Schwere Zeiten für Cacau

Von Sebastian Stiekel, dpa

Schwere Zeiten für Cacau
In der Vorrunde trug Cacau − wie hier im Spiel in Mainz − die Kapitänsbinde. Nun wurde er nicht mehr in den Stuttgarter Mannschaftsrat gewählt.Foto: Archiv/dpa 

Fussball - Zum Abschluss seines Trainingslagers gönnte sich der VfB Stuttgart noch einen ausgiebigen Mannschaftsabend. "Wir haben uns ein schönes türkisches Restaurant ausgesucht, das haben sich die Spieler verdient", meinte Trainer Bruno Labbadia. Zwei Stürmer des Fußball-Bundesligisten werden dazu allerdings nicht die beste Laune mitgebracht haben: Denn Cacau wurde in Belek aus dem Mannschaftsrat gewählt und Pawel Pogrebnjak weiß spätestens seit den zehn Tagen in der Türkei, dass er beim VfB keine Zukunft mehr hat.

"Cacau entmachtet": Das konnte der Nationalspieler am Freitag nach der Rückkehr der Mannschaft in Deutschland über sich lesen. Beide Stuttgarter Blätter wählten diese Überschrift. Noch in der Hinrunde hatte der 30-Jährige den verletzten Matthieu Delpierre als Kapitän vertreten, jetzt wählten die VfB-Profis an seiner Stelle lieber Martin Harnik und Georg Niedermeier in den Mannschaftsrat um den neuen Spielführer Serdar Tasci. Cacau reagierte "etwas enttäuscht". Über sein Standing innerhalb des Teams sagt diese Wahl viel aus.

Beruhigen

Labbadia versuchte das Thema etwas zu beruhigen, als er noch in Belek erklärte: "Cacau ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, auch ohne ein Amt. Es spricht für ihn, dass er sich als Vize-Kapitän sehr für die Belange der Mannschaft engagiert hat. Nun kann er sich wieder mehr auf sich und seine Leistung konzentrieren. Ich bin mir sicher, dass er eine gute Rückrunde spielen und danach zur EM fahren wird."

Immerhin hat Cacau noch eine große sportliche Bedeutung für den VfB. Für Pogrebnjak gilt das nicht mehr. Labbadia betonte zwar, dass der Verein dem Russen noch nicht endgültig mitgeteilt habe, ob man den im Juni auslaufenden Vertrag verlängern wolle oder nicht. Aber die Zeichen sind eindeutig und stehen auf Trennung. Die Stuttgarter wollen noch in der Winterpause einen neuen Stürmer holen, Favorit bleibt Srdjan Lakic vom VfL Wolfsburg. Pogrebnjak selbst hat in Belek die Chance verpasst, sich noch einmal aufzudrängen. Im Testspiel gegen Packtakor Taschkent (4:0) kam er nur 16 Minuten zum Einsatz. "Im Moment ist er hinten dran", sagte Labbadia unmissverständlich. "Ich habe mir das im Trainingslager in Ruhe angesehen und werde jetzt auch noch einmal in Ruhe ein Gespräch mit ihm führen."

Sofortiger Wechsel?

Es spricht einiges dafür, dass der 28-Jährige noch im Januar geht. Für die Stuttgarter wäre es die letzte Gelegenheit, noch etwas Geld für den kantigen Stürmer zu bekommen. "Darüber haben wir ganz offen gesprochen", bestätigte Pogrebnjaks Berater Oliver Wendt . Auch der Russe hat ein starkes Argument, zu wechseln: "Er will zur EM, das ist sein oberstes Ziel", sagte Labbadia. Dafür braucht er Spielpraxis. Es gibt in dieser Sache nur ein Problem: Bislang liegt für Pogrebnjak kein Angebot vor. Der 1,88 Meter große Angreifer kam 2009 für 4,8 Millionen Euro von Zenit St. Petersburg zum VfB. Er war teuer, hatte seinen alten Verein 2008 zum UEFA-Cup-Sieg geschossen und sollte beim VfB Mario Gomez beerben. All das hat in Stuttgart eine Erwartungshaltung geweckt, die er nie erfüllte. 15 Tore in 67 Bundesliga-Spielen waren bislang jedenfalls zu wenig für die Ansprüche des Vereins und der Fans.



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