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Wenn auf einmal der ganze Rummel fehlt
Von Florian Huber
Fussball - Draußen ist die Bewegung. 15 Uhr, Donnerstag. Ortstermin Trainingsgelände Hoffenheim. Mannschaftstraining. Drinnen sitzt Matthias Jaissle, die Krücken an einen Stuhl gelehnt. Drinnen ist an diesem Nachmittag der Pressecontainer von 1899 Hoffenheim. Matthias Jaissle blickt oft hinaus aus dem kleinen Fenster, dahin, wo die Bewegung auf dem Trainingsplatz ist. Seine Augen verfolgen den Ball. "Da ist natürlich Wehmut dabei", sagt Jaissle.
Am 21. März ist in seinem linken Knie das Kreuzband gerissen. "Ich wusste sofort, was Sache ist. Das spürst du als Sportler", sagt er. Jaissle quälte sich im Hoffenheimer Rehazentrum und in Donaustauf fürs Comeback. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass die Reha immer Spaß macht." Der Ball, die Anspannung vor dem Spiel, das Adrenalin - all das hat er in den vergangenen Monaten vermisst. Erst im nächsten Januar 2010 wird Jaissle auf den Platz zurückkehren. Nach einem Einsatz in der Hoffenheimer Oberliga-Mannschaft waren die Schmerzen im Knie wieder da. Dass Sportler in sich hineinhorchen, ist normal. "Mir war aber sofort klar, dass da etwas nicht stimmt", sagt der gebürtige Nürtinger.
Wieder Pause, wieder Reha Einen kleinen Riss im Außenmeniskus haben die Ärzte nun festgestellt. Wieder Pause, wieder Reha. "Mein Ziel ist das erste Spiel in der Rückrunde", sagt er. Aufgeben, das kommt nicht in Frage. "Jetzt erst recht", sagt er, und die Augen wandern zum Fenster, erneut raus auf den Trainingsplatz: "Jetzt hab ich zumindest die Sicherheit, dass mein Knie hält." Sicherheit, die vorher nicht da war. Phasen der Verzweiflung habe er einige mitgemacht, gibt er zu. Zum Beispiel während der U-21-EM. "Das war besonders hart, da vor dem Fernseher zu sitzen", sagt er. Physiotherapeuten und Mitspieler wie Vedad Ibisevic oder Andreas Beck haben ihm da raus geholfen.
Schließlich war dieser Riss des Kreuzbandes nicht die erste schwere Verletzung. Noch als A-Jugend-Spieler beim VfB Stuttgart plagte sich Jaissle mit einem Knochenödem am Fußgelenk herum, kurz danach traten Bandscheibenprobleme auf. Anschließend gab es nur noch eine Karriererichtung: Steil nach oben. "Das gibt mir die Hoffnung, dass ich auch dieses Mal stärker aus dieser Situation heraus komme", sagt Jaissle: "Man schätzt die Gesundheit einfach mehr."
Und das wesentlich angenehmere Leben als gesunder Fußballer. Die Kollegen auf dem Platz fehlen genauso wie der Ball. "Es ist mehr Spaß dabei." Die Tage in der Reha sind deutlich länger und härter. "Meine Mutter sagt immer: Harte Arbeit lohnt sich."
In den vergangenen Monaten waren es die kleinen Triumphe, die für Motivation gesorgt haben. Kleine Etappen. Die Krücken weglegen, aufs Rad steigen. "Die Zeit mit den Krücken ist die schlimmste", sagt Jaissle. Angewiesen sein auf andere. Kurzfristig hat er sich ein Auto mit Automatik besorgt. Sein Mini bleibt vorerst stehen. Die schönste Erinnerung hat Jaissle an den Tag, als er zum ersten Mal gegen einen kleinen Softball treten durfte. "Da bin ich mit einem Dauergrinsen nach Hause gekommen, und meine Freundin Nancy hat gefragt, was denn mit mir los sei." Gesunde Fußballer sind Mannschaftssportler. Verletzte Fußballer werden zu Einzelkämpfern. Der Physiotherapeut als Mischung aus bestem Freund und Oberfeldwebel weicht nicht von der Seite. Das sei nicht immer leicht, sagt Jaissle. Auch, weil er einer ist, den man eher bremsen muss. Einer, der vor Ehrgeiz und innerem Antrieb zu viel, zu schnell erreichen möchte.
Die Ruhe nach dem Hype Verletzungen sind immer auch Kopfsache. Jaissle war Stammspieler in der Hinrunde, im Nationaltrikot auf dem Weg zu U-21-EM in Schweden. Mittendrin im großen Hype um den Aufsteiger aus dem Kraichgau. Dann reißt das Kreuzband. "Und plötzlich ist es nach drei, vier Wochen still um dich. Das war schon ungewohnt", gibt er zu. Damals in der Jugend, nach der ersten Verletzung, sei das anders gewesen. Um Jugendspieler beim VfB Stuttgart herrscht kein großer Trubel.
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