Lausbuben auf dem Abenteuerspielplatz

Von Eric Schmidt

Lausbuben auf dem Abenteuerspielplatz

„Dieses Unentschieden ist wie ein gefühlter Sieg für uns.“

Tobias Weis

 

Fußball - Jan Schindelmeiser besaß auch dem Spiel noch einen Audi. Als der Manager von 1899 Hoffenheim am späten Samstagabend die Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena verließ, fuhr er mit einem weißen A 6 davon. Nein, es stand kein VW auf seinem Parkplatz, kein Polo oder Phaeton als Geschenk des Volkswagenvereins VfL Wolfsburg. „Ich werde mal in unserem Trainingszentrum nachschauen, ob VWs abgestellt wurden. Aber ehrlich gesagt kann ich mir das nicht vorstellen“, sagte Schindelmeiser lächelnd.

Vielleicht gibt es in den nächsten Tagen noch eine Belohnung aus Niedersachsen, eine kleine Aufmerksamkeit hätte 1899 Hoffenheim verdient. Sollte der VfL Wolfsburg am Samstag tatsächlich Meister der Fußball-Bundesliga werden, hat er es unter anderem „Hoffe“ zu verdanken. 2:2 spielte der kleine Kraichgau-Club gegen den großen FC Bayern München - und knöpfte ihm zwei wichtige Punkte im Titelrennen ab. Nach einem atemberaubend-hinreißenden Duell. Nach einem packenden Schlagabtausch, in dem der Rasen zum Abenteuerspielplatz geworden war.

Schöner Streich

Wie Lausbuben einen gelungenen Streich, so feierten die jungen Spieler des Bundesliga-Azubis hinterher ihr Unentschieden. „Dieses Unentschieden ist wie ein gefühlter Sieg“, sagte Tobias Weis. „Wir hatten alle Entzugserscheinungen - nicht so sehr nach Siegen, sondern nach der Spielweise aus der Hinrunde“, erklärte Trainer Ralf Rangnick und freute sich: „Die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen.“ Auch Torwart Timo Hildebrand, der unter den Augen von Bundestrainer Jogi Löw eine starke Leistung zeigte, war begeistert: „Wir haben das richtig gut gemacht und den Bayern Paroli geboten.“

Dass es ein spektakulärer Tag wurde, lag vor allem an Artisten wie Franck Ribéry (München) und Carlos Eduardo (Hoffenheim). Der fintenreiche Ribéry ließ den armen Andreas Ibertsberger auf der rechten Abwehrseite bisweilen wie einen Hydranten stehen, Eduardo spielte nach seiner Sperre wie entfesselt auf. Nach dem 0:1 (16.) durch Ribéry leitete der Brasilianer mit einem herrlichen Pass das 1:1 (21.) von Demba Ba ein, das 2:1 (28.) schoss er selbst. Ribéry wiederum legte Luca Toni den 2:2-Ausgleich auf (44.). Nach der Pause änderte „Hoffe“ seine Taktik und zog sich in die eigene Hälfte zurück. Es war ein blaues Labyrinth, in dem sich die roten Bayern kaum noch zurechtfanden.

Perspektiven

„Taktisch haben wir unglaublich gut gespielt. So gut wie in der ganzen Hinrunde nicht. Wir waren kompakt. Wie ein Block“, sagte Ba. Auch Bayern-Coach Jupp Heynckes staunte: „Wie Hoffenheim spielt, ist allererste Sahne. Vor allem die Stürmer gefallen mir. Die könnte ich mir auch bei Bayern vorstellen.“

Obasi, Ba und Eduardo in München? In Hoffenheim wird man einen Teufel tun, die Leistungsträger ziehen zu lassen. Die meisten haben noch Vertrag - auch Ba, an dem der VfB Stuttgart Interesse haben soll. „Ich mache mir keine Gedanken. Die Jungs wissen, was sie an uns haben“, erklärt Schindelmeiser, der nun am Team der Zukunft bastelt. Torwart Daniel Haas wird weitermachen, Selim Teber gehen. Möglich, dass auch Ramazan Özcan das Weite sucht.

Was Neuzugänge betrifft, sind noch keine Entscheidungen gefallen. Zu den Gerüchten, der Verein sei mit dem brasilianischen Mittelfeldspieler Maicosuel von Botafago Rio de Janeiro im Gespräch, wollte Schindelmeiser keine Stellungnahme abgeben. Von einer Sache ist er aber überzeugt: „Wir werden eine richtig gute Mannschaft haben, die die Großen wieder etwas ärgern kann.“ Wann die Neuen kommen? Kein Kommentar. Sollten sie am Flughafen in Frankfurt landen, werden sie natürlich abgeholt. Nicht mit einem VW, sondern mit einem Audi.



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