"Bei den Mädchen haben wir momentan mehr Glück"

"Bei den Mädchen haben wir momentan mehr Glück"
Ist seit neun Jahren Kreisjugendleiter: Bernd Rothmeier.Foto: privat 

Fußball - Früher wollten die Jungen nur das eine − Fußball spielen. Heute ist das anders. Bernd Rothmeier, Kreisjugendleiter im Fußballkreis Sinsheim, sieht mit Sorge auf die rückläufigen Zahlen im Jugendfußball. "In naher Zukunft haben auch die Herrenmannschaften Probleme", sagt der 54-Jährige aus Eppingen im Gespräch mit unserem Redakteur Eric Schmidt.

Herr Rothmeier, als Sie jung waren, haben Sie auch A-Jugend gespielt. Wie war das damals?

Bernd Rothmeier: Anders. Da hatte fast jeder Verein eine A-Jugend. Von den 48 Kreisvereinen hatten mit Sicherheit 40 A-Jugendmannschaften. Es gab natürlich auch mehrere A-Jugendstaffeln. Aber so alle fünf, zehn Jahre ist es weniger geworden mit den A-Jugendmannschaften.

Jetzt sind es nur noch zwölf im Fußballkreis Sinsheim. Das kann Ihnen nicht gefallen...

Rothmeier: Wir hätten mit Sicherheit lieber ein paar Mannschaften mehr. Nur: Die Jugendzahlen lassen es nicht zu. Und wenn es zu einer Mannschaft reichen würde oder zu einer Spielgemeinschaft mit einem anderen Verein, werden die Spieler oft schon für die Herrenmannschaft frei gemacht − weil auch dort immer mehr Spieler fehlen. Darunter leidet der A-Jugend-Spielbetrieb.

Gibt es nur bei den A-Junioren ein Nachwuchsproblem?

Rothmeier: Im Moment geht’s. Bei den B-Junioren haben wir mehr Mannschaften als bei den A-Junioren. Bei den C-Junioren ist die Situation noch ein bisschen besser. Doch je höher die Alterstufe wird, desto weniger Spieler haben wir.

Woran liegt das?

Rothmeier: Zu meiner Zeit hatten wir nicht so viele Freizeitmöglichkeiten. Klar, den Musikverein gab es schon immer. Die Zahl der Sportvereine und Sportmöglichkeiten war beispielsweise in Eppingen um einiges weniger. Heute sitzt man lieber vor dem PC. Selbstverständlich macht sich auch der demografische Wandel bemerkbar. Schauen Sie doch nur nach Daisbach: Eine Kollegin hat mir erzählt, dass man dort in einem Jahr fünf Geburten hatte − und davon waren nur zwei Jungs. In kleinen Orten wird es für den Fußballverein dann schwierig. Es gibt schon jetzt einige Vereine, die keine Jugendspieler mehr haben. Da sehe ich in naher Zukunft auch für die Herrenmannschaften Probleme.

Im Jugendbereich behilft man sich gerne mit Spielgemeinschaften.

Rothmeier: Alleine bringt so gut wie kein Verein mehr eine Mannschaft zusammen. Er ist also auf die Kooperation mit anderen Vereinen angewiesen. Oft muss man nicht nur einen, sondern zwei Partner finden.

Deshalb gibt es auch die SG Eschelbach/Eichtersheim/Waldangelloch/Michelfeld. Ein solcher Name passt in keine Überschrift.

Rothmeier: Der Name ist schon etwas lang, ja. Aber hier haben wir die Möglichkeit gegeben, kürzere Namen zu machen. Im Kreis Sinsheim gibt es beispielsweise die SG Steinsberg − dahinter verbergen sich der FC Weiler, der SV Reihen und der SV Hilsbach. Denkbar wären auch die SG Kraichtal oder die SG Angelbachtal, um die langen Namen zu vermeiden. Aber jeder will sich natürlich irgendwo wiederfinden.

Was können Sie als Kreisjugendleiter gegen das Nachwuchsproblem tun?

Rothmeier: Wir haben vom Badischen Fußballverband den Vereinen einige Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Unser Ziel ist es, flexibler zu werden im Spielbetrieb. Wenn ein Verein keine Spielgemeinschaft machen will, gibt es die Möglichkeit, mit Mannschaften anzutreten, die nur neun oder nur sieben Spieler haben. Wir versuchen dann, Staffeln mit Elfer-, Neuner- oder Siebener-Mannschaften zu gründen. Je nachdem, wie viele Spieler da sind an einem Tag, spielt man elf gegen elf oder neun gegen neun. Wir wollen diejenigen, die wirklich Fußball spielen wollen, bei der Stange halten. Es gibt auch Gastspielberechtigungen. Wenn ein Verein nur vier Spieler hat, kann er sie auch an den Nachbarverein weitergeben.

Kann es sein, dass die Kreise Sinsheim und Bruchsal irgendwann eine gemeinsame A-Jugend-Liga machen?

Rothmeier: Das haben wir tatsächlich schon andiskutiert. Im Odenwaldbereich haben wir das ja bereits. Die Kreise Mosbach, Tauberbischofsheim und Buchen haben sich zusammen getan und jetzt eine gemeinsame A-Jugend-Staffel. Sollte es bei uns mal kommen, wollen wir − wenn es geht − den Kreis nicht trennen: dass die einen nach Mosbach und die anderen nach Bruchsal gehen. Bruchsal würde sich natürlich anbieten. Aber im Moment hoffen wir, dass wir es noch ein paar Jahre ohne Grenzüberschreitungen über die Bühne kriegen. Es ist schon kurios: Bei den Mädchen haben wir im Moment mehr Glück. Da ist der Zuwachs noch vorhanden.




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