Falken: Spielen können sie, nur mit dem treffen hapert es

Eishockey  Die Heilbronner Falken scheitern immer wieder an ihrer notorischen Abschlussschwäche und an den Defiziten der Special Teams.

Von Stephan Sonntag

Spielen können sie, nur mit dem treffen hapert es

Kyle Helms (links) braucht im Schnitt zwölf Schüsse für ein Tor. Damit liegt er genau im wenig effektiven Schnitt des gesamten Teams. Foto: Andreas Veigel

Eine Powerplay-Erfolgsquote von 33,3 Prozent − das wäre Platz eins in der DEL2. Diesen Wert wiesen die Heilbronner Falken am Sonntag in der Partie gegen die Ravensburg Towerstars auf. Eines von drei Überzahlspielen wurde zu einem Treffer genutzt. Sicher ein Grund dafür, dass Trainer Gerhard Unterluggauer "gute Ansätze" gesehen hatte.

In Wirklichkeit sind die Falken aber nicht Erster, sondern Letzter in dieser Statistik. Nach 23 Spielen und 110 Überzahlsituationen stehen magere 13 Treffer zu Buche. Erfolgsquote 11,8 Prozent − ein unterirdischer Wert, selbst für Heilbronner Verhältnisse. Denn das Powerplay ist schon in den vergangenen zehn Jahren eine Dauerbaustelle der Falken gewesen. Sozusagen der BER Heilbronns. Immer wieder gab es Lichtblicke, wie in der Hauptrunde 16/17, als die Falken mit 22,2 Prozent Erfolgsquote hinter Bietigheim die Nummer zwei der Liga waren.

Schwächen im Penaltykilling

Doch dieser Wert scheint ein Intermezzo zu bleiben, zumal auch da schon die Schwächen im Penaltykilling augenfällig waren. Vergangene Saison waren die Falken hier mit 77 Prozent das zweitschlechteste Team, aktuell sind sie es ebenfalls, allerdings mit einer Erfolgsquote von nur 72,3 Prozent.

Gegen Ravensburg lautete die Quote am Sonntag null Prozent. Beide Überzahlspiele der Towerstars führten zu Gegentoren. "Natürlich gehören unsere Special Teams weiter verbessert", sagte Unterluggauer am Sonntag. "Ravensburg hat eine läuferisch sehr starke Mannschaft. Wenn ihre Topspieler auf dem Eis sind, ist es schwer, ein Gegentor zu vermeiden."

Selten in Unterzahl 

Keine Frage. Mit den 22,2 Prozent aus der Falken-Vorsaison sind die Towerstars zurzeit das zweitgefährlichste Überzahlteam der Liga. Sicher war auch ein wenig Glück dabei, der zweite Überzahltreffer fiel drei Sekunden vor Ablauf der Zwei-Minuten-Strafe gegen die Falken. Mit lediglich zwei Strafen gegen Tim Bernhardt und Brandon Alderson in 60 Minuten hatten die Heilbronner eigentlich die nötige Disziplin an den Tag gelegt, um möglichst selten in Unterzahl zu geraten. Allerdings gingen den Strafen keine Abwehraktionen voraus, sondern die Fouls fielen in die Kategorie unnötig.

"Wenn der Gegner nicht mit der Bahre vom Eis getragen werden muss, dann war es auch keine Strafzeit", plauderte Unterluggauer die Weisheit einer seiner früheren Trainer aus. Soll auf drastische Weise heißen: Wenn du schon auf die Bank musst, dann sollte es es sich wenigstens gelohnt haben. Ein Gegentor wurde verhindert, oder ein aggressiver Weckruf an die Teamkollegen abgegeben. Nichts davon war am Sonntag der Fall.

Ende des Falken-Aufschwungs?

Deutet das Ein-Punkte-Wochenende das bevorstehende Ende des Falken-Aufschwungs im November an? Nein. Die Mannschaft hat sich klar erkennbar stabilisiert, scheitert aber noch zu oft an der Effektivität. Die Falken geben die fünftmeisten Schüsse in der Liga ab (33,4 pro Spiel). Aber nur jeder zwölfte landet im Netz − zusammen mit Riessersee ist Heilbronn damit Schlusslicht in der DEL2. "Wir brauchen für jedes Tor vier Schüsse mehr als die Topteams", hielt Unterluggauer am Sonntag fest.

Das Problem ist also erkannt. Und immerhin wagt man in Heilbronn inzwischen wieder den Vergleich mit der Ligaspitze und orientiert sich nicht nach hinten.