DEL-2-Clubs starten dritten Anlauf für eine Verzahnung mit der DEL

Eishockey  Sportliche Perspektive statt goldene Ananas: Zum dritten Mal starten die DEL-2-Clubs einen Anlauf für eine Verzahnung mit der DEL. Die Heilbronner Falken sind wohl mit an Bord.

Von Stephan Sonntag

Sportliche Perspektive statt goldene Ananas

Nach tristen Jahren des Abstiegskampfs läuft es in dieser Saison deutlich besser bei den Heilbronner Falken. Das Erreichen der DEL-2-Playoffs ist realistisch.

Das Thema DEL-Aufstieg erscheint dagegen eher wie eine ferne Utopie − oder noch schlimmer − als Unterländer Größenwahn. Trotzdem ist Falken-Manager Atilla Eren gerade jetzt gefordert, das Thema anzugehen. Denn die Zeit drängt.

Vor gut einer Woche haben die 14 DEL-2-Clubs einstimmig entschieden, einen dritten Anlauf in Sachen Auf- und Abstiegsregelung mit der DEL zu unternehmen. Erst Mitte Januar war der zweite Versuch vor dem Deutschen Sportschiedsgericht in Köln gescheitert. Aus formal-juristischen Gründen: Eine Bürgschaft der Bietigheim Steelers in Höhe von 15.000 Euro entsprach nicht den vertraglichen Regelungen.

Auf den ersten Blick eine Lappalie, schließlich mussten sechs DEL-2-Clubs mit jeweils 816.000 Euro an Bürgschaften ihre DEL-Tauglichkeit nachweisen. "Die Tür nach oben soll wohl einfach nicht aufgehen", mutmaßte Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch im Fachmagazin "Eishockey News".

Der dritte Anlauf muss bis zum 31. März startklar sein

Sein Pendant in Heilbronn beschwichtigt: "Rein faktisch ist das Urteil korrekt. Es gibt einige DEL-Clubs, die gegen eine Verzahnung der Ligen sind. Die hätten gegen einen anderslautenden Beschluss klagen können", sagt Eren. Und wahrscheinlich Recht bekommen. Selbst DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch fasst sich an die eigene Nase: "Wir dürfen nicht auf den Goodwill der anderen Seite hoffen. Wenn ein Komma vor dem Leer fehlt, dann wird auch der dritte Anlauf scheitern."

Dieser dritte − und laut der Vereinbarungen letzte Anlauf − muss bis 31. März startklar sein. Allerdings ist das bisherige DEL-2-Sextett gesprengt. Die Starbulls Rosenheim sind in die Oberliga abgestiegen. Es muss also ein neuer sechster Club her, der die Anforderungen für einen DEL-Aufstieg erfüllt.

Hier kommen die Falken ins Spiel, die schon beim ersten Anlauf im Jahr 2016 mit an Bord waren. Damals waren die 816.000 Euro "Eintrittsgeld" die große Hürde und konnten von den Falken nur durch Mithilfe der anderen fünf Clubs gestellt werden. Aktuell ist die finanzielle Seite nicht ausschlaggebend. "Wir brauchen eine sechste DEL-taugliche Spielstätte", sagt Eren.

Mit Stadtwerken im Gespräch

Die Eisstadien Frankfurt, Garmisch, Kassel, Bietigheim und Dresden erfüllen die Voraussetzungen komplett oder größtenteils. Vorgabe ist der 7000-Punkte-Plan. Der klingt komplizierter als er ist. Jeder Stehplatz bedeutet einen Punkt, jeder Sitz- oder Vip-Platz wird mit zwei Punkten gewertet. Eine für Fernsehproduktionen taugliche Videowand bringt 1000 Punkte. "Die Kolbenschmidt-Arena kommt bei dieser Wertung auf 6200 Punkte", erklärt Eren.

Das würde reichen, denn für den DEL-Aufsteiger ist die Grenze für die erste Saison auf 6000 Punkte gesenkt worden. Ab der zweiten Saison müsste die 7000-Punkte-Marke aber übersprungen werden.

"Wir sind gerade mit den Stadtwerken in Gesprächen, ob dies durch Umbaumaßnahmen erreicht werden könnte", sagt Eren. Rein theoretisch natürlich. Trotzdem wichtig. "Wir haben einige potente Sponsoren, für die eine DEL-Perspektive definitiv wichtig ist", sagt Eren. Der ewige Kampf um die goldene Ananas, sprich die DEL-2-Meisterschaft, ist für große Geldgeber auf Dauer uninteressant.

Ebenso wie für die Zuschauer. "In allen anderen Sportarten sind Auf- und Abstiege üblich und garantieren spannende Entscheidungen. Es ist doch unverständlich, dass es das im Eishockey nicht gibt", sagt Eren.