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Warten auf den Dreier
Von Lars Müller-Appenzeller
"Ich glaube nicht, dass ein Spieler am Samstag anders spielt, wenn er weiß, dass ich meinen Vertrag verlängert habe."
Ralf Rangnick
Fussball - Die Gesprächsrunde war nett, die Journalisten hatten in der halben Stunde mit Trainer Ralf Rangnick so einige Themen bei 1899 Hoffenheim gemeinsam abgearbeitet: den schwachen Rückrundenauftakt (0:9 Punkte); das Problem beim Abschluss (0:7 Tore); die Personalsituation (Isaac Vorsah und Chinedu Obasi sind vom Afrika-Cup zurück); die Ausgangslage beim Gegner Hannover 96 vor dem Gastspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in der Rhein-Neckar-Arena; das Verhältnis zu Gästetrainer Mirko Slomka; und die Vertragssituation. Dann kam die Frage: "Herr Rangnick, wir haben über so viele Themen gesprochen. Welches wäre der Aufhänger für Sie, wenn Sie eine Vorschau schreiben müssten?" Rangnick unterdrückte ein Lächeln und antwortete: "Für mich steht immer das Sportliche im Vordergrund." Im "Kicker" stand dazu passend: "Wir wollen gewinnen und den Turnaround schaffen." Im Fachmagazin stand aber noch mehr.
Der "Kicker" zitiert den Trainer des Rückrundentabellenletzten so: "Fußball ist auch Tagesgeschäft, einiges hängt von den nächsten Ergebnissen ab." Auch die vorzeitige Vertragsverlängerung? Ralf Rangnick reagiert auf das Thema gelassen, seine Argumente stechen. Die Ausgangslage: Der Vertrag des 51-Jährigen läuft zum Saisonende 2010/2011 aus. Er sagt: "Es gibt derzeit wichtigere Dinge. Der Vertrag läuft noch knapp eineinhalb Jahre."
Ein Zeichen
Ob eine vorzeitige Verlängerung in dieser wichtigen Phase nicht ein Zeichen wäre? Auch an die Mannschaft? "Ich brauche das Signal nicht", sagt der Cheftrainer. Am Anfang seiner Arbeit, da sei es ganz klar um Zeichen für seine Spieler gegangen. Deshalb habe er einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen: um den Spielern zu zeigen, dass es ein Konzept gibt, das nicht nach ein paar Niederlagen mit einem Trainerwechsel über den Haufen geworfen wird. Ralf Rangnick: "Ich glaube nicht, dass ein Spieler am Samstag anders spielt, wenn er weiß, dass ich meinen Vertrag verlängert habe." Die Trainer und die Verträge - das ist und bleibt dennoch ein sensibles Thema.
Inniges Verhältnis
Das gilt gleichermaßen für die Beziehung von Ralf Rangnick und Mirko Slomka. Rund fünf Jahre arbeiteten beide Seite an Seite. Rangnick als Chef, Slomka als Assistent. Erst in Hannover. Dann auf Schalke. "Jeder weiß, dass wir ein unglaublich freundschaftliches und inniges Verhältnis hatten", sagt Slomka. "Diese Freundschaft hat sehr gelitten." Weil Slomka beim FC Schalke 04 Rangnicks Nachfolger wurde. In einem "Kicker"-Interview sagt Slomka vor dem ersten Wiedersehen: "Leider ist der enge Kontakt abgerissen, die Freundschaft zerbrochen. Ich sehe keine Chance, dies zu ändern."
Ralf Rangnick reagierte gestern Nachmittag auf die zwei Sätze so: "Das ist seine Sicht der Dinge. Das Leben ist nun einmal so." Und schiebt nach: "Ich halte es übrigens durchaus für möglich, dass wir am Samstag zwei, drei Sätze wechseln. Nur weil wir keine Freunde mehr sind, sind wir noch lange nicht Feinde." Was Ralf Rangnick an dieser Stelle nicht gesagt hat: Es gibt derzeit wichtigere Dinge.
Wichtig ist für 1899 Hoffenheim, am Samstag zu punkten. Für das Punktekonto. Für die Moral. Vielleicht auch für den ein oder anderen Vertrag. Das Interessante: Slomkas jüngst verstärkte Mannschaft ist in der Rückrundentabelle lediglich ein Törchen besser als der Gastgeber. Die Erinnerung an die Spiele gegen Leverkusen und Schalke, als richtig gute Chancen nicht genutzt und vermeidbare Tore kassiert wurden, "das nagt", sagt Ralf Rangnick, der "sehr überzeugt" ist, morgen endlich wieder drei Punkte zu holen.
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