Weltmeisterschaft in wohl bekannter Fremde

Handball  Auch ohne DHB-Frauen wartet der Vorrunden-Spielort Bietigheim in der Gruppe B mit vielen deutschen Fußnoten und Titelverteidiger Norwegen auf.

Von Dominik Knobloch

Weltmeisterschaft in wohl bekannter Fremde

Lenkte zwölf Jahre lang die Geschicke beim Bundesligisten Oldenburg: Polens Nationaltrainer Leszek Krowicki.

Foto: Archiv/Veigel

 

WM-Heimspiele in Deutschland? Ja, das wäre für den polnischen Nationalcoach durchaus möglich gewesen. Zwar ist Leszek Krowicki in Danzig geboren, die handballerische Heimat des 60-Jährigen lag aber lange Jahre in Oldenburg.

Von 2005 bis Sommer 2017 betreute er dort die Bundesliga-Frauen des VfL, ehe der Erfolgstrainer um die vorzeitige Vertragsauflösung beim wirtschaftlich wankenden Club bat. Der Stadt ist Krowicki bis heute treu geblieben. In den Tagen vor der Weltmeisterschaft war er allerdings nur wenig zu Hause, sondern vorwiegend auf Reisen.

Eine Rückkehr an die alte Oldenburger Wirkungsstätte mit dem polnischen Nationalteam wird es bei der Frauen-WM in Deutschland nicht geben. Denn Krowicki und sein Team starten in Gruppe B. Und die tritt in Bietigheim-Bissingen an. Auftaktgegner der Polinnen ist an diesem Samstag um 18 Uhr Schweden. "In Oldenburg hätten wir sicherlich noch ein bisschen mehr Unterstützung gehabt", sagt Leszek Krowicki mit Blick auf die vier Vorrundenschauplätze schmunzelnd: "Wir sind aber so oder so glücklich, dass wir bei der WM dabei sind - ob die für uns in Bietigheim, Oldenburg oder sonst wo stattfindet, spielt letztendlich keine große Rolle."

Mit der Ex-Neckarsulmerin Emilia Galinska

Und auch zu Bietgheim gibt es eine polnische Fußnote - seit dieser Saison steht dort mit Karolina Kudlacz-Gloc schließlich eine von Kowickis Superstars in den Reihen des Bundesligisten. "Ich denken schon, dass es für sie etwas Besonderes wird. Sie ist vor kurzem Mama geworden und wir sind froh, dass sie rechtzeitig zurück ist. Sie ist eine meiner stärksten Spielerinnen", sagt Leszek Krowicki.

Auch die Ex-Neckarsulmerin und Neu-Dortmunderin Emilia Galinska und das Metzinger Toptalent Monika Kobylinska gehen für deutsche Clubs aufs Parkett, "seit kurzem vertreten zwei polnische Spielerinnen auch französische Vereine - alle anderen spielen in Polen".

Starke Tschechinnen

Bekannte Bundesliga-Gesichter zeigen sich aber auch beim Blick auf die anderen Teams der Gruppe B. Der polnische Auftaktgegner Schweden kommt zwar ohne Spielerinnen aus dem deutschen Oberhaus aus. Doch am Samstag ab 14 Uhr zeigen sich im Duell Tschechien gegen Außenseiter Argentinien vier Bundesligaspielerinnen beim Favoriten. Die Göppingerin Michaela Hrbkova war vergangene Saison Toptorschützin des Klassements, und auch Kollegin Petra Adámková zeigt am Frisch-Auf-Kreis starke Leistungen.

Auf dem zweiten Platz der aktuellen Bundesliga-Topscorerliste steht mit Iveta Luzumova ebenfalls eine Tschechin. Nicht nur beim Thüringer HC ist sie Kopf des Teams. Die Oldenburgerin Veronika Malá komplettiert das deutsch-tschechische Quartett.

Und auch wenn im späten Spiel des ersten Turniertages in der Bietigheimer EgeTrans-Arena ab 20.30 Uhr mit der Thüringerin Szimonetta Planéta bei Ungarn nur eine aus der Bundesliga auf der Platte steht, dürfte das Duell gegen die Norwegerinnen interessant werden. Denn der amtierende Welt- und Europameister ist der große Titelanwärter. "Alle sind stark. Auch wenn man natürlich denkt, dass Norwegen der Hauptfavorit ist", sagt Leszek Krowicki.

Krowicki drückt Deutschland die Daumen

Krowicki traut auch Deutschland viel zu: " Das Ziel mindestens ins Halbfinale zu kommen, halte ich für realistisch." Auch aus persönlichen Gründen wird er die Auftritte der DHB-Sieben interessiert verfolgen. Ein besonderer Blick gilt dabei Angie Geschke, die er beim VfL zehn Jahre lang trainiert hat: "Grundsätzlich kenne ich alle deutschen Spielerinnen sehr gut. Natürlich drückt man da auch indirekt die Daumen."

Dass viele Fans am Spielfeldrand die Daumen drücken, daran hat Krowicki keine Zweifel: "Ich glaube, wir können mit großem Interesse rechnen. Vor allem bei den deutschen Spielen. Ich rechne mit einer perfekten WM." Und mit dem ein oder anderen Fan aus Polen: "Wir werden sicherlich von vielen Fans begleitet." Völlig egal, ob in Oldenburg oder Bietigheim.