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Die große Jugend-Sünde
Von unserem Redakteur Eric Schmidt
Fußball - Auf den Trikots ist alles ganz einfach. "SG Eschelbach" steht auf den Hemden, in denen die A-Junioren des Vereins in der Fußball-Kreisliga Sinsheim auf Torejagd gehen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. In der Tabelle wird die Spielgemeinschaft offiziell als SG Eschelbach/Eichtersheim/Waldangelloch geführt − was aus Platzgründen in den Ergebnisspalten ebenfalls nur unvollständig ist. Denn: "Wir haben auch Michelfelder dabei. Wir sind eine richtig große Spielgemeinschaft", sagt Trainer Ralf Marx. Der richtige Name lautet also SG Eschelbach/Eichtersheim/Waldangelloch/Michelfeld − ein wortgewordener Tausendfüßler.
Die Namen werden immer länger, die Mannschaften immer weniger: Die Nachwuchsarbeit im Fußball-kreis Sinsheim steckt in einer tiefen Krise. Sieht man von den Eliteeinheiten des Proficlubs 1899 Hoffenheim ab, gibt es im Kreis gerade mal zwölf A-Junioren-Teams, die in dieser Saison im Einsatz sind. Am weitesten hat es der VfB Eppingen gebracht, der seine Elf in der Verbandsliga Nordbaden ins Rennen schickt. Auf Kooperationen vertrauen die SG Lobbach/Reichartshausen, die SG Zuzenhausen/Rohrbach und die SG Helmstadt/Waibstadt/Neckarbischofsheim, die in der Landesliga angreifen.
Unterzahl
Im Kreis Sinsheim selbst gibt es nur noch eine A-Junioren-Staffel − die Kreisliga, mit acht Mannschaften. "Es ein Armutszeugnis. Wir haben 48 Vereine, aber nur zwölf von ihnen stellen A-Junioren", sagt Holger Funk und meint: "Da fragt man sich schon: Wo soll in Zukunft die Masse herkommen? Wo wollen die Vereine ihre Spieler für ihre Herrenmannschaften herkriegen? Alle einkaufen?"
Holger Funk ist A-Junioren-Trainer beim TSV Obergimpern, der zusammen mit dem SV Grombach die SG Obergimpern/Grombach bildet. A-Jugendliche, sie sind das Vitamin A eines Vereins, in Gimpern weiß man das nur allzu gut. Ende der 90er-Jahre stand der Club auf der Kippe − auch deshalb, weil man die Nachwuchsarbeit sträflich vernachlässigt hatte. "Wir waren am Abgrund. Aber wir haben daraus gelernt", erklärt Funk.
Alexander Binder, der heutige Vorsitzende, und Helge Binder haben damals den Verein von Grund auf neu strukturiert − und aus der Not eine Jugend gemacht. Heute ist der TSV bestens aufgestellt. Von den Abc-Schützen der Bambini bis zu den E-, F-, D-, C-, B- und A-Jugendlichen gibt es den Fußball in Gimpern in allen Altersklassen − ähnlich wie beim VfB Eppingen, der sich zu einer Art Jugendstützpunkt entwickelt hat.
Klar, dass die Nachwuchsarbeit mit sehr viel Aufwand verbunden ist. "Du brauchst Trainer, die das durchziehen und nicht nur zwei, drei Jahre machen. Und du brauchst Zugpferde, die vorne rausgehen. Das alles muss wachsen", erklärt Funk und ergänzt: "Viele wissen gar nicht, dass eine Jugendabteilung ein eigenständiger Verein im Verein ist." Beim TSV werden 120 Kinder und Jugendliche von 21 Trainern betreut, man hat Jugendleiter, Jugendschriftführer und Beisitzer.
Die meisten Vereine scheuen diese Mühen. Hinzu kommen die typischen Zeitphänomene. Geburtenschwache Jahrgänge. Eine Playstation-Generation, die Fußball lieber am Computer spielt als auf dem Rasen. Wer einmal nicht spielt oder ausgewechselt wird, hat plötzlich "null Bock". In einem besonders kritischen Alter sind die B-Jugendlichen. Viele bleiben nicht mehr am Ball − und verschwinden. Ohne Spielgemeinschaften geht deshalb so gut wie gar nichts mehr. So spielt die SG Eschelbach/Eichtersheim/Waldangelloch/Michelfeld gegen die SG Helmstadt/Waibstadt/Neckarbischofsheim.
Überschaubares Niveau
Sportliche Höchstleistungen sollte man nicht erwarten. "Es ist kein gutes Niveau, das wir in der A-Junioren-Kreisliga haben", sagt Bernhard Reif, der Jugendleiter des VfB Eppingen. Das sieht auch Ralf Winter so. Der Sportliche Leiter des VfB Bad Rappenau ist gerade dabei, die Jugend-Sünden seines Vereins wieder gut zu machen. Seit diesem Jahr hat der VfB wieder eine A-Jugend − als SG mit dem SV Babstadt. "Dabei geht es primär nicht um den sportlichen Erfolg. Wichtig ist, dass wir überhaupt dabei sind", sagt Winter.
Wie man die Jugend von heute an sich binden kann, zeigt der TSV Obergimpern. Fußball allein, das reicht nicht. Das Zusammensein sei wichtig, die Kameradschaft. "Wir haben im Sommer ein Trainingswochenende gemacht und uns vom Motorradclub einen Pool ausgeliehen. So etwas kommt an", sagt Holger Funk.
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