Böse Überraschung auf der Bönnigheimer Trainerbank

Handball  Für Bönnigheim steht eine turbulente Vorweihnachtszeit an. Gesucht sind bei den Oberliga-Frauen nicht Geschenke, sondern ein neues Trainergespann. Das Duo Koch und Naumann hört aus beruflichen Gründen auf.

Von Dominik Knobloch

Böse Überraschung auf der Bönnigheimer Trainerbank

Benjamin Koch nimmt sich eine handballerische Auszeit. Er ist beruflich stärker gefordert und wird seinem sportlichen Anspruch nicht mehr gerecht.

Foto: Andreas Veigel

 

Aus beruflichen Gründen haben sowohl Chefcoach Benjamin Koch, als auch sein Co Tobias Naumann um eine Auflösung ihres Vertrages gebeten. Der gesundheitlich angeschlagene Koch fehlt bereits an diese Samstag um 18 Uhr beim Tabellenschlusslicht TV Brombach, ehe das Duo im letzten Heimspiel der Hinrunde gegen St. Leon/Reilingen gemeinsam seinen Abschied gibt.

Schmerzliche Trennung für beide Seiten

Schon vor ein, zwei Monaten hatten sie den Verein darüber informiert, dass zur Rückrunde ein Ende ihres Engagements anstehen könnte. Es ist für beide Seiten eine schmerzliche Trennung. Immerwieder hatte Benjamin Koch davon geschwärmt, die Bönnigheimerinnen langfristig in die 3. Liga führen zu wollen. "Das war mein Projekt", sagt er, "aber entweder mache ich etwas richtig, oder gar nicht." Denn um seinen eigenen Ansprüchen an des Traineramt gerecht zu werden, fehlte dem Industriekaufmann zuletzt oft die Zeit: "Ich bin bei meiner Arbeit in Remshalden gerade sehr eingespannt und konnte nicht mehr so oft da sein."

Co-Trainer Tobias Naumann kann nicht einspringen. Nach dem Abschluss seines Studiums steht auch bei ihm erstmal der Beruf im Vordergrund. "Das ist natürlich keine schöne Situation", sagt TSV-Abteilungsleiter Christof Weis, betont aber, dass die Trennung "absolut im Guten" sei. Bei der Nachfolger-Suche stehe man am Anfang: "Wir sind am Sondieren. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber schwierig."

Aufstieg ist abgehakt

Schwer tun sich auch die Spielerinnen. Die Trainersituation hat sich merklich auf die Leistungen ausgewirkt. Bereits seit drei Partien warten die Bönnigheimerinnen auf einen Sieg. Die jüngsten beiden Begegnungen gingen verloren. Auf Rang fünf ist der TSV damit abgerutscht, dabei hatte zumindest das Trainergespann immer wieder betont, ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitreden zu wollen. Doch künftigen müssen andere den Ton führen. Christof Weis ging das Thema 3. Liga schon nach seiner Wahl im April vorsichtig an: "Der Aufstieg war nie ein Thema. Der Schritt in Liga drei ist ein gewaltiger. Wir sind in einer Findungsphase und müssen schauen, wie wir uns ausrichten." Und mit Blick auf Drittliga-Ambitionen sieht der Abteilungsleiter vor allem auch die starke Nachbarschaft: "Wir liegen zwischen Bietigheim und Neckarsulm. Das macht es nicht leichter." Auch der Abschied von Koch und Naumann dürfte die sportlichen Ansprüche etwas nach unten schrauben. Das Duo zum Bleiben überreden, kam für Weis trotzdem nicht in Frage: "Reisende soll man nicht aufhalten. Und von halbherzig haben wir nichts."

Klar ist für Benjamin Koch die Ausgangslage in Brombach: "Wir müssen gewinnen. Auch wenn ich nicht dabei sein kann, habe ich volles Vertrauen in Tobi und die Mannschaft." Wie oft er nach seinem Abschied bei Bönnigheimer Spielen noch als Zuschauer dabei sein wird, kann der scheidende Coach noch nicht sagen: "Ein, zwei Spiele werde ich mir schon anschauen. Aber jedes Wochenende bin ich sicher nicht in der Halle - da wäre der Herzschmerz zu groß." Wie schnell sein Herz wieder nach Handball schreit, vermag Koch ebenfalls nicht zu bewerten: "Jetzt steht erstmal ein hartes Jahr an. Aber wer weiß, wie schnell es mir in der Freizeit, die bleibt, langweilig wird."

Plan B für die Rückrunde

Während die Saison läuft einen Trainer zu finden, ist nicht einfach. Das wissen sie auch in Bönnigheim. "Es ist eine große Aufgabe und Fakt ist, dass wir einen guten Trainer brauchen. Eine B-Lizenz ist in der 4. Liga fast erforderlich - es muss schon passen", will TSV-Abteilungsleiter Christof Weis keine überhastete Lösung: "Natürlich brauchen wir deshalb auch einen Plan B." Fände sich bis zur Rückrunde kein Nachfolger, "müssen wir es im Verein auf die Beine stellen, da gibt es erfahrene Köpfe". Kandidatin für ein Spielertrainer-Modell wäre beispielsweise Carolin Krieg.