Der große Team-Check der Falken

Heilbronn  Wo hat das Heilbronner Eishockeyteam seine Stärken, wo gibt es Schwächen? Vor dem Start in die DEL2-Saison analysieren wir Kader und Vorbereitung der Falken.

Von Stephan Sonntag

Der große Team-Check der Falken

Wohin geht die Reise für Kyle Helms (rechts) und die Heilbronner Falken in dieser Saison? Fast alle Anzeichen sprechen dafür, dass dieses Mal nicht um den Klassenerhalt gezittert werden muss. Foto: Andreas Veigel

Nach vier Jahren Abstiegskampf sollen bei den Heilbronner Falken wieder erfolgreichere Zeiten anbrechen. Heute um 19.30 Uhr beginnt die DEL-2-Saison 2017/2018 mit einem Auswärtsspiel in Bad Nauheim.

In der vergangenen Saison gelang der Klassenerhalt in den Playdowns durch eine 4:2-Serie gegen Rosenheim immerhin schon mal auf sportlichem Wege. In den beiden Spielzeiten zuvor hatten die eigentlich abgestiegenen Heilbronner jeweils von Lizenzentzügen anderer Teams profitiert und nur auf diese Weise die Klasse gehalten.

Der nicht ganz ernstgemeinte Vorschlag eines Facebook-Users, doch in das neue Logo des Clubs einen Grünen Tisch aufzunehmen, war insofern nicht völlig abwegig. Die Vereinsführung hat sich dann aber - nicht überraschend - dagegen entschieden.

 

Zugänge und Abgänge:

Zentrale Personalie war Goalie Andrew Hare. Der Klassenerhalts-Garant der Vorsaison konnte nach langen Verhandlungen gehalten werden. Wie wertvoll er ist, bewies der Kanadier einmal mehr beim letzten Testspiel gegen Meister Frankfurt.

Im Vergleich zu den Vorjahren gab es bei den Falken deutlich weniger Fluktuation. Immerhin ein Stamm von elf Spielern hat auch vergangene Saison bereits das Falken-Trikot getragen. Darunter der Abwehrchef Jordan Heywood und der neue Kapitän Kevin Lavallée. Nicht zu halten war Top-Scorer Rylan Schwartz, der seine Chance beim Kooperationspartner Bremerhaven in der DEL sucht.

Nach den vier Testspielen in der Saisonvorbereitung lassen sich die neuen Importspieler noch nicht endgültig bewerten. Der wuchtige Brandon Alderson und der technisch versierte Justin Maylan haben ihr Potenzial aber angedeutet.

 

Stärken und Schwächen:

Offensiv haben die Falken in den vier Testbegegnungen ein Feuerwerk nach dem anderen abgebrannt. Bei Puckgewinnen wird im höchsten Tempo umgeschaltet und schnörkellos der Abschluss gesucht. Das könnte eine Stärke des Teams werden.

Mit Hare und Heywood wurden zwei Defensivstützen gehalten, doch an der Verteidigung muss noch hart gearbeitet werden, um nicht wieder die zweitschlechteste Defensive der Liga zu stellen.

Ein Problem könnte der dünn besetzte Kader werden. Nach wie vor wird ein deutscher Center für die zweite Reihe gesucht. Bisher gab der Markt nichts her, so dass mit den vorhandenen Spielern improvisiert werden muss. Manager Atilla Eren hat bestätigt, dass eine finanzielle Reserve für eine gute Neuverpflichtung zurückgehalten worden sei. Gut möglich, dass die dann aber im Saisonverlauf gebraucht wird, um mögliche verletzungsbedingte Lücken schnell zu schließen.

 

Der Trainer und das Umfeld:

In den vergangenen vier Jahren wurde in jeder Saison mindestens einmal der Trainer ausgetauscht. Der menschlich unzugängliche Igor Pawlow stammte noch aus der Erbmasse von Erens Vorgänger Ernst Rupp. Der aufbrausende und kritikunfähige Mannix Wolf war für eine Oberliga-Saison geholt worden, besaß aber kein DEL-2-Format. Fabian Dahlem war zwar auch eine Notverpflichtung mitten in der Saison, von seinen Fähigkeiten war Eren aber überzeugt. Ein Grund, warum der Manager trotz fehlender Erfolge, Ergebnisse und Entwicklung sehr lange am jetzigen Torwarttrainer des ERC Ingolstadt festgehalten hat.

Mit dem Trainer-Novizen Gerhard Unterluggauer hofft Manager Atilla Eren nun, den richtigen Mann für die kommenden Jahre gefunden zu haben. Nach der Entlassung von Dahlem vom Hospitanten zum Cheftrainer aufgestiegen, sicherte der 41-jährige Österreicher den Klassenerhalt und bekam einen Anschlussvertrag. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern will er das Team nicht in ein starres taktisches Konzept zwängen, sondern Freiräume zulassen, in denen die Spieler ihre Kreativität ausleben sollen.

Doch auch für Unterluggauer gilt: Erfolgserlebnisse müssen schnell her. Das Umfeld ist nach den Seuchenjahren ungeduldig und hungrig auf eine echte Trendwende.

 

Fazit und Saisonprognose:

Die Voraussetzungen für ein Ende des Abstiegskampfs stimmen größtenteils. Durch den Verkauf der Gesellschafteranteile an drei Investoren um Atilla Eren hatte der Club bei der Kaderplanung deutlich größeren finanziellen Spielraum als in den Vorjahren. Der frühzeitige Klassenerhalt schaffte zudem Planungssicherheit. Der junge Coach scheint zudem einen guten Draht zu den Spielern zu haben.

Den Heilbronner Falken gelingt zumindest der Sprung in die Pre-Playoffs.