Ein Derby der zwei Geschwindigkeiten

Handball  Starkes Schozach-Bottwartal deklassiert Nordheimerinnen zum Württembergliga-Auftakt und unterstreicht seine Aufstiegsambitionen

Von unserem Redakteur Dominik Knobloch

Ein Derby der zwei Geschwindigkeiten

Nach oben muss es gehen: Für Coach Michael Stettner und seine SG Schozach-Bottwartal zählt in dieser Saison nur der Aufstieg.

Foto: Archiv/Veigel

 

Sie weiß, wie ein Durchmarsch geht. Aus der fünften bis in die 2. Bundesliga ist Tanja Brunn schon einmal gespurtet. Von 2010 bis 2015, damals mit der Neckarsulmer Sport-Union. Jetzt ist die Kreisläuferin zurück in der Württembergliga. Und wieder könnte sie ein kleiner Teil einer großen Aufstiegsgeschichte werden.

Lächelnd steht Brunn am Samstagabend im Trikot der SG Schozach-Bottwartal auf der Tribüne der Nordheimer Halle. Neben sich die Familie. Nicht nur der deutliche 34:15 (16:6)-Auftakterfolg gegen den TSV hat bei der 23-Jährigen für gute Laune gesorgt: "Es macht einfach Spaß hier mit der Truppe Handball zu spielen." Die vergangenen zwei Runden tat Tanja Brunn das noch für den Drittligisten TV Möglingen. Weil es sie zum Studieren nach Rotterdam zog, musste Brunn handballerisch aber kürzer treten. An den Heimatwochenenden in Neckarsulm wollte sie nach Möglichkeit allerdings trotzdem ganz gerne spielen. SG-Coach Michael Stettner griff zu. Sein letzter Transfer-Coup für die Saison 2017/18, aber bei weitem nicht sein erster.

Neben Tanja Brunn steht im ersten Ligaspiel mit Sina Klenk, Tabea Kraft und Alisa Berger weitere hochklassige Verstärkung auf dem Feld. Anna Asmuth hatte Stettner schon vergangene Runde aus Möglingen unter den Langhans gelotst. Und was nicht wirklich nach einem Württemberliga-Kader klingt, spielt auch nicht wirklich wie einer. Es ist zum Großteil eine Partie der zwei Geschwindigkeiten, bei dem das junge Nordheimer Team schnell ins Stolpern gerät. Besonders Herrenberg-Zugang Berger führt im SG-Rückraum famos Regie. Die einstige Zweitliga-Spielerin tritt erstklassig auf. "Das passt alles schon recht gut zusammen", sagt der SG-Königstransfer nach dem Debüt auf der halblinken Königsposition: "Nordheim ist aber auch noch sehr jung. Es werden schon noch Mannschaften kommen, wo es enger wird."

Etwas deutlichere Dominanz hätte Stettner allerdings auch in Nordheim gerne gesehen: "Ein 1:5 nach elf Minuten hört sich gut an, war nach dem Spielverlauf bis dahin aber eindeutig zu wenig." Generell hat der ehrgeizige Coach "nie das Gefühl, während eines Spiels wirklich zu 100 Prozent zufrieden zu sein. Umso besser das Spiel meiner Mannschaft ist, umso mehr gehe ich automatisch ins Detail und versuche an den Feinheiten zu arbeiten". Gegen den TSV konnte sich der Coach voll auf die Feinheiten konzentrieren, denn schon zur Pause war die Partie mit 16:6 vorentschieden. Auch im zweiten Durchgang stellten die Nordheimerinnen keine Gefahr für die klar überlegenen Gäste dar.

"Es war natürlich schon ein gutes Spiel, vor allem zu dem Zeitpunkt − nämlich zum Saisonstart. Kompliment an das Team", sagt Michael Stettner und spricht dies auch neben dem Feld für seine SG aus: "Es ist ja kein Geheimnis, dass sich viele Spielerinnen schon länger kennen und auch außerhalb der Halle gut verstehen. Die reden dann natürlich auch privat über Handball miteinander. Und da scheint es den meisten bei uns wohl ziemlich gut zu gefallen."

Einen Hehl macht der SG-Trainer auch aus den Aufstiegsambitionen nicht. "Natürlich wissen wir, dass wir für alle anderen der Favorit sind und streiten das auch nicht ab. Uns ist klar, dass wir richtig Qualität und seit dieser Saison auch endlich Quantität im Kader haben", sagt er. Von einem Durchmarsch will Michael Stettner allerdings noch nichts wissen: "Wir möchten jetzt in dieser Saison erfolgreich sein. Die Mannschaft ist noch immer dabei, sich zu finden. Mit den nächsten Jahren beschäftigen wir uns überhaupt nicht und das wäre auch der falsche Weg."

TSV Nordheim: Gerullis, Friedrich − Eberling, Betz (3), Kübler (2), Scharf, Welz (3), Plieninger, Jesser (2), Herre (3), Gassner (2/2).

SG Schozach-Bottwartal: Szota, Kraft, Antl − Bieser (1), Berger (6/2), Guyomard (4), T. Müller (3), Kreh (1), Brunn (2), S. Müller (1), Klenk (3), Spieth (3), Asmuth (10/5).

Siebenmeter: TSV 2/2, SG 7/7; Zeitstrafen: 2/2.