Eine Entscheidung für die Familie

Eishockey  Trauer bei den Heilbronner Falken: Gerhard Unterluggauer verlässt den Verein zum Saisonende und wird Trainer bei seinem Heimatverein in Villach. "Es ist eine Entscheidung für die Familie und nicht gegen Heilbronn gewesen", sagte der Trainer. Wie Spieler, Fans und Manager darauf reagieren:

Von unserem Redakteur Martin Peter

Eine Entscheidung für die Familie

Gerhard Unterluggauer legte bei den Falken eine steile Karriere hin. Am Saisonende geht er zurück in seine Heimat Villach.

Foto: Andreas Veigel

 

Es brauchte gar nicht viele Worte, es hatte sich abgezeichnet. Deswegen fiel die Mitteilung, die die Geschäftsstelle Donnerstagvormittag in Umlauf brachte, kurz und knapp aus: "Der Cheftrainer Gerhard Unterluggauer verlässt die Heilbronner Falken zum Ende der Saison." Der Österreicher erlag damit dem Ruf der Heimat: Das Angebot der Villacher Adler, bei denen er eine Legende ist, wollte er am Ende nicht ausschlagen.

Bei seinem Heimatverein wird der 41-Jährige nächste Saison Trainer und Sportdirektor und kehrt damit auch zurück zu seiner Familie. Die Nachricht löste bei den Falken, bei denen es unter dem Österreicher erstmals seit Jahren wieder bergauf ging, Trauer aus. Trotzallem sei der Schritt absolut nachvollziehbar.

Das sagt der Trainer: "Gott sei Dank ist es raus", sagt Gerhard Unterluggauer. Er habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. "Es war ein langes hin und her." Die Zusammenarbeit mit Falken-Manager Atilla Eren sei überragend, selbst als es zu Saisonbeginn nicht lief, habe er keinen Druck bekommen. Auch ein Grund dafür, warum die Falken nun auf Rang acht stehen. "Das Umfeld in Heilbronn ist top", urteilt der Österreicher, der vor einem Jahr als Hospitant zu den Falken kam und dann einen kometenhaften Aufstieg hinlegte - ein paar Wochen später war er Cheftrainer. Die Strukturen seien inzwischen gefestigt. "Ich glaube, dass Heilbronn in nächsten Jahren immer weiter nach oben kommt", ist er sicher. Seine Entscheidung sei eine für die Familie und nicht gegen Heilbronn, sagt Unterluggauer.

Das sagt der Manager: "Ich bedauere die Entscheidung sehr", sagt Atilla Eren, der bei den Falken gerne mehr Kontinuität reingebracht hätte. Gleichwohl ist er froh, dass diese Entscheidung jetzt schon gefallen ist. "Das gibt uns Zeit, einen Nachfolger zu finden." Die Falken würden nach einem jungen Trainer Ausschau halten, der in die Philosophie und nach Heilbronn passt. Zwar sei Unterluggauer ein Schlüssel dafür, dass es wieder bergauf gehe. "Entscheidend aber ist, dass wir die Rahmenbedingungen geschaffen haben, um hier auch erfolgreich zu arbeiten." Insofern sei er zuversichtlich, einen guten Nachfolger zu finden, versichert Eren. Auch will er Unterluggauer bei der Suche einbinden.

Das sagen Spieler: Kevin Lavallée war nicht überrascht. "Wir kannten die Gerüchte ja", sagt der Stürmer. Die Entscheidung sei zwar schade, aber der 32-Jährige sieht es professionell. "So ist das Business, das ist Eishockey." Zu dem Geschäft gehöre in den meisten Fällen, dass Spieler und Trainer von ihren Familien getrennt leben müssten. "Jeder würde diese Chance nutzen, wieder näher bei der Familie zu leben und arbeiten." Er arbeite gerne mit Unterluggauer zusammen, da er für ihn vom Alter und wegen der vor nicht allzu langer Zeit beendeten Karriere ein "Spielercoach" sei. "Er hat genauso wie wir Spieler Fehler gemacht - und daraus gelernt."

Das sagen Fans: "Ich bin richtig traurig, das ist ein großer Verlust", sagt Lena Lochmann. "Ich hatte seit langem mal wieder das Gefühl, dass da ein Trainer ist, der einen Plan hat und weiß, was er tut." Die Mannschaft und der Aufschwung würden die Handschrift des Österreichers tragen. "Er kommt frisch vom aktiven Sport und steht für ein modernes Eishockey", sagt die 35-Jährige, die schon mehr als ihr halben Leben lang Falken-Fan ist. Dass Unterluggauer geht, könne sie aber nachvollziehen. "Familie schlägt Heilbronn." Sorgen macht sie sich - wie viele andere Fans - darum, wie es weitergehen soll. In der Vergangenheit hätten die Verantwortlichen kein glückliches Händchen bei der Trainerwahl gehabt. "Ich hoffe, dass es nicht wieder schief geht." Dafür setzt sie auch auf Unterluggauer: "Vielleicht hat er ja einen Tipp, wer sein Nachfolger werden kann."

Das sagt Villach: Für die Adler war Unterluggauer erste Wahl: "Wir durchleben schwere Zeiten - sportlich wie finanziell", erklärt Andreas Schwab, der den Verein momentan als Berater begleitet und am Unterluggauer-Deal beteiligt war. "Wir wollen künftig wieder mehr auf junge, einheimische Spieler setzen. Und da ist Gerhard einer, der den Weg zu hundert Prozent mitgeht." Die Adler planen langfristig, haben Unterluggauer mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Als sportlicher Leiter soll er eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen. "Wir wollen sehen, dass die Spieler sich für Blau-weiß zerreißen - so wie es Gerhard in seinem Leben gemacht hat", sagt Schwab. Die Verpflichtung eines relativ unerfahrenen Trainers sieht er nicht als Risiko - im Gegenteil. "Junge Trainer machen vieles intensiver und gewissenhafter als die, die das schon 20 Jahre machen."

 

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